Ab Ende August beginnt in Offenburg die heiße Phase des Oberbürgermeisterwahlkampfs. Dann dürfen die Plakate aufgehängt werden – und mit ihnen wird sich das Stadtbild für einige Wochen deutlich verändern. Zwischen Porträtfotos, Namen und bekannten Wahlkampfsprüchen soll die Plakatserie von Ulrich Albicker bewusst auffallen. Nicht durch größere Versprechen, sondern durch Bilder, die politische Inhalte sichtbar machen.
Dieses Motiv widmet sich den Rechten und der Sicherheit von Frauen.
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ToggleEine Stadt für alle Frauen
„Frauenrechte stärken“, „Sicherheit für Frauen“, „Keine Gewalt gegen Frauen“ und „Gleiche Rechte“: Die Aussagen auf dem Plakat sind klar. Sie lassen wenig Raum für Ausflüchte.
Denn Gleichberechtigung ist zwar im Grundgesetz verankert, aber im Alltag noch lange nicht überall erreicht. Frauen übernehmen weiterhin einen großen Teil der Sorgearbeit. Sie sind häufiger von Altersarmut bedroht, erleben Benachteiligungen im Beruf und sind überproportional von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffen.
Auch Kommunalpolitik kann daran etwas ändern.
Sie entscheidet mit darüber, wie sicher öffentliche Räume gestaltet sind, wie gut Beratungsstellen und Frauenhäuser ausgestattet werden, ob Wege auch nachts angstfrei genutzt werden können und ob Betroffene schnell Hilfe finden. Sie entscheidet über Kinderbetreuung, soziale Infrastruktur, bezahlbaren Wohnraum, Mobilität und darüber, wer bei politischen Entscheidungen tatsächlich gehört wird.
Frauenrechte sind deshalb kein Spezialthema für einzelne Aktionstage. Sie gehören in die tägliche Arbeit einer Stadtverwaltung und in jede politische Entscheidung.
Sicherheit bedeutet mehr als Beleuchtung
Bei Sicherheit wird häufig zuerst an hellere Wege, Videoüberwachung oder Polizeipräsenz gedacht. Doch wirkliche Sicherheit beginnt früher.
Sie beginnt dort, wo Frauen ernst genommen werden, wenn sie von Bedrohungen berichten. Dort, wo Schutzangebote erreichbar und ausreichend finanziert sind. Dort, wo niemand aus finanzieller Abhängigkeit in einer gewalttätigen Beziehung bleiben muss. Und dort, wo Stadtplanung berücksichtigt, dass Menschen den öffentlichen Raum sehr unterschiedlich erleben.
Ein dunkler Durchgang, eine schlecht einsehbare Haltestelle oder ein weiter Weg vom Bahnhof nach Hause können für manche lediglich unangenehm sein. Für andere entscheiden sie darüber, ob ein Weg überhaupt genutzt wird.
Eine Stadt für alle muss solche Erfahrungen berücksichtigen – nicht erst dann, wenn etwas passiert ist.
Ein Mann auf einem Plakat über Frauenrechte?
Diese Frage darf gestellt werden. Ein männlicher Oberbürgermeisterkandidat sollte nicht so tun, als könne er für Frauen sprechen oder ihre Erfahrungen vollständig nachvollziehen.
Aber er kann zuhören. Er kann Schutzstrukturen stärken. Er kann Frauen an Entscheidungen beteiligen. Er kann dafür sorgen, dass ihre Perspektiven nicht als Nebensache behandelt werden. Und er kann deutlich machen, dass der Schutz vor Gewalt und die tatsächliche Gleichstellung keine Aufgaben sind, die Frauen allein lösen müssen.
Solidarität bedeutet nicht, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Solidarität bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, Macht zu teilen und denjenigen Raum zu geben, die viel zu oft übergangen werden.
Genau dafür stehen die Begriffe „Schutz“, „Hilfe“ und „Solidarität“ auf diesem Plakat.
Ein bewusst anderes Wahlplakat
Auch gestalterisch bricht das Motiv mit den üblichen Erwartungen an ein Wahlplakat. Statt eines glatten Studiofotos sehen wir ein farbintensives, ornamentales Porträt, das sich an der mexikanischen Porträtmalerei des 20. Jahrhunderts orientiert. Blumen, Herzen und kraftvolle Symbole umgeben den Kandidaten. Die handgemalte Schrift wirkt unmittelbar, beinahe wie auf einem Demonstrationsbanner.
Das Bild will nicht nüchtern informieren. Es will Haltung zeigen.
Die Ästhetik steht für Widerständigkeit, Selbstbestimmung und die Verbindung persönlicher Erfahrungen mit politischen Kämpfen. Damit passt sie zu einem Thema, das viel zu lange verharmlost oder in den privaten Bereich abgeschoben wurde.
Gewalt gegen Frauen ist nicht privat. Benachteiligung ist kein individuelles Problem. Und Gleichberechtigung entsteht nicht von allein.
Offenburg für alle Frauen
„Offenburg für alle Frauen“ steht unten rechts auf dem Plakat. Dieser Satz beschreibt einen Anspruch, an dem sich kommunale Politik messen lassen muss.
Gemeint sind Frauen aller Generationen, unabhängig von Einkommen, Herkunft, Religion, Behinderung, sexueller Orientierung oder familiärer Situation. Gemeint sind Frauen, die hier geboren wurden, und Frauen, die in Offenburg eine neue Heimat gefunden haben. Gemeint sind Alleinerziehende, Unternehmerinnen, Rentnerinnen, Schülerinnen, Beschäftigte, pflegende Angehörige und Frauen ohne sicheren Aufenthaltsstatus.
Eine Stadt ist erst dann gerecht, wenn alle Frauen sich frei bewegen, selbstbestimmt leben und gleichberechtigt mitentscheiden können.
Plakate allein verändern noch nichts
Natürlich wird auch dieses Plakat keine Gewalt verhindern und keine strukturelle Benachteiligung beseitigen. Ein Wahlplakat ist zunächst nur eine öffentliche Aussage. Entscheidend ist, ob daraus politisches Handeln folgt.
Wer Frauenrechte ernst nimmt, muss bereit sein, zuzuhören, Missstände sichtbar zu machen und die notwendigen Mittel bereitzustellen. Er muss Frauenorganisationen, Beratungsstellen und soziale Einrichtungen als unverzichtbare Partnerinnen betrachten. Und er muss akzeptieren, dass Gleichstellung nicht bequem ist, sondern bestehende Machtverhältnisse infrage stellt.
Das Motiv ist deshalb kein fertiges Programm. Es ist ein Versprechen, dieses Thema nicht beiseitezuschieben.
Ab Ende August wird es im Offenburger Stadtbild zu sehen sein – als Teil einer Plakatserie, die zeigen möchte, dass Kommunalpolitik mehr sein kann als Verwaltung und Selbstdarstellung.
Sie kann Haltung zeigen. Sie kann Schutz ermöglichen. Und sie kann dazu beitragen, dass Offenburg tatsächlich eine Stadt für alle wird.
Bildquellen
- plakat kahlo 606 432: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International
- ChatGPT Image 10. Nov. 2025, 13_55_44: © https://kfutd.de | All Rights Reserved
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