Am 11. Oktober 2026 wählt Offenburg einen neuen Oberbürgermeister. Nachdem lange nur drei Bewerber bekannt waren, haben inzwischen sieben Männer ihre Bewerbung öffentlich gemacht oder ihre Unterlagen im Rathaus abgegeben:
- Ulrich Albicker
- Okan Altun
- Tobias Benz
- Julian Christ
- Fritz Düker
- Emanuel Rohr
- Frank Tschany
Diese Übersicht wird bis zur Wahl fortlaufend ergänzt. Denn noch ist das Bewerberfeld nicht endgültig: Die Bewerbungsfrist endet am 14. September 2026 um 18 Uhr. Erst am 15. September entscheidet der Gemeindewahlausschuss, welche Bewerber die formalen Voraussetzungen erfüllen und tatsächlich zur Wahl zugelassen werden.
Die öffentliche Vorstellung der zugelassenen Kandidaten findet am 22. September um 19 Uhr in der Oberrheinhalle statt und soll auch online übertragen werden. Der erste Wahlgang ist am 11. Oktober, eine mögliche Stichwahl am 25. Oktober. Rund 46.800 Offenburgerinnen und Offenburger sind wahlberechtigt. Weitere Informationen zum Ablauf gibt es bei der Stadt Offenburg.
Inhalt
ToggleHinweis zu unserer Einordnung
Die KfUTD unterstützt die Kandidatur von Ulrich Albicker. Wir behaupten deshalb nicht, politisch neutral zu sein. Unser Anspruch ist ein anderer: Wir wollen transparent machen, aus welcher Perspektive wir auf die Wahl schauen, die erkennbaren Positionen aller Bewerber fair wiedergeben und dort nachfragen, wo Aussagen unklar, widersprüchlich oder bisher wenig konkret sind.
Die folgenden Beschreibungen sind keine abschließenden Urteile. Bei einigen Bewerbern liegen bereits ausführliche Programme und Stellungnahmen vor, bei anderen bislang kaum mehr als eine kurze Ankündigung.
Ulrich Albicker: Demokratischer, sozialer und klimafester Stadtwandel
Ulrich „Uli“ Albicker wurde in Offenburg geboren und ist nach vielen internationalen Berufsjahren seit rund zwei Jahrzehnten wieder in seiner Heimatstadt verwurzelt. Er arbeitet im internationalen Vertrieb eines Medizintechnikunternehmens, ist Wirtschaftspsychologe, MBA und Konfliktmanager und lehrt an der Hochschule Offenburg.
Albicker kommt weder aus einer Kommunalverwaltung noch aus einem Parteiapparat. Seine Kandidatur ist aus der Stadtgesellschaft und aus dem Umfeld der KfUTD entstanden.
Politisch steht er für einen demokratischen, sozialen und klimaresilienten Stadtwandel. Zu seinen Schwerpunkten gehören die 15-Minuten-Stadt, der Schutz und die Vermehrung des Stadtgrüns, bezahlbares Wohnen, sichere und selbstbestimmte Mobilität, eine lebendige Innenstadt sowie eine neue Beteiligungs- und Verwaltungskultur.
Albicker will politische Entscheidungen daran messen, was sie in zehn Wochen, zehn Monaten und zehn Jahren bewirken. Bürgerbeteiligung soll aus seiner Sicht stattfinden, solange Planungen noch verändert werden können – und nicht erst, wenn die wesentlichen Entscheidungen bereits gefallen sind.
Seine Stärke liegt in der Verbindung von wirtschaftlicher Führungserfahrung, internationaler Perspektive und zivilgesellschaftlichem Engagement. Die offene Frage lautet, wie sich dieser Gestaltungsanspruch in die Leitung einer großen Kommunalverwaltung übersetzen lässt und wie er im stark fragmentierten Gemeinderat tragfähige Mehrheiten organisiert.
Wahlprogramm und Informationen zu Ulrich Albicker
Okan Altun: Eine junge Stimme mit Blick auf Jugend und Stadtleben
Okan Altun ist mit 21 Jahren der jüngste Bewerber. Er ist in der Offenburger Nordstadt aufgewachsen und studiert Politikwissenschaft an der Universität Mannheim.
Als erste Schwerpunkte nennt Altun eine lebendigere Innenstadt, mehr Orte für Jugendliche und eine stärkere Unterstützung der Vereine. Damit bringt er die Perspektive einer Generation in den Wahlkampf, die in kommunalpolitischen Debatten häufig nur am Rand vorkommt.
Seine Kandidatur kann deshalb ein wichtiger Anstoß sein, genauer über Jugendbeteiligung, bezahlbare Treffpunkte, Nachtleben, Kultur und die Möglichkeiten junger Menschen in Offenburg zu sprechen.
Für eine weitergehende politische Einordnung ist es noch zu früh. Bislang ist wenig darüber bekannt, wie Altun die Verwaltung führen, den städtischen Haushalt gestalten oder mit Themen wie Klimaanpassung, Wohnen, Verkehr, Wirtschaft und den großen Offenburger Investitionsprojekten umgehen möchte.
