Im Zuge der Diskussion um die geplante Gewerbeentwicklung auf dem Gelände des Offenburger Sonderlandeplatzes haben wir uns mit mehreren Fragen an die Stadtverwaltung gewandt. Dabei ging es uns vor allem um den Umgang mit hochwertigen Naturflächen – insbesondere mit den sogenannten mageren Flachland-Mähwiesen (FFH-Lebensraumtyp 6510), die auf dem Flugplatzgelände nachgewiesen wurden. Inzwischen liegt eine ausführliche Antwort der Stadt vor. Wir möchten diese hier verständlich zusammenfassen und einordnen.
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ToggleWarum haben wir überhaupt nachgefragt?
Der Sonderlandeplatz besteht zu großen Teilen aus artenreichen Magerwiesen. Diese gehören zu den europaweit geschützten Lebensraumtypen und sind ökologisch besonders wertvoll. Gleichzeitig plant die Stadt, auf dem Gelände ein Gewerbegebiet zu entwickeln.
Für uns stellte sich deshalb die zentrale Frage:
👉 Wie werden Natur- und Artenschutz bei der Standortentscheidung berücksichtigt?
Wann wird Natur- und Artenschutz geprüft?
Die Stadt erklärt, dass konkrete Umweltfragen vor allem im späteren Bebauungsplanverfahren untersucht werden. Dazu schreibt sie:
„Um Baurecht zu schaffen, ist die Aufstellung eines Bebauungsplans erforderlich… Zum Bebauungsplan ist ein Umweltbericht zu erstellen, der die ermittelten und bewerteten Belange des Umweltschutzes darstellt.“
Dieser Umweltbericht wird öffentlich ausgelegt und kann von allen Bürgerinnen und Bürgern eingesehen werden.
Außerdem werden Fachbehörden beteiligt und der Gemeinderat trifft am Ende eine Abwägungsentscheidung in öffentlicher Sitzung.
Was bedeutet das?
Die detaillierte Prüfung der Umweltauswirkungen erfolgt erst, wenn die Planung bereits relativ weit fortgeschritten ist. Grundsatzentscheidungen über die Nutzung eines Gebiets werden meist schon vorher getroffen.
Welche Rolle spielte Natur bei der Auswahl möglicher Gewerbeflächen?
Die Stadt verweist auf die Gewerbeflächen-Potentialanalyse aus dem Jahr 2022. Dort wurden verschiedene Standorte untersucht.
Die Verwaltung schreibt:
„Gebiete mit einem hohen Eingriff in Natur und Umwelt… wurden von vorneherein ausgespart.“
Ausgeschlossen wurden unter anderem:
- Naturschutzgebiete
- FFH-Gebiete
- Überschwemmungsgebiete
- Wasserschutzgebiete
- Waldflächen
Auch stark bewegtes Gelände wurde aus wirtschaftlichen Gründen nicht betrachtet.
Ein wichtiger Punkt: Keine Kartierung vor Ort
Besonders interessant ist folgende Aussage der Stadt:
„Die Bewertung erfolgte auf der Grundlage vorhandener Daten. Es ist jedoch keine Kartierung einzelner Biotoptypen vor Ort erfolgt.“
Das bedeutet: Die Vorauswahl möglicher Gewerbeflächen beruhte auf vorhandenen Daten und Karten – nicht auf detaillierten Untersuchungen direkt im Gelände. Die hochwertigen Magerwiesen auf dem Flugplatz wurden erst später genauer kartiert.
Wie wurden Naturbelange gewichtet?
Die Stadt erklärt:
„In die Bewertung sind grundsätzlich verschiedene Kriterien gleichermaßen eingeflossen.“
Zu diesen Kriterien gehörten neben Umweltaspekten auch Infrastruktur, Regionalplanung oder landwirtschaftliche Nutzung.
Gleichzeitig schreibt die Verwaltung:
„Ergebnisse, die eine Entwicklung eines Gebiets aus rechtlichen Gründen stark erschweren oder unmöglich machen, erhielten ein besonderes Gewicht.“
Übersetzt bedeutet das:
Flächen wurden vor allem dann ausgeschlossen, wenn ein Bau rechtlich nahezu unmöglich gewesen wäre. Ökologisch hochwertige Flächen ohne absolutes Bauverbot konnten dagegen grundsätzlich weiter betrachtet werden.
Was passiert mit den geschützten Wiesen?
Die Stadt bestätigt, dass bei einer Umsetzung der Planung Eingriffe in die Magerwiesen erforderlich sein könnten. Diese Eingriffe müssten dann im Bebauungsplanverfahren bewertet und durch Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden.
Was heißt das für die weitere Diskussion?
Die Antwort der Stadt zeigt deutlich:
- Die ökologischen Auswirkungen der Planung werden erst im weiteren Verfahren detailliert geprüft.
- Die Standortentscheidung basiert bislang nicht auf einer vollständigen naturschutzfachlichen Kartierung.
- Hochwertige Lebensräume außerhalb streng geschützter Gebiete können grundsätzlich überplant werden, wenn Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen sind.
Warum ist das für Offenburg wichtig?
Die Entscheidung über die Zukunft des Flugplatzgeländes betrifft nicht nur wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch:
- Artenvielfalt
- Klimaanpassung
- Naherholung
- Landschaftsbild
Gerade Magerwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas – sind aber gleichzeitig stark bedroht.
Unser Fazit
Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Stadt unsere Fragen ausführlich beantwortet hat. Die Antworten machen das Verfahren nachvollziehbarer und schaffen Transparenz. Gleichzeitig zeigt sich, dass zentrale ökologische Bewertungen erst in einem späteren Planungsschritt erfolgen. Damit wird die öffentliche Diskussion über den richtigen Umgang mit dem Flugplatzgelände besonders wichtig. Denn am Ende geht es um eine grundlegende Frage für Offenburg:
👉 Welche Flächen wollen wir künftig bebauen – und welche wollen wir als wertvollen Natur- und Lebensraum erhalten?
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