Ein Mann im Anzug spricht an einem Rednerpult auf einer Bühne mit rotem Hintergrund, während sein Bild auf eine große Leinwand über ihm projiziert wird. Das Publikum verfolgt die Szene von den Sitzplätzen aus.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC-SA 4.0 International

Nicht nur verwalten, sondern Zukunft gestalten – OB-Wahl Offenburg

Warum Ulrich Albicker das beste Konzept für Offenburg vorgestellt hat. Sieben Kandidierende, jeweils 20 Minuten Zeit und eine volle Oberrheinhalle: Bei der offiziellen Kandidatenvorstellung zur Oberbürgermeisterwahl konnten die Offenburgerinnen und Offenburger erleben, wie unterschiedlich man auf dieselbe Stadt schauen kann.

Es gab viel Verwaltungserfahrung, zahlreiche Einzelvorschläge und manche einfache Antwort auf komplizierte Fragen. Ulrich Albicker unterschied sich davon in einem entscheidenden Punkt: Er präsentierte nicht nur eine Sammlung von Forderungen. Er stellte ein zusammenhängendes Konzept dafür vor, wie Offenburg in den kommenden Jahren gestaltet werden kann.

Das macht seinen Ansatz für uns zum überzeugendsten dieses Abends.

Ein Konzept statt einer Wunschliste

Albickers Themen standen nicht unverbunden nebeneinander. Klimaanpassung, Wohnen, Mobilität, Wirtschaft, Kultur, Bürgerbeteiligung und Finanzen wurden als Teile derselben Aufgabe sichtbar: Wie schaffen wir eine Stadt, die den Alltag der Menschen verbessert und zugleich auf die kommenden Jahrzehnte vorbereitet ist?

Diese Verbindung ist wichtig. Wer über eine lebendige Innenstadt spricht, muss auch über Hitze, Schatten, Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität sprechen. Wer bezahlbares Wohnen will, muss über Bodenpolitik reden. Wer die Wirtschaft stärken möchte, muss Fachkräften eine lebenswerte Stadt bieten. Wer neue Projekte fordert, muss sagen, wie ihre Kosten langfristig getragen und ihre Wirkungen überprüft werden.

Albicker denkt diese Zusammenhänge. Sein Programm ist nicht frei von offenen Fragen. Aber es besitzt eine erkennbare Richtung – und einen Maßstab, an dem Entscheidungen später überprüft werden können.

Die Stadt der kurzen Wege gilt auch für die Ortsteile

Mit dem Ziel einer 15-Minuten-Stadt beschreibt Albicker eine Stadt, in der möglichst vieles, was Menschen im Alltag benötigen, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Bemerkenswert ist, dass er dieses Ziel nicht auf die Innenstadt begrenzt, sondern ausdrücklich auf alle elf Ortsteile bezieht.

Dabei geht es nicht um ein Verbot des Autos. Es geht um echte Wahlfreiheit. Wer auf ein Auto angewiesen ist oder es benutzen möchte, soll das weiterhin tun können. Aber Kinder, ältere Menschen und alle, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Bus unterwegs sein wollen, brauchen sichere und verlässliche Alternativen.

Heute ist diese Wahlfreiheit vielerorts nicht gegeben. Ein lückenhafter Radweg ist keine sichere Verbindung. Ein Bus, der abends nicht mehr fährt, ist keine Alternative. Ein Gehweg, der zu schmal, zugestellt oder im Sommer ohne Schatten ist, schränkt Teilhabe ein.

Albickers Aussage „Mobilität bedeutet Teilhabe“ bringt diesen Zusammenhang auf den Punkt.

Klimaanpassung wird zur zentralen Aufgabe

Offenburg leidet schon heute unter zunehmender Hitze und Trockenheit. Besonders betroffen sind Menschen, die keinen eigenen Garten, keine kühle Wohnung und keine Möglichkeit haben, der Hitze auszuweichen. Klimaanpassung ist deshalb nicht nur Umweltpolitik. Sie ist Gesundheits- und Sozialpolitik.

Albicker will Offenburg klimaresilienter machen. Er nennt dafür ein klares Ziel: 1.000 neue Bäume pro Jahr. Zugleich spricht er über Entsiegelung, Solarenergie auf städtischen Gebäuden und eine Stadtentwicklung, die Klimaschutz und Anpassung bei jeder wichtigen Entscheidung mitdenkt.

