Ein in Rot gehüllter Baum mit einem Schild, auf dem „Ich mache Platz für deine Sicherheit“ steht, und einer großen Einblendung: „5.827 Unterschriften“. Im Hintergrund sind Wohnhäuser und ein Bürgersteig zu sehen.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International

Die Versicherung fordert keine Fällung – 5.800 Menschen verlangen jetzt Transparenz

Mehr als 5.800 Menschen haben inzwischen die Petition zum Erhalt der Platanen in der Fischerstraße unterschrieben. Aus einer kleinen Straße, in der selbst nur wenige Menschen wohnen, ist innerhalb weniger Tage ein Thema geworden, das weit über die unmittelbare Nachbarschaft hinausreicht.

Denn hinter der geplanten Fällung steht eine grundsätzliche Frage: Wie geht Offenburg mit großen, klimawirksamen Bestandsbäumen um, wenn ihre Wurzeln Schäden an Wegen und befestigten Flächen verursachen?

Als Begründung für die geplante Fällung wurden unter anderem Haftungs- und Versicherungsfragen genannt. Deshalb haben wir bei der BGV, dem Versicherer der Wohnbau Offenburg GmbH, nachgefragt.

Die Antwort ist bemerkenswert eindeutig.

Die BGV empfiehlt keine Baumfällungen

Die BGV schreibt:

„Grundsätzlich werden vom BGV keine Empfehlungen gegeben, Bäume zu fällen. Eine Fällung sollte nur im Einzelfall als letzte Möglichkeit in Betracht kommen.“

Auch allgemeine Vorgaben, wie Grundstückseigentümer mit Schäden durch Baumwurzeln umgehen müssen, macht die Versicherung nach eigener Aussage nicht. Jeder Schaden müsse einzeln betrachtet werden.

Damit ist klar: Es gibt keine pauschale Vorgabe der BGV, nach der Bäume gefällt werden müssen, sobald ihre Wurzeln Pflaster oder Wege anheben.

Die Versicherung sagt vielmehr das Gegenteil: Eine Fällung soll die letzte Möglichkeit sein.

Was wurde vor der Fällungsentscheidung geprüft?

Genau daraus ergeben sich nun entscheidende Fragen an die Wohnbau Offenburg GmbH und ihren Aufsichtsrat:

Wurden tatsächlich alle baumerhaltenden Möglichkeiten geprüft? Wurden angepasste Oberflächen, Reparaturen, Wurzelbrücken, größere Baumscheiben oder andere technische Lösungen untersucht? Liegt eine unabhängige fachliche Bewertung vor? Und gibt es überhaupt eine konkrete schriftliche Forderung der Versicherung, die diese Fällung notwendig machen soll?

Die BGV verweist bei Fragen zum konkreten Versicherungsverhältnis auf ihre Versicherungsnehmerin. Dazu könne sie öffentlich keine pauschale Auskunft geben.

Das bedeutet: Die Antwort der BGV beweist nicht, dass es im konkreten Fall keinerlei versicherungsrechtliche Anforderungen gibt. Sie beweist aber sehr wohl, dass eine pauschale Berufung auf „die Versicherung“ nicht ausreicht.

Wer neun rund 30 Jahre alte Platanen fällen will, muss die konkreten Gründe offenlegen.

5.800 Unterschriften können nicht ignoriert werden

Noch vor der Sommerpause haben wir die ersten 1.000 Unterschriften an Oberbürgermeister Marco Steffens übergeben. Inzwischen sind daraus bereits mehr als 5.800 geworden.

Der Oberbürgermeister hatte zugesagt, das Thema in die Sitzung des Aufsichtsrats der Wohnbau Offenburg GmbH einzubringen. Nun erwarten wir eine klare Antwort: Was wurde beraten? Welche Konsequenzen wurden gezogen? Und wird die geplante Fällung ausgesetzt, bis alle Alternativen unabhängig und transparent geprüft worden sind?

Die nächste öffentliche Sitzung des Gemeinderats findet erst im Oktober statt. Zu diesem Zeitpunkt könnten die Bäume bereits zur Fällung vorgesehen sein. Deshalb darf die Entscheidung nicht hinter verschlossenen Türen fallen und anschließend als alternativlos dargestellt werden.

Eine Fällung ist unumkehrbar

Beschädigtes Pflaster lässt sich reparieren. Wege können angepasst und neu gestaltet werden. Gefällte, jahrzehntealte Bäume lassen sich dagegen nicht kurzfristig ersetzen.

Junge Nachpflanzungen spenden über viele Jahre kaum Schatten, kühlen die Umgebung nur begrenzt und erreichen erst nach Jahrzehnten annähernd die Leistung großer Bestandsbäume.

Die BGV hat es selbst auf den Punkt gebracht: Eine Fällung darf nur als letzte Möglichkeit in Betracht kommen.

Jetzt müssen die Wohnbau Offenburg GmbH, ihre Geschäftsführung und ihr Aufsichtsrat zeigen, dass sie diesen Grundsatz ernst nehmen.

5.800 Menschen fordern: Stoppt die Fällung, legt die Entscheidungsgrundlagen offen und prüft zuerst alle Möglichkeiten zum Erhalt der Platanen.

Unterschreibe hier

https://change.org/platanen

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