Farbenfrohe, abstrakte Zeichnung eines lächelnden Männergesichts, umgeben von deutschen Sprüchen, die für Inklusion, Kreativität und Gemeinschaft werben. Unten sind der Text „Ulrich Albicker“ sowie Details zur Kampagne zu sehen.

Spielraum für alle: Eine Stadt braucht Fantasie, Freiheit und Begegnung

Auch dieses Plakat aus der künstlerischen Wahlkampfserie von Ulrich Albicker sieht ganz bewusst nicht nach klassischer politischer Werbung aus. Statt eines fotografischen Porträts begegnet uns Uli als Figur in einer Bildwelt, die deutlich an Joan Miró erinnert: kräftige Grundfarben, schwarze Linien, Sterne, Kreise, Tropfen und frei schwebende Formen.

Auf den ersten Blick wirkt das Motiv spielerisch und beinahe kindlich. Doch gerade darin steckt seine politische Aussage. Denn eine Stadt für alle braucht mehr als Straßen, Gebäude und Verwaltungsabläufe. Sie braucht Freiräume, in denen Menschen eigene Ideen entwickeln, einander begegnen und ihre Stadt gemeinsam gestalten können.

Politik muss nicht immer eckig sein

In Mirós Bildsprache scheint kaum etwas einem festen Raster zu folgen. Linien schlagen unerwartete Bögen, Formen schweben frei im Raum und Größenverhältnisse gehorchen nicht der Wirklichkeit. Trotzdem entsteht kein beliebiges Durcheinander, sondern eine eigene, lebendige Ordnung.

Das passt erstaunlich gut zu einer Stadtgesellschaft. Auch sie besteht aus sehr unterschiedlichen Menschen, Lebensentwürfen, Kulturen, Interessen und Bedürfnissen. Eine gute Stadt versucht nicht, diese Vielfalt in ein starres Schema zu pressen. Sie schafft Verbindungen und ermöglicht Zusammenleben, ohne alle Unterschiede beseitigen zu wollen.

Das Plakat vermittelt damit eine Haltung: Politik darf nicht nur verwalten, begrenzen und vorschreiben. Sie muss Möglichkeiten eröffnen.

„Spielraum“ ist mehr als ein Spielplatz

Die große Überschrift „Spielraum für alle“ lässt sich auf unterschiedliche Weise lesen. Natürlich geht es um Kinder und um Orte, an denen sie spielen, sich bewegen und ihre Umwelt entdecken können. Solche Räume fehlen gerade in dicht bebauten und vom Autoverkehr geprägten Quartieren viel zu oft.

Spielraum bedeutet aber noch mehr. Gemeint ist auch der politische und gesellschaftliche Freiraum, eigene Ideen einzubringen. Der Spielraum, Dinge auszuprobieren. Der Spielraum, gemeinsam neue Lösungen zu finden, ohne dass jede Diskussion mit dem Satz beginnt: „Das geht nicht.“

Eine lebendige Kommune braucht solche Freiräume. Sie braucht Verwaltung und Gemeinderat, aber ebenso die Kreativität der Menschen in den Stadtteilen, Vereinen, Initiativen, Schulen, Kulturprojekten und Nachbarschaften.

„Spielraum für alle“ ist deshalb nicht unpolitisch. Im Gegenteil: Es ist eine Forderung nach einer offenen, lernfähigen und beteiligungsorientierten Stadt.

Ideen müssen wirklich willkommen sein

Links neben dem Porträt steht der Satz „Ideen willkommen“. Er klingt zunächst freundlich und leicht. Politisch betrachtet ist er jedoch ein anspruchsvolles Versprechen.

Ideen sind erst dann wirklich willkommen, wenn Menschen sie nicht nur äußern dürfen, sondern eine erkennbare Chance haben, damit etwas zu bewirken. Beteiligung darf nicht erst beginnen, nachdem wesentliche Entscheidungen bereits gefallen sind. Sie braucht verständliche Informationen, erreichbare Ansprechpartner, offene Verfahren und eine Rückmeldung darüber, was aus den Vorschlägen geworden ist.

Gerade kommunale Demokratie lebt davon, dass nicht nur Fachleute und organisierte Interessengruppen Gehör finden. Auch Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, Zugewanderte und diejenigen, die sich nicht regelmäßig in politischen Gremien äußern, müssen ihre Perspektiven einbringen können.

Das Plakat formuliert damit einen Maßstab, an dem sich Uli messen lassen muss: Wer „Ideen willkommen“ sagt, muss später auch bereit sein, zuzuhören, Macht zu teilen und Entscheidungen zu verändern.

Gute Orte für Kinder sind gute Orte für alle

„Gute Orte für Kinder“ gehört zu den stärksten Aussagen des Plakats. Denn Kinder zeigen besonders deutlich, ob öffentlicher Raum funktioniert.

Können sie sich sicher bewegen? Gibt es Grün, Schatten, Wasser und Platz zum Spielen? Dürfen sie laut sein? Können sie selbstständig Freunde, Schule oder Sportplatz erreichen? Finden Familien Orte, an denen sie sich aufhalten können, ohne etwas kaufen zu müssen?

Eine Stadt, die aus der Perspektive von Kindern geplant wird, wird meistens auch für viele andere Menschen besser. Sichere Wege helfen älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen. Verkehrsberuhigte Straßen schaffen Raum für Begegnung. Bäume und Schatten schützen alle Generationen vor Hitze. Sitzgelegenheiten und öffentliche Toiletten ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe.