Natürlich genügt die Zahl der gepflanzten Bäume allein nicht. Entscheidend sind geeignete Standorte, ausreichend große Baumbeete, Bewässerung, Pflege und der Schutz des vorhandenen Altbaumbestands. Genau daran muss sich die Umsetzung messen lassen. Aber das Ziel zeigt die notwendige Größenordnung. Angesichts des massiven Baumverlusts der vergangenen Jahre reichen einige symbolische Pflanzungen nicht mehr aus.

Albicker behandelt Klimaanpassung nicht als Zusatzaufgabe für gute Zeiten. Er macht sie zu einem Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge.

Öffentlicher Boden ist keine beliebige Handelsware

Ein zweiter zentraler Unterschied liegt in Albickers Verständnis von Wohnen und Bodenpolitik. Er will genossenschaftliches und gemeinwohlorientiertes Wohnen stärken, Leerstände aktivieren und städtische Grundstücke nicht einfach zum Höchstpreis verkaufen.

Das klingt zunächst unspektakulär, berührt aber eine Grundfrage kommunaler Politik: Wem gehört die Stadt – und wer kann es sich künftig noch leisten, in ihr zu leben?

Grund und Boden lassen sich nicht vermehren. Verkauft eine Stadt ihre Flächen, verliert sie dauerhaft Gestaltungsmöglichkeiten. Kurzfristige Einnahmen können langfristig teuer werden, wenn bezahlbarer Wohnraum, soziale Infrastruktur oder öffentliche Räume fehlen. Instrumente wie Erbpacht ermöglichen dagegen Investitionen, ohne das kommunale Eigentum für kommende Generationen aufzugeben.

Albickers Ansatz geht deshalb über die bloße Forderung nach möglichst vielen neuen Wohnungen hinaus. Entscheidend ist nicht nur, wie viel gebaut wird, sondern für wen, zu welchen Bedingungen und auf wessen Boden.

Wirtschaft und Lebensqualität gehören zusammen

Albicker kommt aus der Wirtschaft. Trotzdem reduziert er Wirtschaftspolitik nicht auf die Ausweisung immer neuer Gewerbeflächen. Er will bestehende Flächen besser nutzen, klimafreundliche Unternehmen fördern sowie Handwerk und mittelständische Betriebe stärken.

Das ist ein zeitgemäßer Ansatz. Ein attraktiver Wirtschaftsstandort besteht nicht allein aus verfügbarem Bauland und schnellen Genehmigungen. Unternehmen brauchen Fachkräfte. Und Fachkräfte entscheiden sich auch danach, ob eine Stadt bezahlbaren Wohnraum, gute Schulen, Kultur, sichere Wege, Grünflächen und Lebensqualität bietet.

Wirtschaft und Umwelt gegeneinander auszuspielen, löst deshalb kein Problem. Eine klimaangepasste und lebenswerte Stadt ist selbst ein Standortvorteil. Albicker erkennt diese Verbindung und macht sie zum Teil seines Konzepts.

Bürgerbeteiligung beginnt vor der Entscheidung

Viele Menschen erleben Beteiligung erst dann, wenn wesentliche Entscheidungen längst gefallen sind. Sie dürfen über Varianten sprechen, aber nicht mehr über die Richtung. Das erzeugt Frust und den Eindruck, dass Beteiligung lediglich Akzeptanz für fertige Planungen schaffen soll.

Albicker will Beteiligung früher organisieren, Projektstände und Gemeinderatsentscheidungen verständlicher darstellen und offene Sprechstunden anbieten. Er sagt zugleich etwas Wichtiges: Beteiligung bedeutet nicht, dass am Ende alle einer Meinung sind. Menschen müssen gehört, Argumente abgewogen und anschließend Entscheidungen getroffen werden.

Damit beschreibt er weder unverbindliche Gesprächsrunden noch eine Politik, die jedem Wunsch folgt. Er beschreibt eine demokratische Kultur, in der Konflikte sichtbar sein dürfen und Entscheidungen nachvollziehbar werden.

Mit Bürgerbudgets möchte er zudem einen Teil der Investitionen für konkrete Projekte in Stadtteilen und Quartieren öffnen. Menschen vor Ort wissen häufig sehr genau, wo ein schattiger Aufenthaltsort, ein sicherer Übergang, ein Spielplatz oder ein kleines Kulturprojekt fehlt. Beteiligung erhält dadurch nicht nur eine Stimme, sondern auch einen begrenzten, realen Handlungsspielraum.

