Manchmal gibt es einfach gute Nachrichten. Und manchmal zeigen sie ganz nebenbei, dass Baumschutz und notwendige Baumaßnahmen keine Gegensätze sein müssen.
Für den geplanten Ausbau der verlängerten Wilhelmstraße in Offenburg standen die Bäume auf dem Gelände der Bahn auf der Kippe. Im Bereich dieser Bäume waren Arbeiten zur Böschungssicherung vorgesehen. Wir hatten deshalb bei der Stadt nachgefragt, ob im Herbst 2026 mit Fällungen zu rechnen sei. Jetzt kam die erfreuliche Antwort von Bernhard Mußler, Leiter des Fachbereichs Tiefbau und Verkehr der Stadt Offenburg:
Die Bäume bleiben. Und noch besser: Nicht die Bäume müssen sich der Planung unterordnen – die Planung wird den Bäumen angepasst.
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ToggleGroße Baumbeete statt Fällung
Im Bereich der drei strittigen, nahe am Zaun stehenden Bäume wird auf die ursprünglich geplante Böschungssicherung verzichtet. Stattdessen sollen dort große Baumbeete entstehen.
Die Stadt geht davon aus, dass die vorhandenen Bäume mit ihren Wurzeln selbst in einem gewissen Umfang zur Sicherung der Böschung beitragen. Erst wenn einer der Bäume irgendwann tatsächlich abgängig sein sollte, müsste über eine zusätzliche technische Sicherung nachgedacht werden.
Das klingt eigentlich ziemlich selbstverständlich. Und trotzdem erleben wir bei Bauprojekten viel zu häufig das Gegenteil: Eine technische Planung steht fest, ein vorhandener Baum steht im Weg – und deshalb muss der Baum weg. Hier läuft es andersherum.
Der Baum steht da. Also wird die Planung verändert. Geht doch!
Auch beim Bau sollen die Wurzeln geschützt werden
Besonders erfreulich ist, dass der Baumschutz nicht bei der Entscheidung gegen eine Fällung endet. Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2027 beginnen. Im unmittelbaren Bereich der Bäume und der Zaunanlage sollen notwendige Aushubarbeiten mit einem Saugbagger ausgeführt werden. Damit kann wesentlich gezielter und schonender im Wurzelbereich gearbeitet werden als mit einem gewöhnlichen Bagger.
Auch mit der Deutschen Bahn, auf deren Grundstück die Bäume stehen und die für deren Unterhaltung zuständig ist, fanden nach Angaben der Stadt bereits Gespräche über die Möglichkeiten der Sanierungsplanung statt. Die Bahn soll nun über die geänderte Planung informiert werden.
Genau so verstehen wir Baumerhalt
Wir berichten auf dieser Seite häufig kritisch über den Umgang mit Stadtbäumen in Offenburg. Über Fällungen, über zu kleine Baumstandorte, über fehlende Nachpflanzungen und darüber, dass bestehendes Grün bei Planungen oftmals erst sehr spät berücksichtigt wird.
Dann gehört es aber genauso dazu, darüber zu berichten, wenn es anders läuft. Und deshalb an dieser Stelle ausdrücklich: Danke an Bernhard Mußler, an den Fachbereich Tiefbau und Verkehr und an alle Beteiligten, die nach einer besseren Lösung gesucht haben. Genau diese Haltung wünschen wir uns häufiger.
Baumerhalt bedeutet nicht, dass Straßen nicht saniert, Leitungen nicht verlegt oder Böschungen nicht gesichert werden können. Baumerhalt bedeutet zunächst einmal, einen vorhandenen, gesunden Baum als wertvolle Infrastruktur zu behandeln – und ernsthaft zu prüfen, wie eine Baumaßnahme um ihn herum funktionieren kann.
Denn ein großer bestehender Baum lässt sich nicht einfach durch einen jungen Baum ersetzen. Seine Verschattung, Verdunstungsleistung, Kühlung und sein Lebensraum entstehen über Jahrzehnte. Deshalb sollte bei jeder Planung die erste Frage lauten:
Was müssen wir tun, damit dieser Baum bleiben kann?
An der Wilhelmstraße hat diese Frage offenbar zu einer guten Lösung geführt. Drei Bäume mögen angesichts der vielen Herausforderungen beim Stadtgrün zunächst nach einer kleinen Sache klingen. Für uns ist die Entscheidung trotzdem wichtig. Denn sie zeigt, dass sich technische Anforderungen, Straßenbau und Baumerhalt miteinander vereinbaren lassen – wenn der Wille dazu da ist.
Die Bäume bleiben. Die Straße kann trotzdem gebaut werden. Und die Planung ist am Ende vielleicht sogar besser als vorher.
Geht doch!
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