Klimaanpassung beginnt nicht erst bei Bäumen, Schattenplätzen und entsiegelten Flächen. Sie beginnt auch dort, wo Wasser fließt – oder eben nicht mehr ausreichend fließt.
Der Wunsch von Gunter Meinhardt richtet den Blick auf einen Teil Offenburgs, den viele vor allem als Landschaftsraum, Radweg oder künftigen Bereich der Landesgartenschau wahrnehmen: die Kinzig. Dabei ist sie in erster Linie ein Fluss und damit Lebensraum. Wenn wir über ihre Entwicklung sprechen, sollten ökologische Qualität und Wasserführung deshalb nicht nur ein Nebenthema sein.
Gunter Meinhardt wünscht sich vom künftigen Oberbürgermeister, den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen bei politischen Entscheidungen stärker mitzudenken. Konkret verweist er auf die Kinzig und kritisiert die derzeitige Wasserverteilung zwischen Kinzig und Mühlbach.
Seiner Beobachtung nach erhält die Kinzig gerade in trockenen Zeiten teilweise deutlich weniger Wasser als der Mühlbach. Die Folgen seien Niedrigwasser, Fischsterben, zunehmende Erwärmung und Sauerstoffmangel. Er erwartet deshalb, dass sich der künftige OB für bessere ökologische Bedingungen an der Kinzig einsetzt.
Dass die Wasserverteilung tatsächlich seit längerem als ökologisches Problem diskutiert wird, ist dokumentiert: Bereits 2025 wurde bei einer Fachbegehung darauf hingewiesen, dass mehr Wasser durch den Mühlbach als durch den Hauptfluss fließt und dies auch die Wanderung von Fischen beeinflusst. Siehe Stadt Offenburg.
Uli antwortet
Lieber Gunter,
dein Wunsch trifft für mich einen wichtigen Punkt: Wir dürfen Natur nicht erst dann schützen, wenn sie sichtbar zusammenbricht.
Die Kinzig ist für Offenburg viel mehr als eine schöne Landschaftskulisse. Sie ist Lebensraum, Frischluftachse, Erholungsraum und Teil unseres natürlichen Wassersystems. Wenn sich ein Fluss im Sommer stark erwärmt oder dauerhaft zu wenig Wasser führt, betrifft das nicht nur Fische und andere Tiere, sondern letztlich die ökologische Qualität des gesamten Raums.
Deshalb finde ich deinen Hinweis auf die Wasserverteilung zwischen Kinzig und Mühlbach wichtig. Dass dort ein strukturelles Ungleichgewicht besteht, ist auch fachlich bereits thematisiert worden. Siehe Stadt Offenburg. Wenn wir wissen, dass eine bestehende Regelung ökologische Probleme verstärkt, dann sollten wir prüfen, wie sie verbessert werden kann.
Dabei muss man allerdings auch ehrlich sagen: Ein Oberbürgermeister kann die Wasserverteilung nicht einfach allein per Verfügung ändern. Wasserrecht, Gewässerunterhaltung und unterschiedliche Nutzungsinteressen liegen nicht nur bei der Stadt. Aber genau hier beginnt für mich politische Verantwortung: nicht mit dem Hinweis auf Zuständigkeiten aufzuhören, sondern die zuständigen Stellen an einen Tisch zu bringen und eine Lösung einzufordern.
Besonders wichtig finde ich das mit Blick auf die Landesgartenschau. Wenn wir entlang der Kinzig große Summen investieren und diesen Raum neu gestalten, dann sollte die ökologische Entwicklung des Flusses selbst nicht hinter Wegen, Brücken und Gestaltungselementen zurückstehen. Eine Landesgartenschau, die Nachhaltigkeit verspricht, sollte sich auch daran messen lassen, ob sie Natur tatsächlich stärkt.
Und wir sollten daraus grundsätzlich lernen: Klimaanpassung bedeutet eben nicht nur, neue Projekte zu bauen. Manchmal bedeutet sie auch, bestehende Systeme zu hinterfragen und natürliche Kreisläufe wieder besser funktionieren zu lassen.
Mein Ziel ist ein Offenburg, das die Kinzig nicht nur als Freizeit- und Entwicklungsraum betrachtet, sondern als lebendiges Ökosystem. Dazu gehört für mich, die Wasserführung gemeinsam mit den zuständigen Behörden und Fachleuten ernsthaft zu überprüfen, ökologische Verbesserungen messbar zu machen und die Entwicklung rund um die Landesgartenschau daran auszurichten. Denn wenn wir von einer klimaangepassten Stadt sprechen, muss das auch für unseren Fluss gelten.
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