Albicker, Benz, Christ, Düker. Vier Männer stehen im Freien, gekleidet in einer Mischung aus Freizeit- und Abendgarderobe, und lächeln in die Kamera. Der Hintergrund ist unscharf, man erkennt jedoch Gebäude und Bäume, was eine warme Atmosphäre in Sepia-Tönen vermittelt.

Vier Kandidaten, vier Richtungen: Was die OB-Wahl für Offenburg bedeuten könnte

Am 11. Oktober 2026 wählt Offenburg einen neuen Oberbürgermeister. Mit Ulrich Albicker, Tobias Benz, Julian Christ und Fritz Düker stehen inzwischen vier Kandidaten zur Wahl. Auf den ersten Blick konkurrieren vier Männer um dasselbe Amt. Auf den zweiten Blick geht es aber um deutlich mehr: um vier unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Offenburg in den kommenden acht Jahren geführt und entwickelt werden könnte.

Dabei ist diese Analyse eine Momentaufnahme. Noch liegen nicht von allen Kandidaten vollständige Wahlprogramme vor. Manche Positionen werden sich in den kommenden Wochen konkretisieren. Trotzdem lassen sich bereits unterschiedliche politische Richtungen erkennen.

Hinweis zur Einordnung: Die KfUTD unterstützt die Kandidatur von Ulrich Albicker. Wir erheben deshalb nicht den Anspruch politischer Neutralität. Unser Anspruch ist vielmehr, die erkennbaren Stärken, offenen Fragen und Risiken aller vier Kandidaturen fair zu benennen und unsere eigene Haltung transparent zu machen.

Ulrich Albicker: Stadtwandel aus der Zivilgesellschaft

Ulrich Albicker unterscheidet sich schon durch seine Ausgangsposition von seinen Mitbewerbern. Er kommt weder aus einem Parteiapparat noch aus einer Kommunalverwaltung. Seine Kandidatur ist eng mit zivilgesellschaftlichem Engagement in Offenburg verbunden.

Albicker spricht über Klimaanpassung, sichere und selbstbestimmte Mobilität, soziale Stadtentwicklung und eine andere Beteiligungskultur. Dabei geht es ihm nicht nur um einzelne Projekte. Im Kern steht die Frage, wie politische Entscheidungen entstehen: Werden Bürgerinnen und Bürger beteiligt, wenn tatsächlich noch etwas entschieden werden kann? Werden Konflikte offen ausgetragen? Und ist Verwaltung bereit, ihre Planungen aufgrund besserer Argumente auch zu verändern?

Inzwischen werden seine Vorstellungen konkreter. Er hat etwa ein dauerhaftes Innenstadtforum, Sofortmaßnahmen gegen Hitze und für mehr Aufenthaltsqualität sowie eine bessere Datengrundlage für Entscheidungen zu Innenstadt und Mobilität vorgeschlagen.

Seine Wahl wäre vermutlich der deutlichste Kulturwechsel im Offenburger Rathaus. Klimaanpassung, Beteiligung und die gerechtere Verteilung des öffentlichen Raums könnten wesentlich stärker ins Zentrum der Stadtpolitik rücken.

Gleichzeitig liegt hier seine größte offene Frage: Albicker hat internationale Führungs- und Wirtschaftserfahrung, aber noch keine Kommunalverwaltung geleitet. Er müsste beweisen, dass sich zivilgesellschaftlicher Gestaltungswille in verlässliches Verwaltungshandeln übersetzen lässt und dass er im fragmentierten Gemeinderat Mehrheiten organisieren kann.

Auch seine Nähe zur KfUTD gehört offen auf den Tisch. Sie ist Teil der Entstehungsgeschichte seiner Kandidatur. Entscheidend wird sein, dass Albicker zugleich erkennbar sein eigenes politisches Profil entwickelt und Oberbürgermeister der ganzen Stadt sein will.

Tobias Benz: Erfahrung und Verlässlichkeit

Tobias Benz bringt das klassischste Profil für ein Oberbürgermeisteramt mit. Seit 2014 ist er Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen, er ist promovierter Finanzwissenschaftler und in zahlreichen kommunalen und regionalen Gremien vernetzt.

Seine Erzählung lautet im Wesentlichen: Erfahrung, solide Finanzen, Verlässlichkeit und Bürgernähe. Sein Wahlprogramm möchte er bewusst erst nach zahlreichen Gesprächen, Ortsrundgängen und Themenwochen konkretisieren.

Eine Wahl von Benz dürfte deshalb zunächst für Kontinuität und administrative Sicherheit stehen. Er kennt Verwaltung, Haushalte, Personalführung und die Zusammenarbeit mit Gemeinderäten. Gerade angesichts der enormen finanziellen Herausforderungen Offenburgs und großer Projekte wie Klinikum und Landesgartenschau ist das ein starkes Argument.

Noch offen ist allerdings, wofür Benz diese Erfahrung einsetzen möchte. Bei einigen der zentralen Offenburger Konflikte – Klimaanpassung, Baumverlust, Flächenverbrauch, Mobilitätswende oder Verteilung des öffentlichen Raums – ist bislang kein besonders eigenständiges Profil sichtbar.

Benz könnte Offenburg wahrscheinlich sehr verlässlich verwalten. Die entscheidende Frage ist, wie viel Veränderung er dabei tatsächlich anstrebt.

