Eine Stadt zeigt auch daran Haltung, wie sie mit Menschen umgeht, die keinen eigenen Ort mehr haben. Obdachlosigkeit verschwindet nicht, indem wir obdachlose Menschen aus dem Stadtbild verdrängen.
Der Wunsch von Sophia Schindler und Yves Laag berührt dabei zwei Bedürfnisse, die nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten: Menschen ohne Wohnung brauchen Unterstützung und erreichbare Hilfsangebote. Gleichzeitig wollen sich alle Menschen im öffentlichen Raum sicher fühlen. Beides gehört zu einer funktionierenden Stadt.
Sophia Schindler und Yves Laag wünschen sich eine bessere Koordination der Hilfen für obdachlose Menschen sowie mehr und besser kommunizierte Anlaufstellen und Unterkünfte. Sie beobachten mehr sichtbar obdachlose Menschen in Offenburg und möchten, dass diesen geholfen wird, statt sie lediglich zu vertreiben. Gleichzeitig wünschen sie sich mehr Polizeipräsenz, um problematische Situationen im öffentlichen Raum zu entschärfen.
Uli antwortet
Liebe Sophia, lieber Yves,
vielen Dank für euren Wunsch. Besonders wichtig finde ich euren Satz, dass obdachlose Menschen zu unserer Stadt gehören und nicht einfach verjagt werden sollten.
Obdachlosigkeit ist kein Problem, das wir dadurch lösen, dass wir die betroffenen Menschen von einem Platz zum nächsten schicken. Wenn jemand dauerhaft auf der Straße lebt, steckt dahinter häufig eine schwierige Lebenssituation. Dann braucht es erreichbare Hilfen und Menschen, die den Kontakt suchen und auch dann nicht sofort aufgeben, wenn ein Angebot beim ersten Mal nicht angenommen wird.
Genau deshalb finde ich euren Hinweis auf die Koordination wichtig. Wir sollten uns anschauen: Welche Angebote gibt es bereits in Offenburg? Sind sie ausreichend? Wissen die Betroffenen davon? Sind die Öffnungszeiten und Zugänge passend? Und vor allem: Arbeiten Stadt, soziale Einrichtungen, Wohnungswirtschaft, Polizei und weitere Beteiligte gut genug zusammen?
Dabei dürfen wir nicht erst bei der Obdachlosigkeit anfangen. Der beste Schutz vor Obdachlosigkeit ist, den Verlust einer Wohnung möglichst früh zu verhindern. Wenn Mietschulden, persönliche Krisen oder andere Probleme absehbar dazu führen, dass jemand seine Wohnung verliert, müssen Beratung und Unterstützung möglichst früh greifen.
Gleichzeitig nehme ich auch euren Wunsch nach Sicherheit ernst. Wenn Menschen bedroht oder belästigt werden oder wenn es zu Gewalt kommt, muss die Polizei handeln. Aber Obdachlosigkeit an sich ist kein Sicherheitsdelikt. Diese Unterscheidung ist mir wichtig. Wir sollten konsequent gegen konkretes problematisches Verhalten vorgehen – nicht gegen Menschen aufgrund ihrer Lebenssituation.
Und langfristig kommen wir um eine weitere Frage nicht herum: Menschen brauchen Wohnungen. Eine Notunterkunft kann in einer akuten Situation helfen, sie ersetzt aber kein Zuhause. Deshalb gehören Wohnungspolitik, Prävention und soziale Hilfen für mich unmittelbar zusammen.
Mein Ziel ist ein Offenburg, das niemanden einfach abschreibt: mit erreichbaren Hilfen, guter Zusammenarbeit der zuständigen Stellen und einem öffentlichen Raum, in dem sich alle Menschen sicher bewegen können. Menschlichkeit und Sicherheit sind dabei keine Gegensätze – eine gut organisierte Stadt muss beides können.
Bildquellen
- ChatGPT Image 10. Nov. 2025, 13_55_44: © https://kfutd.de | All Rights Reserved
- eule logo kfutd spenden: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International


