Eine Holzschablone auf dem Asphalt zeigt in schwarzen Buchstaben die Temperatur 64 °C an, umrandet von einem leuchtend pinkfarbenen Sprühfarbenrand.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International

Aktuelle Stunde im Gemeinderat: Dr. Annette Steinhausen fordert deutlich mehr Tempo beim Hitzeschutz

Die Hitzewelle der vergangenen Tage hat gezeigt, dass der Klimawandel längst in Offenburg angekommen ist. Temperaturen nahe 40 Grad, aufgeheizte Straßen und Plätze, kaum nutzbare Spielplätze und eine spürbar leerere Innenstadt haben vielen Menschen vor Augen geführt, wie sehr Hitze inzwischen den Alltag beeinflusst.

Vor diesem Hintergrund beantragte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Aktuelle Stunde im Offenburger Gemeinderat. Dr. Annette Steinhausen eröffnete die Debatte mit einer ausführlichen Einordnung der Ergebnisse des aktuellen Hitze-Checks der Deutschen Umwelthilfe und machte deutlich, warum sie die Situation als dringenden Handlungsauftrag für die Stadt versteht.

Hitze betrifft längst den Alltag

Steinhausen beschrieb Hitze nicht als gelegentliches Wetterereignis, sondern als eine Entwicklung, die nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens beeinflusst. Arbeit, Unterricht, Kinderbetreuung, Pflege, Gesundheitsversorgung und das öffentliche Leben würden durch lang anhaltende Hitze zunehmend erschwert.

Mit Blick auf die Klimaprognosen erinnerte sie daran, dass Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad künftig deutlich häufiger auftreten werden. Damit werde die Anpassung der Städte an den Klimawandel zu einer zentralen kommunalen Aufgabe.

Der Hitze-Check sieht Offenburg in einer schwierigen Lage

Im Mittelpunkt ihrer Rede standen die Ergebnisse des Hitze-Checks der Deutschen Umwelthilfe. Die Untersuchung bewertet alle deutschen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern anhand einheitlicher Kriterien. Betrachtet werden dabei ausschließlich Siedlungs- und Verkehrsflächen – also die Bereiche, in denen Menschen wohnen, arbeiten und sich im Alltag aufhalten. Stadtwald und landwirtschaftliche Flächen fließen bewusst nicht in die Bewertung ein, da sie den wohnortnahen Hitzeschutz nur begrenzt verbessern.

Nach Darstellung Steinhausens zeigt die Untersuchung für Offenburg erhebliche Defizite. Besonders kritisch sei der geringe Beschirmungsgrad durch Bäume. Gleichzeitig habe die Versiegelung weiter zugenommen. Beide Faktoren verstärkten die Aufheizung der Stadt im Sommer erheblich.

Sie erinnerte daran, dass große Bäume weit mehr leisten als nur Schatten zu spenden. Durch Verdunstungskühlung senken sie die Umgebungstemperatur deutlich und verbessern damit das Stadtklima. Der Verlust älterer Bäume könne deshalb durch junge Nachpflanzungen nur sehr langfristig ausgeglichen werden.

Hitzeschutz ist auch Sozial- und Gesundheitspolitik

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Rede war die soziale Dimension des Themas. Hitze treffe nicht alle Menschen gleichermaßen. Besonders dicht bebaute Quartiere mit wenig Grün seien überdurchschnittlich belastet. Menschen mit geringeren Einkommen lebten häufiger genau in diesen Bereichen.

Steinhausen machte deutlich, dass Hitzeschutz deshalb weit über Umweltpolitik hinausgehe. Es gehe ebenso um Gesundheitsvorsorge und soziale Gerechtigkeit.

Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Kinder sowie Menschen mit Vorerkrankungen. Für sie könne extreme Hitze zu einer ernsthaften gesundheitlichen Belastung oder sogar Lebensgefahr werden. Deshalb müssten gerade Kitas, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser sowie öffentliche Aufenthaltsbereiche besser auf zukünftige Hitzewellen vorbereitet werden.

Klimaanpassung konsequent umsetzen

Nach Auffassung Steinhausens verfügt Offenburg bereits über wichtige Konzepte zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung. Entscheidend sei nun jedoch deren konsequente und deutlich schnellere Umsetzung.

Sie sprach sich unter anderem für folgende Maßnahmen aus:

  • den konsequenten Erhalt bestehender Bäume,
  • zusätzliche Baumpflanzungen auf öffentlichen und privaten Flächen,
  • mehr Entsiegelung,
  • begrünte Dächer und Fassaden,
  • neue Grünflächen dort, wo große Bäume nicht möglich sind,
  • sowie ein regelmäßiges Monitoring der Wirksamkeit aller Maßnahmen.

Als Orientierung verwies sie auf die von der Deutschen Umwelthilfe empfohlene 3-30-300-Regel: Drei große Bäume im Sichtfeld jeder Wohnung, mindestens 30 Prozent Baumkronenbedeckung im Wohnumfeld und höchstens 300 Meter bis zur nächsten öffentlichen Grünfläche.

Hitzeschutz als Priorität der Stadtentwicklung

Zum Abschluss ihrer Rede richtete Steinhausen den Blick auf die finanziellen Prioritäten der Stadt. Angesichts begrenzter Haushaltsmittel müsse künftig stärker danach entschieden werden, welche Investitionen den Schutz der Bevölkerung vor den Folgen zunehmender Hitze tatsächlich verbessern.

Für sie ist Hitzeschutz keine freiwillige Zusatzaufgabe, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe kommunaler Politik. Gerade mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte müsse Offenburg seine Stadtentwicklung konsequent daran ausrichten, die Lebensqualität trotz steigender Temperaturen zu erhalten und besonders gefährdete Menschen wirksam zu schützen.

Die anschließende Debatte im Gemeinderat zeigte, dass das Thema inzwischen in der Kommunalpolitik angekommen ist. Wie schnell und mit welchen konkreten Maßnahmen Offenburg auf die wachsenden Herausforderungen reagieren wird, bleibt nun eine der entscheidenden Fragen der kommenden Jahre.

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