Julian Christ: Professionelle Modernisierung

Julian Christ bringt ebenfalls umfangreiche Verwaltungserfahrung mit. Seit 2017 ist er Bürgermeister von Gernsbach, zuvor arbeitete er in verschiedenen Landesministerien. Unterstützt wird seine Kandidatur von SPD und Grünen.

Christ setzt stark auf eine moderne und effiziente Verwaltung. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Wirtschaftsförderung, Schulen und Kitas, Sicherheit und die Stärkung der Ortsteile gehören zu seinen bisher sichtbaren Schwerpunkten.

Seine Wahl könnte deshalb für eine Modernisierung des bestehenden Systems stehen: schnellere Verwaltungsprozesse, stärkere Wirtschaftsförderung, bessere digitale Angebote und eine professionell organisierte Stadtverwaltung.

Spannend wird allerdings sein, was Christ unter Zukunft versteht. Seine bisherigen Aussagen zur wirtschaftlichen Entwicklung sind stark von klassischer Standortpolitik geprägt. Unternehmen brauchen aus seiner Sicht Entwicklungsmöglichkeiten und Flächen. Nach dem Nein der Offenburger zum Gewerbegebiet auf dem Flugplatz möchte er „verträgliche innovative Lösungen“ finden.

Noch wenig sichtbar ist dagegen, welchen Stellenwert Klimaanpassung, Baumerhalt oder eine grundlegende Mobilitätswende bei ihm bekommen werden.

Christ könnte damit der Kandidat einer professionell gemanagten Modernisierung sein. Offen ist, ob dabei auch bestehende Entwicklungslogiken grundsätzlich hinterfragt werden.

Fritz Düker: Der Bruch mit der bisherigen Politik

Fritz Düker formuliert das deutlichste Gegenprogramm zur bisherigen Rathauspolitik. Der Oralchirurg und Stadtrat der Freien Bürger fordert eine autofreundliche Innenstadt mit guten Parkmöglichkeiten, stärkere Sicherheitskonzepte und eine Überprüfung beziehungsweise Verkleinerung großer Projekte.

Landesgartenschau und Großklinikum möchte er stoppen, zurückbauen oder deutlich reduzieren. Auch das Fernwärmekonzept will er neu bewerten. Gleichzeitig hat sich Düker wiederholt für den Schutz großer Bäume ausgesprochen und die Versiegelung des Flugplatzgeländes kritisiert.

Damit benennt er durchaus Fragen, die auch wir für berechtigt halten: Können wir uns alle geplanten Großprojekte leisten? Werden Prioritäten richtig gesetzt? Muss jeder wirtschaftliche Flächenbedarf mit zusätzlicher Versiegelung beantwortet werden? Und nimmt die Stadt den Schutz alter Bäume ernst genug?

Der entscheidende Unterschied liegt weniger in einzelnen Forderungen als im Politikverständnis. Düker argumentiert stark aus einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber politischen und gesellschaftlichen Institutionen. Hinzu kommen seine Verbindungen zur Querdenker-Szene und erhebliche Kontroversen um öffentliche Äußerungen und Telegram-Beiträge.

Ein Oberbürgermeister muss jedoch sehr unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zusammenbringen, eine Verwaltung führen und Mehrheiten im Gemeinderat organisieren. Die entscheidende Frage bei Düker wäre deshalb nicht, ob einzelne seiner Kritikpunkte berechtigt sind. Sie lautet, ob aus einer stark konfrontativen Oppositionshaltung eine konstruktive Regierungsführung entstehen kann.

Vier Kandidaten – und eine grundlegende Entscheidung

Vereinfacht lassen sich damit tatsächlich vier unterschiedliche Angebote erkennen:

Tobias Benz steht für kompetente Kontinuität. Julian Christ für professionell gemanagte Modernisierung. Fritz Düker für einen grundlegenden und konfrontativen Bruch. Ulrich Albicker für einen demokratischen, sozialen und klimaresilienten Stadtwandel.

Natürlich ist keine dieser Beschreibungen vollständig. Und bis zum Wahltag werden hoffentlich noch viele konkrete Antworten hinzukommen.

Denn letztlich sollte die Wahl nicht daran entschieden werden, wer am sympathischsten wirkt oder die professionellsten Plakate aufhängt.

Wir sollten genauer fragen: Wie soll Offenburg in acht Jahren aussehen? Wie gehen wir mit Hitze und Klimawandel um? Wie verteilen wir den öffentlichen Raum? Welche Investitionen können wir uns leisten? Wie sichern wir wirtschaftliche Stärke, ohne immer weitere Flächen zu verbrauchen? Wie sozial ist unsere Stadtentwicklung? Und vor allem: Wie werden die Menschen beteiligt, wenn schwierige Entscheidungen getroffen werden?

An diesen Fragen wollen wir die vier Kandidaten in den kommenden Wochen messen.

Und selbstverständlich gilt das auch für den Kandidaten, den wir selbst unterstützen.

Diese Analyse ist deshalb kein endgültiges Urteil. Wir laden Ulrich Albicker, Tobias Benz, Julian Christ und Fritz Düker ausdrücklich ein, unsere Einordnung zu ergänzen, zu korrigieren oder ihr zu widersprechen.

Denn Offenburg braucht keinen Wahlkampf, in dem vier Personen lediglich um ein Amt konkurrieren. Es braucht einen Wettbewerb darum, wer die überzeugendste Vorstellung von der Zukunft unserer Stadt hat.

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