Seine Kandidatur steht zunächst für einen Generationenwechsel und den Anspruch, jungen Menschen mehr Raum zu geben. Ob daraus ein umfassendes Konzept für Offenburg entsteht, werden die kommenden Wochen zeigen.
Bericht über die Kandidatur von Okan Altun
Tobias Benz: Verwaltungserfahrung, Finanzen und Kontinuität
Tobias Benz ist seit 2014 Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen. Der 44-Jährige wuchs in Ohlsbach auf, machte sein Abitur am Offenburger Grimmelshausen-Gymnasium und studierte Volkswirtschaftslehre. Er ist promovierter Finanzwissenschaftler und Mitglied der CDU.
Benz bringt das klassischste Profil für ein Oberbürgermeisteramt mit: langjährige Verwaltungserfahrung, Personalverantwortung, finanzpolitische Fachkenntnis und ein breites kommunalpolitisches Netzwerk. Im Jahr 2022 wurde er in Grenzach-Wyhlen mit 97,4 Prozent der Stimmen wiedergewählt.
Er beschreibt sich als überparteilichen Gestalter und stellt Verlässlichkeit, solide Finanzen, wirtschaftliche Stärke und eine funktionierende Verwaltung in den Mittelpunkt. Gleichzeitig nennt er bezahlbares Wohnen, Bildung und Betreuung, Klimaschutz, Digitalisierung und Bürgerbeteiligung als wichtige Aufgaben.
Benz steht damit bislang vor allem für kompetente Kontinuität und administrative Sicherheit. Das kann angesichts des angespannten städtischen Haushalts und großer Projekte wie Klinikum und Landesgartenschau ein starkes Argument sein.
Die entscheidende Frage bleibt, wie viel grundlegende Veränderung er anstrebt. Bei Baumverlust, Flächenverbrauch, Mobilitätswende und der gerechteren Verteilung des öffentlichen Raums ist bisher noch kein besonders eigenständiges Profil erkennbar.
Informationen und Programm von Tobias Benz
Julian Christ: Professionell organisierte Modernisierung
Julian Christ ist seit 2017 Bürgermeister von Gernsbach und wurde dort 2025 wiedergewählt. Zuvor arbeitete er in verschiedenen Ministerien des Landes Baden-Württemberg. Er ist SPD-Mitglied und wird in Offenburg von SPD, Grünen und Teilen der Freien Wähler unterstützt.
Christ setzt auf eine modernere und effizientere Verwaltung. Digitalisierung, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Wirtschaftsförderung, Schulen und Kitas, Sicherheit sowie eine Stärkung der Ortsverwaltungen gehören zu seinen Schwerpunkten.
Inzwischen hat er sein Profil auch bei weiteren Themen geschärft. Für die Landesgartenschau fordert er eine Kostenobergrenze und lehnt städtisches Geld für den geplanten Aussichtsturm ab. Beim Hitzeschutz schlägt er unter anderem „1.000 neue Bäume von 1.000 Offenburgern“ vor. Außerdem will er mehr Wohnraum für Studierende und Auszubildende schaffen.
Christ steht damit für eine professionell gemanagte Modernisierung des bestehenden Systems. Er kennt Verwaltung und Landespolitik und dürfte wissen, welche Wege durch Ministerien und Förderstrukturen führen.
Offen bleibt, ob er bestehende Entwicklungslogiken auch grundsätzlich infrage stellen würde – etwa beim Flächenverbrauch, beim Schutz vorhandener großer Bäume oder bei der Neuverteilung des Straßenraums.
Programm und Informationen von Julian Christ
Fritz Düker: Konfrontativer Bruch mit der bisherigen Rathauspolitik
Fritz Düker ist Oralchirurg mit eigener Praxis und seit 2024 Stadtrat der Freien Bürger Offenburg. Er präsentiert sich ausdrücklich als Gegenstimme zur bisherigen Rathauspolitik.
Düker fordert einen harten Sparkurs, eine autofreundlichere Innenstadt mit guten Parkmöglichkeiten und eine kritische Überprüfung großer Projekte. Landesgartenschau, Großklinikum und Fernwärmeplanung möchte er verkleinern, stoppen oder grundsätzlich neu bewerten.
Gleichzeitig hat er sich für den Schutz großer Stadtbäume ausgesprochen und die geplante Versiegelung des Flugplatzgeländes kritisiert. Auch seine Antworten auf unsere Fragen zeigen, dass er Bürgerbeteiligung grundsätzlich einen hohen Stellenwert beimisst.
Düker steht für den deutlichsten und konfrontativsten Bruch mit der bisherigen Politik. Er benennt Fragen, die berechtigt sind: Welche Großprojekte kann sich Offenburg leisten? Werden Prioritäten richtig gesetzt? Und hört die Verwaltung ausreichend auf die Menschen?
Seine politische Sprache ist jedoch stark von Misstrauen gegenüber Institutionen, Politik und Medien geprägt. Düker bezeichnet sich selbst als polarisierend. Die entscheidende Frage ist deshalb, ob aus einer konfrontativen Oppositionshaltung eine konstruktive Führung von Verwaltung, Gemeinderat und Stadtgesellschaft entstehen kann.