Kinderfreundlichkeit ist deshalb kein hübsches Zusatzangebot. Sie ist ein Prüfstein für soziale und nachhaltige Stadtentwicklung.

Kultur für alle

Auch die Forderung „Kultur für alle“ passt unmittelbar zur Gestaltung des Plakats. Kultur erscheint hier nicht als exklusives Angebot für ein bestimmtes Publikum, sondern als Ausdruck menschlicher Freiheit und Vielfalt.

Eine demokratische Stadt braucht große Kulturinstitutionen, aber ebenso kleine Bühnen, Jugendkultur, Musik, freie Kunst, Stadtteilfeste und selbst organisierte Projekte. Sie braucht Räume, in denen Neues entstehen darf – auch dann, wenn es zunächst ungewohnt, unbequem oder wirtschaftlich nicht verwertbar ist.

„Kultur für alle“ bedeutet zudem, dass Eintrittspreise, räumliche Barrieren oder soziale Schwellen niemanden ausschließen dürfen. Kultur ist kein Luxus. Sie schafft Identität, ermöglicht Austausch und kann Menschen miteinander verbinden, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden.

Platz für Begegnung

Auf der rechten Seite steht „Platz für Begegnung“. Vielleicht ist das die kommunalpolitisch konkreteste Forderung des Motivs.

Begegnung braucht tatsächlich Platz. Sie entsteht nicht automatisch. Wenn öffentliche Räume hauptsächlich dem Fahren und Abstellen von Autos dienen, wenn Plätze vollständig kommerzialisiert sind und Sitzmöglichkeiten fehlen, dann geht ein wesentlicher Teil des städtischen Lebens verloren.

Eine Stadt braucht Orte, an denen man bleiben kann, ohne etwas kaufen zu müssen. Schattige Plätze, breite Gehwege, Bänke, Spielmöglichkeiten und Räume für spontane Veranstaltungen sind keine Dekoration. Sie sind Infrastruktur für das soziale Miteinander.

Begegnung ist dabei mehr als Geselligkeit. Wo Menschen einander wahrnehmen und miteinander sprechen, können Vorurteile abgebaut, Konflikte ausgehandelt und gemeinsame Interessen entdeckt werden. Öffentlicher Raum ist deshalb immer auch demokratischer Raum.

Ein Porträt, das Vielfalt zulässt

Ulis Gesicht ist in diesem Motiv nicht realistisch dargestellt. Es ist aus unterschiedlichen Flächen, Linien und Farben zusammengesetzt. Die Augen sind verschieden geformt, das Gesicht ist asymmetrisch und die einzelnen Elemente folgen keiner fotografischen Logik.

Gerade dadurch bleibt das Porträt offen. Es verlangt nicht nach Perfektion und vermittelt kein glatt poliertes Kandidatenbild. Der Mensch wird nicht als makellose Führungspersönlichkeit inszeniert, sondern als vielschichtiges Wesen inmitten einer ebenso vielschichtigen Welt.

Der moderne Namenszug setzt dazu einen starken Kontrast. Er sorgt dafür, dass das Plakat trotz aller spielerischen Formen als Wahlwerbung erkennbar bleibt. Allerdings verdeckt er einen Teil der Gestaltung und offenbar auch das Wort „Gestalten“ am unteren Bildrand. Das ist ein kleiner Wermutstropfen: Gerade dieser Begriff hätte die politische Aussage noch deutlicher abrunden können.

Ein Plakat als Einladung

Das Miró-Motiv ist weniger programmatisch als das Van-Gogh-Plakat. Es nennt keine Fragen des Wohnens oder der Mobilität. Sein Schwerpunkt liegt auf Kindern, Kultur, Begegnung und der Offenheit für neue Ideen.

Das macht es nicht schwächer, sondern gibt ihm eine andere Aufgabe. Es formuliert keine vollständige politische Agenda. Es beschreibt die demokratische Kultur, in der Lösungen entstehen sollen.

Das Plakat sagt: Diese Stadt gehört nicht nur der Verwaltung, dem Gemeinderat oder den Menschen, die ohnehin über Einfluss verfügen. Alle sollen die Möglichkeit haben, sich einzubringen und ihren Teil zur Stadt beizutragen.

Unser Fazit

Dieses Plakat ist heiter, ungewöhnlich und voller Bewegung. Es will nicht Autorität ausstrahlen, sondern Neugier wecken. Es erzählt von einer Stadt, die ihre Menschen nicht als Störung geordneter Verwaltungsabläufe betrachtet, sondern ihre Kreativität als Stärke begreift.

Seine zentrale Botschaft lautet: Offenburg braucht Spielraum. Für Kinder und Kultur, für Begegnung und Experimente, für neue Ideen und für echte Beteiligung.

Doch Spielraum entsteht nicht durch ein Plakat. Er muss politisch geschaffen, gegen konkurrierende Interessen verteidigt und dauerhaft zugänglich gemacht werden. Genau darin liegt das Versprechen dieses Motivs – und der Anspruch an Uli Albicker:

Nicht alles vorgeben. Nicht alles schon besser wissen. Sondern zuhören, Möglichkeiten eröffnen und Offenburg gemeinsam mit den Menschen gestalten.

Bildquellen

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