Heute Morgen bei der Fasentdaifi haben zwei Namen für ein kollektives Schmunzeln gesorgt – und für mehr als das: Die Fasentkinder heißen „Wasserstroßversperrerle“ und „Mühlbachbrücketröderle“. Humorvoll, verspielt, treffend. Und ehrlich. Denn diese Namen sind kein Zufall. Sie erzählen davon, was fehlt. Und davon, was viele spüren, aber politisch noch nicht wirklich greifen.
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ToggleEine Brücke, die mehr war als Beton
Die alte Jugendstilbrücke am Mühlbach war keine bloße Querung. Sie war Alltagsweg, Stadtraum, Identität. Man ging über sie, blieb stehen, nahm den Ort wahr. Dass sie heute nur noch als Baustelle existiert – und in der Erinnerung – ist ein Verlust, der längst gesellschaftlich angekommen ist.
Nur: politisch ist er abgehakt. Zu spät, heißt es dann. Beschlossen. Durch. Alternativlos. Doch genau hier liegt das Problem.
Wenn die Fasent den Finger in die Wunde legt
Dass ausgerechnet die Fasent diese Themen aufgreift, ist kein Klamauk. Die Fasent ist ein Seismograf. Sie überspitzt, was im Alltag verdrängt wird. Sie sagt, was sonst niemand mehr laut ausspricht. „Wasserstroßversperrerle“ – weil eine Baustelle plötzlich Quartiere trennt. “Mühlbachbrücketröderle“ – weil man spürt, dass hier etwas verschleppt, verloren, schlecht kommuniziert wurde. Das ist kollektives Gedächtnis in Kostümform.
Und doch: Der große Konflikt ist noch nicht angekommen
So deutlich diese Namen sind – sie zeigen auch etwas anderes: Das Ringen um den anstehenden Bürgerentscheid ist noch nicht in der Breite der Stadt angekommen. Viele nehmen Symptome wahr: Baustellen, Sperrungen, Verluste. Aber die eigentliche Frage dahinter bleibt oft unscharf:
Wie wollen wir die Zukunft dieser Stadt gestalten – und wer entscheidet darüber?
Es geht eben nicht nur um eine Brücke.
Es geht um Stadtentwicklung.
Um Beteiligung.
Um Transparenz.
Um die Frage, ob Offenburg reagiert oder gestaltet.
Offenburg hinkt – und das ist kein Naturgesetz
Andere Städte diskutieren längst über Klimaresilienz, flächengerechte Verteilung, lebenswerte Quartiere, echte Beteiligung. In Offenburg holen uns diese Debatten oft erst dann ein, wenn der Bagger schon da ist. Das ist kein böser Wille. Aber es ist ein strukturelles Problem. Und genau deshalb ist der kommende Bürgerentscheid so entscheidend: Er ist mehr als eine Einzelfrage. Er ist ein Richtungsentscheid.
Die Einladung liegt auf der Straße – im wahrsten Sinne
Die Fasent hat es vorgemacht: Die Themen sind da. Sie sind anschlussfähig. Sie bewegen. Jetzt braucht es den nächsten Schritt – raus aus der Ironie, rein in die Debatte.
Wer heute über das „Mühlbachbrücketröderle“ lacht, ist morgen vielleicht bereit, sich zu fragen:
Warum entscheiden wir eigentlich so spät?
Warum sind Alternativen oft keine?
Und warum reden wir über Zukunft erst, wenn sie schon verbaut ist?
Die Zukunft Offenburgs entscheidet sich nicht im Kostüm. Aber manchmal beginnt sie genau dort – wenn man hinhört, wo die Stadt ungeschminkt spricht. Jetzt ist der Moment, diese Signale ernst zu nehmen.
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