Die Karte zeigt die Versiegelung in Offenburg im Jahr 2025. Dargestellt ist der Anteil versiegelter Siedlungs- und Verkehrsflächen in den kleinräumigen PLZ8-Gebieten. Je dunkler die Flächen werden, desto höher ist der Anteil harter, wasserundurchlässiger Oberflächen.
Und genau darin liegt das Problem: Offenburg ist an vielen Stellen nicht nur zu wenig beschattet. Offenburg ist auch zu stark versiegelt.
Versiegelung klingt zunächst nach einem technischen Begriff. Gemeint sind Straßen, Parkplätze, Gebäude, Asphalt, Pflaster, Beton und all die Flächen, auf denen Regenwasser nicht mehr in den Boden eindringen kann. Was früher Boden war, wird zur heißen Oberfläche. Was früher Wasser speichern konnte, leitet Regen heute schnell ab. Was früher durch Verdunstung kühlte, heizt sich nun auf.
Gerade in Zeiten zunehmender Hitzewellen ist das fatal. Hohe Versiegelung verstärkt die Aufheizung der Stadt, erschwert die Versickerung bei Starkregen und lässt weniger Raum für Bäume, Grünflächen und kühlende Vegetation. Eine stark versiegelte Stadt ist eine Stadt, die Hitze speichert und Wasser verliert.
Die Karte macht sichtbar, dass dieses Problem nicht auf einzelne Straßen oder die Innenstadt beschränkt ist. In vielen PLZ8-Gebieten liegt die Versiegelung deutlich über 55 Prozent. Das bedeutet: Mehr als die Hälfte der betrachteten Siedlungs- und Verkehrsflächen ist dort versiegelt. In einigen Bereichen liegt der Wert sogar noch höher. Das ist für eine klimaangepasste Stadt kein Randthema, sondern ein Warnsignal.
Besonders kritisch wird es dort, wo hohe Versiegelung mit geringer Baumbeschirmung zusammenfällt. Genau dort fehlt der Stadt beides: offene, wasserdurchlässige Flächen und schützender Schatten. Diese Räume heizen sich besonders stark auf. Sie bieten an heißen Tagen wenig Aufenthaltsqualität. Für Fußgänger:innen, ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Vorerkrankungen und alle, die draußen arbeiten oder auf den Bus warten müssen, wird das schnell zu einer Frage der Gesundheit.
Offenburg diskutiert gerne über große Projekte. Doch Klimaanpassung entscheidet sich nicht nur auf Plänen für neue Quartiere oder bei einzelnen Vorzeigeprojekten. Sie entscheidet sich im Bestand: auf Parkplätzen, an Straßenrändern, in Schulhöfen, auf Plätzen, vor Geschäften, an Bushaltestellen und in Wohngebieten. Dort, wo heute Asphalt liegt, muss die Stadt künftig wieder atmen können.
Das bedeutet konkret: Entsiegelung darf kein schmückendes Zusatzprojekt bleiben. Offenburg braucht ein systematisches Entsiegelungsprogramm. Jeder Umbau einer Straße, jedes Sanierungsprojekt, jede Neuordnung von Parkplätzen und jede Platzgestaltung muss künftig die Frage beantworten: Wird hier Fläche wieder durchlässiger, grüner und kühler – oder betonieren wir das Problem weiter fest?
Die Karte zeigt nicht jedes Detail vor Ort. PLZ8-Gebiete sind keine Straßenzüge und keine Grundstücke. Aber sie zeigen eine klare räumliche Tendenz. Sie helfen zu erkennen, wo der Handlungsdruck besonders groß ist. Und sie machen deutlich: Wer über Hitzeschutz redet, muss über Versiegelung reden.
Mehr Bäume allein reichen nicht, wenn der Boden darunter hart bleibt. Mehr Grün allein reicht nicht, wenn gleichzeitig weiter Flächen versiegelt werden. Eine klimaangepasste Stadt braucht Schatten, offene Böden, Wasser, Verdunstung, Aufenthaltsqualität und eine neue Prioritätensetzung im öffentlichen Raum.
Offenburg hat hier keine Zeit mehr für kosmetische Lösungen. Die Hitzesommer werden nicht warten, bis die Stadtverwaltung irgendwann kleinteilig nachbessert. Was wir brauchen, ist ein klarer Kurswechsel: weniger Asphalt, weniger Beton, weniger Flächenverbrauch – und dafür mehr Boden, mehr Bäume, mehr Schwammstadt, mehr Schutz für die Menschen.
Die Karte ist deshalb mehr als eine Datendarstellung. Sie ist eine Aufforderung. Offenburg muss weicher, grüner und durchlässiger werden. Nicht irgendwann. Jetzt.
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