Während in Offenburg die nächste Oberbürgermeisterwahl vorbereitet wird, passiert das Entscheidende – wie so oft – nicht öffentlich. Hinter verschlossenen Türen führen CDU, SPD und Grüne Gespräche. Es wird sondiert, geprüft, abgewogen. Namen kursieren, werden verworfen, wieder aufgegriffen. Alles klingt nach Bewegung. Und gleichzeitig passiert: nichts. Denn was die Öffentlichkeit zu sehen bekommt, ist vor allem eines: ein Vakuum an Ideen.
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ToggleKandidaten „an der Angel“ – aber wofür eigentlich?
Laut Berichterstattung im Offenburger Tageblatt sind die Parteien „gut unterwegs“. Sie suchen Persönlichkeiten, die „zu Offenburg passen“, Sympathie ausstrahlen und möglichst viele Wähler erreichen. Das klingt gefällig. Aber es ist politisch erschreckend dünn. Denn die zentrale Frage wird konsequent vermieden: Wofür sollen diese Kandidaten eigentlich stehen?
- Wie soll Offenburg auf die Klimakrise reagieren?
- Wie wird der öffentliche Raum neu verteilt?
- Wie schaffen wir echte soziale Teilhabe in einer wachsenden Stadt?
- Wem gehört die Stadt eigentlich?
Darauf gibt es bislang: keine Antworten.
Demokratie im Wartemodus
Die Strategie ist offensichtlich: Erst Kandidaten präsentieren, dann Inhalte nachreichen – oder auch nicht. Das reduziert eine OB-Wahl auf ein Castingformat. Gesucht wird nicht die beste Idee, sondern die am besten vermittelbare Person. Das mag für Parteien bequem sein.
Für eine Stadtgesellschaft ist es ein Problem. Denn so entsteht keine Debatte. So entsteht Verwaltung von Bekanntem.
Während andere noch suchen, hat Offenburg längst eine Alternative
Mit Ulrich Albicker steht bereits seit Mai 2025 ein Kandidat öffentlich fest. Nicht im Hinterzimmer ausgewählt, sondern sichtbar, ansprechbar und inhaltlich positioniert. Die Konferenz für Urban Transformation Design bringt damit etwas in diese Wahl ein, das bislang fehlt: eine offene Diskussion über die Zukunft dieser Stadt.
Der Versuch, neue Politik kleinzureden
Interessant ist dabei, wie über diese Kandidatur gesprochen wird. Statt sich mit Inhalten auseinanderzusetzen, wird versucht, sie einzuordnen, zu relativieren, einzuhegen. Mal ist von „Beobachtern“ die Rede, mal von angeblichen Rollen im Hintergrund. Das ist kein Zufall. Es ist der klassische Reflex eines Systems, das sich selbst reproduziert – und echte Konkurrenz zunächst nicht ernst nimmt.
Die eigentliche Entscheidung steht noch aus
Diese OB-Wahl wird nicht im Mai entschieden, wenn Parteien ihre Kandidaten präsentieren. Sie wird auch nicht durch Schlagzeilen entschieden. Sie entscheidet sich daran, ob es gelingt, die zentralen Fragen dieser Stadt endlich offen zu verhandeln:
- Wie viel Platz bekommt der Mensch – und wie viel das Auto?
- Wie ernst nehmen wir Klimaanpassung wirklich?
- Wie gerecht ist Offenburg heute – und wie gerecht soll es werden?
Wer dazu nichts zu sagen hat, ist vielleicht ein guter Kandidat für das System von gestern. Aber nicht für die Stadt von morgen.
Bühne gesucht? Bühne gebaut.
Wenn etablierte Strukturen keine Räume für Debatten öffnen, dann entstehen diese Räume eben anderswo. Auf der Straße. Im Quartier. Im direkten Gespräch. Offenburg braucht keine weiteren Kandidaten „an der Angel“. Offenburg braucht endlich eine echte Wahl.
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