Informationen zu Fritz Düker bei den Freien Bürgern Offenburg
Emanuel Rohr: Bürgerliche Mitte mit noch offenen Konturen
Emanuel Rohr wurde 1977 geboren und lebt seit zehn Jahren in Zunsweier. Aufgewachsen ist er in Ortenberg und Zell-Weierbach. Er stammt nach eigenen Angaben aus einem deutsch-französischen Elternhaus und arbeitet seit 25 Jahren bei Burda.
Rohr tritt parteilos an und bezeichnet sich als „Kandidat der Mitte“. Er will die Themen der Stadt nicht als Berufspolitiker, sondern aus der Perspektive eines betroffenen Bürgers angehen.
Zu seinen genannten Schwerpunkten gehören Sicherheit, Lebensqualität, bezahlbarer Wohnraum, Klimaschutz, nachhaltige Stadtentwicklung, wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitsplätze, Innenstadt und gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Seine bislang deutlichste Einzelforderung ist kostenloses Parken für Anwohner und Besucher. Damit stellt er sich gegen die gerade ausgeweitete Parkraumbewirtschaftung der Stadt.
Hier zeigt sich allerdings auch ein Widerspruch: Wer nachhaltige Stadtentwicklung und Klimaschutz verspricht, muss erklären, wie kostenloses Parken finanziert werden soll, wie zusätzlicher Parksuchverkehr verhindert wird und wie Menschen entlastet werden, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bus und Bahn unterwegs sind.
Rohr steht bisher für ein breites Angebot der bürgerlichen Mitte. Viele seiner Ziele dürften weithin Zustimmung finden. Noch fehlen jedoch klare Prioritäten, messbare Ziele und konkrete Aussagen dazu, wie er unterschiedliche Interessen gegeneinander abwägen würde.
Weitere Informationen zu Emanuel Rohr
Frank Tschany: Viel Wahlerfahrung, aber noch kein Offenburger Profil
Frank Tschany lebt in Bühl und arbeitet selbstständig im Hausmeister- und Reinigungsbereich. Der 54-Jährige hat in den vergangenen Jahren bei mehreren Bürgermeisterwahlen in der Region kandidiert.
Bei früheren Wahlen setzte er unter anderem Schwerpunkte bei bezahlbarem Wohnen und Sicherheit. Welche Ziele er speziell für Offenburg verfolgt, ist bislang allerdings kaum öffentlich erkennbar.
Eine Kandidatur bei vielen Bürgermeisterwahlen ersetzt noch kein Konzept für eine konkrete Stadt. Entscheidend wird daher sein, ob Tschany nachvollziehbar erklären kann, warum er Oberbürgermeister von Offenburg werden möchte, welche Kenntnisse er über die Stadt mitbringt und wie seine politischen Prioritäten aussehen.
Für eine belastbare politische Einordnung fehlen gegenwärtig noch die Grundlagen.
Bericht über die Bewerbung von Frank Tschany
Sieben Bewerber – aber noch keine sieben klaren Zukunftsentwürfe
Das Bewerberfeld ist größer und vielfältiger geworden. Die politischen Angebote sind jedoch unterschiedlich weit entwickelt:
- Ulrich Albicker steht für einen demokratischen, sozialen und klimaresilienten Stadtwandel.
- Okan Altun bringt eine junge Perspektive und die Interessen von Jugendlichen in den Wahlkampf.
- Tobias Benz steht für Verwaltungserfahrung, finanzpolitische Kompetenz und Kontinuität.
- Julian Christ verspricht eine professionell organisierte Modernisierung.
- Fritz Düker fordert einen konfrontativen Bruch mit der bisherigen Rathauspolitik.
- Emanuel Rohr positioniert sich als Kandidat der bürgerlichen Mitte, hat sein Profil aber noch nicht vollständig geschärft.
- Frank Tschany ist als Bewerber erfahren, lässt für Offenburg bislang jedoch kaum eine politische Richtung erkennen.
Diese Beschreibungen bleiben vorläufig. Entscheidend ist nicht, wer die meisten Plakate aufhängt oder die allgemeinsten Versprechen formuliert. Entscheidend ist, wer konkrete und nachvollziehbare Antworten auf die Zukunftsfragen Offenburgs gibt:
Wie wird die Stadt widerstandsfähig gegen Hitze und Klimawandel? Wie schützen wir alte Bäume und schaffen zusätzliches Grün? Wie ermöglichen wir sichere und selbstbestimmte Mobilität? Wie entstehen bezahlbare Wohnungen? Wie bleiben Innenstadt und Ortsteile lebendig? Welche Großprojekte können wir uns leisten? Und wie werden die Menschen beteiligt, solange ihre Argumente Entscheidungen noch verändern können?
An diesen Fragen werden wir die Bewerber in den kommenden Wochen messen – einschließlich des Kandidaten, den wir selbst unterstützen.
Stand dieser Übersicht: 8. September 2026.
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