Wenn in Offenburg die Temperaturen tagelang zwischen 35 und 40 Grad liegen, dann geht es nicht mehr nur darum, ob man sich in der Stadt noch wohlfühlt. Dann geht es um Gesundheit. Um Kreislauf. Um Flüssigkeitsmangel. Um Kollaps. Um Menschen, die körperlich an ihre Grenzen kommen.
Wir haben deshalb beim Rettungsdienst und beim Ortenau Klinikum nachgefragt, ob es Daten oder Einschätzungen dazu gibt, wie sich Hitzeperioden auf Notfälle und Erkrankungen auswirken.
Die Antwort ist vorsichtig formuliert, aber eindeutig genug: Hitze kommt in der medizinischen Versorgung an.
Der Rettungsdienst Ortenau schreibt, dass bundesweit in betroffenen Rettungsdiensten „eine erhöhte Anzahl von Notfalleinsätzen“ festzustellen sei, die mit direkter oder indirekter Wärme- und Hitzeaussetzung in Verbindung gebracht werden können. Eine genaue lokale statistische Auswertung sei im laufenden operativen Betrieb allerdings mit erheblichem Aufwand verbunden.
Auch das Ortenau Klinikum bestätigt, dass während Hitzeperioden erfahrungsgemäß vermehrt hitzebedingte Beschwerden in den Notaufnahmen auftreten. Genannt werden insbesondere Flüssigkeitsdefizite, Kollapszustände und vereinzelte hitzebedingte Gesundheitsschäden. Die Notaufnahmen seien auf die Behandlung solcher Beschwerden vorbereitet. Eine gesonderte statistische Erfassung nimmt das Klinikum jedoch nicht vor.
Das bedeutet: Wir können derzeit nicht sagen, um wie viel Prozent die Zahl der Notfälle an Hitzetagen in Offenburg steigt. Diese lokale Auswertung liegt offenbar nicht vor.
Aber wir können sagen: Hitze ist als Gesundheitsproblem real. Sie wird vom Rettungsdienst wahrgenommen. Sie kommt in den Notaufnahmen an. Sie betrifft nicht nur das subjektive Empfinden auf aufgeheizten Plätzen, sondern ganz konkret die körperliche Belastbarkeit von Menschen.
Und genau deshalb müssen wir anders über Hitzeschutz sprechen.
Schatten ist keine Dekoration. Bäume sind kein Stadtmöbel. Trinkwasserstellen sind kein nettes Extra. Entsiegelte Flächen, kühle Aufenthaltsorte, schattige Schulwege, begrünte Haltestellen und hitzerobuste Plätze sind Teil kommunaler Gesundheitsvorsorge.
Gerade ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Vorerkrankungen, Menschen ohne kühle Wohnung, Menschen auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Wochenmarkt, an der Bushaltestelle oder auf dem Schulweg sind auf eine Stadt angewiesen, die sie nicht zusätzlich belastet.
Offenburg hat beim aktuellen Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe mit einem Beschirmungsgrad von nur rund 12,8 Prozent bundesweit besonders schlecht abgeschnitten. Empfohlen werden 30 Prozent. Unsere kleinteiligere Auswertung zeigt zudem: Manche Stadt- und Ortsteile sind noch schlechter geschützt, als der städtische Durchschnitt vermuten lässt.
Diese Zahlen sind nicht abstrakt. Sie beschreiben, ob Menschen im Alltag Schatten finden. Ob Wege bei Hitze noch zumutbar sind. Ob Plätze nutzbar bleiben. Ob eine Stadt schützt — oder zusätzlich krank macht.
Auffällig ist dabei: Obwohl Hitze medizinisch spürbar ist, wird sie lokal offenbar kaum als eigene Gesundheitskennzahl ausgewertet. Die Fälle werden behandelt, die Belastung ist bekannt, aber für die kommunale Steuerung bleibt vieles unsichtbar.
Das ist ein Problem.
Denn was nicht sichtbar gemacht wird, wird politisch oft zu spät ernst genommen. Wenn Hitze aber Menschen krank macht, dann darf Klimaanpassung nicht länger als freiwillige Verschönerung der Stadt behandelt werden. Sie gehört ins Zentrum der kommunalen Daseinsvorsorge.
Offenburg braucht deshalb nicht nur einzelne Klimainseln, ein paar neue Bäume und gut gemeinte Modellprojekte. Offenburg braucht eine konsequente Strategie gegen Hitze: mehr Schatten, mehr Bäume, weniger Versiegelung, kühlere Wege, Trinkwasser, zugängliche Aufenthaltsorte und eine systematische Betrachtung der gesundheitlichen Folgen.
Die entscheidende Frage lautet nicht mehr: Wie machen wir die Stadt im Sommer angenehmer?
Die entscheidende Frage lautet: Wie verhindern wir, dass Hitze in Offenburg Menschen krank macht?
Zum Foto:
Das ist kein Sommerbild. Das ist ein Gesundheitsrisiko: 65,7 Grad Oberflächentemperatur auf einer Offenburger Straße.
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