Beim Lokalforum waren sich die Bewerberinnen und Bewerber über eines einig: Offenburg braucht mehr bezahlbaren Wohnraum. Interessant wird es dort, wo die Wege auseinandergehen.
Junge Menschen suchen eine Wohnung und finden keine, Familien fragen sich, ob sie in Offenburg bleiben können, ältere Menschen benötigen andere Wohnformen. Das Thema Wohnen war beim Lokalforum des Offenburger Tageblatts entsprechend präsent. Die Antworten kreisten um Neubau, schnellere Genehmigungen, leer stehende Wohnungen und neue Partnerschaften. Das ist ein Anfang. Doch die entscheidende Frage lautet: Wie wird zusätzlicher Wohnraum für die Menschen bezahlbar, die ihn am dringendsten brauchen – und wie bleibt er es?
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ToggleMehr bauen: notwendig, aber noch keine Antwort auf die Mietfrage
In einem der Duelle wurde das Ziel von 3.000 neuen Wohnungen genannt. Julian Christ sprach an anderer Stelle darüber, Verfahren in der Bauverwaltung zu beschleunigen, baurechtliche Möglichkeiten zu nutzen und Wohnbau, Genossenschaften und weitere Akteure an einen Tisch zu bringen. Auch Nachverdichtung und Entwicklung in den Ortsteilen kamen zur Sprache.
Schnellere Verfahren können helfen, wenn Projekte feststecken. Sie ersetzen aber keine Entscheidung darüber, was genehmigt wird. Neue Wohnungen können teuer oder bezahlbar sein, dauerhaft gebunden oder nach wenigen Jahren wieder dem freien Markt überlassen werden. Eine hohe Zahl allein sagt darüber nichts aus. Wer ein Wohnungsziel nennt, sollte deshalb auch sagen, für welche Einkommen gebaut wird und wie lange die Mieten bezahlbar bleiben sollen.
Der Boden entscheidet mit
Ulrich Albicker brachte Erbbaurecht sowie genossenschaftliches und gemeinnütziges Bauen ins Gespräch. Dahinter steckt eine langfristige Weichenstellung: Wenn die Stadt Grundstücke behält und zur Nutzung vergibt, kann sie Bedingungen für das Bauen vereinbaren und behält Einfluss auf ihre Flächen. Verkauft sie Boden, gibt sie einen Teil dieses Einflusses dauerhaft ab.
Genossenschaften und gemeinnützige Träger können Wohnungen stärker am Bedarf der Mitglieder und Bewohnerinnen und Bewohner ausrichten. Auch hier müssen die Einzelheiten stimmen: Wer bekommt Zugang? Wie werden Mieten festgelegt? Wo entstehen die Wohnungen? Albicker sprach ausdrücklich dafür, bezahlbares Wohnen nicht nur an den Stadtrand zu verlagern. Eine sozial gemischte Stadt braucht solche Wohnungen auch in gut erreichbaren Lagen.
Die städtische Wohnbau gehört ebenfalls in diese Debatte. Welche Aufgabe soll sie übernehmen, welche Flächen kann sie nutzen, und woran messen wir ihren Erfolg? Die Aussage, die Stadt baue nicht selbst, greift als politische Beschreibung zu kurz, solange ihre eigenen Unternehmen und Grundstücke Gestaltungsmöglichkeiten bieten.
Leerstand: Wohnungen nutzen, Zahlen klären
Auch die Aktivierung leer stehender Wohnungen wurde angesprochen. Das ist vernünftig: Jede tatsächlich nutzbare Wohnung, die wieder bewohnt wird, kann helfen, ohne dafür eine neue Fläche zu bebauen. Aber „Leerstand“ ist keine einzige Kategorie. Eine Wohnung kann vorübergehend zwischen zwei Mietverhältnissen frei sein, sanierungsbedürftig, Teil eines Umbaus oder dauerhaft ungenutzt.
Offenburg braucht deshalb zunächst belastbare, öffentlich nachvollziehbare Zahlen: Wie viele Wohnungen stehen länger leer, aus welchen Gründen und in welchen Stadtteilen? Erst dann lässt sich beurteilen, welche Beratung, Anreize oder anderen Instrumente sinnvoll sind. Eine bloße Zahl in einer Wahlkampfrede macht noch keine Wohnung verfügbar.
Verdichten, ohne Lebensqualität zu verbauen
Mehr Wohnungen innerhalb der Stadt können Wege verkürzen und neuen Flächenverbrauch begrenzen. Zugleich brauchen die Menschen gerade in dicht bebauten Vierteln Bäume, Schatten, zugängliche Freiräume und Platz für Kinder. Nachverdichtung mit Augenmaß muss beides leisten. Wer jede freie Fläche nur als Baupotenzial betrachtet, schafft möglicherweise Wohnungen und verschärft zugleich die Hitze vor ihren Türen.
Deshalb sollten wir bei jedem größeren Vorhaben zusammen fragen: Wie viele dauerhaft bezahlbare Wohnungen entstehen? Was geschieht mit Grün und Aufenthaltsqualität? Sind Alltag, Schule, Einkauf und öffentliche Verkehrsmittel gut erreichbar? Und können Menschen mit unterschiedlichen Einkommen dort wohnen?
Was wir vor der Wahl noch wissen wollen
Das Lokalforum zeigte Ansätze, ließ aber die Verteilungsfrage häufig offen. Für alle Kandidierenden ergeben sich daraus dieselben Nachfragen:
- Wie viele der geplanten Wohnungen sollen dauerhaft bezahlbar sein, und für wen?
- Welche städtischen Grundstücke sollen im Eigentum bleiben und im Erbbaurecht vergeben werden?
- Welchen konkreten Auftrag soll die städtische Wohnbau erhalten?
- Wie werden längerfristiger Leerstand und Wohnungsverlust erfasst und angegangen?
- Wie verbinden Sie zusätzliche Wohnungen mit Bäumen, Freiräumen und kurzen Wegen?
Wohnen ist mehr als die Zahl neuer Gebäude. Es entscheidet darüber, ob Menschen in ihrer Stadt bleiben können und ob Offenburg auch künftig Platz für unterschiedliche Lebenslagen bietet. Die wichtigste Wahlfrage ist daher nicht nur, wer schneller bauen will. Sie lautet, wer dauerhaft bezahlbares Wohnen möglich macht – und welche Mittel die Stadt dafür selbst in der Hand behält.
Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag ordnet Aussagen aus dem Lokalforum vom 24. September 2026 ein. Die Kandidierenden bekamen unterschiedliche Fragen und wenig Redezeit.
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