Mehr Wirkung pro Euro

Besonders stark war Albickers finanzpolitischer Teil. Während andere vor allem Sparsamkeit, Fördermittel und Bürokratieabbau versprachen, beschrieb er konkrete Regeln für eine neue Haushaltskultur.

Sein Grundsatz lautet: kein Großprojekt ohne vollständige Lebenszyklusrechnung. Es reicht nicht, nur die Baukosten zu kennen. Betrieb, Personal, Energie, Wartung und Instandhaltung belasten den Haushalt oft über Jahrzehnte. Erst wenn diese Folgekosten transparent sind, lässt sich beurteilen, ob ein Projekt wirklich tragfähig ist.

Auch seine vorgeschlagene Priorisierung ist nachvollziehbar:

  • zuerst unverzichtbare Aufgaben wie Schulen, Feuerwehr, Sicherheit, Infrastruktur und gesetzliche Pflichten,
  • danach strategisch wichtige Investitionen in Wirtschaft, Verkehr, Klimaanpassung und Stadtentwicklung,
  • anschließend Projekte, die wünschenswert sind, bei knappen Mitteln aber warten können.

Das ist kein pauschaler Sparkurs. Es ist der Versuch, politische Prioritäten sichtbar zu machen. Dazu gehören regelmäßige Soll-Ist-Vergleiche bei Großprojekten und die Frage, welche tatsächliche Wirkung eine Förderung erzielt.

Albickers Formel „mehr Wirkung pro Euro“ ist deshalb mehr als ein Wahlkampfsatz. Sie bietet einen vernünftigen Maßstab für Entscheidungen in einer Stadt, die viel vorhat, aber nicht alles gleichzeitig finanzieren kann.

Zuhören heißt nicht, keine Entscheidungen zu treffen

Bei der Frage nach der Attraktivität des Freizeitbads versprach Albicker keine spontane Patentlösung. Er wollte zunächst Daten betrachten, Betroffene befragen und Erfahrungen anderer Städte auswerten.

Das wirkte weniger schlagfertig als manche fertige Antwort. Aber Kommunalpolitik ist keine Quizshow. Wer in wenigen Sekunden für jedes Problem eine Lösung präsentiert, liefert oft eher Beruhigung als Substanz.

Albickers Vorgehen – Problem verstehen, Betroffene beteiligen, Erfahrungen auswerten und daraus eine Entscheidung entwickeln – ist seriös. Entscheidend wird sein, dass aus diesem Prozess tatsächlich eine klare Entscheidung folgt. Zuhören darf nicht zum Aufschieben werden. Doch ohne Zuhören entstehen häufig Lösungen, die am wirklichen Problem vorbeigehen.

Die offene Frage: Kann er Verwaltung?

Albickers stärkstes Gegenargument lässt sich nicht wegreden: Er hat bislang weder eine Kommune noch eine große öffentliche Verwaltung geführt. Das unterscheidet ihn deutlich von Julian Christ und Tobias Benz.

Eine Stadtverwaltung mit rund 1.700 Beschäftigten ist kein gewöhnliches Unternehmen. Sie arbeitet unter politischen, rechtlichen und haushalterischen Bedingungen, die man kennen und respektieren muss. Ein Oberbürgermeister braucht Führungskompetenz, muss mit dem Gemeinderat Mehrheiten bilden und darf die Fachlichkeit seiner Verwaltung weder unterschätzen noch gegen sie regieren.

Albicker muss deshalb noch konkreter zeigen, wie er die Verwaltung führen und sein Programm in umsetzbare Schritte übersetzen will.

Aber auch die andere Seite gehört zur Wahrheit: Verwaltungserfahrung allein garantiert keinen Aufbruch. Wer das bestehende System besonders gut kennt, verändert es nicht automatisch. Führung bedeutet nicht, jede Fachfrage selbst beantworten zu können. Führung bedeutet, gute Fachleute einzubeziehen, Ziele klar zu setzen, Verantwortung zu übertragen und Entscheidungen transparent zu machen.

Albickers berufliche Erfahrung in Wirtschaft, Kommunikation und internationalen Zusammenhängen kann dabei eine Stärke sein.

Warum sein Konzept überzeugt

Ulrich Albicker hat nicht für jedes Problem bereits eine fertige Lösung. Das wäre auch unglaubwürdig. Aber er hat etwas vorgestellt, das bei den anderen Kandidierenden in dieser Geschlossenheit fehlte: ein politisches Koordinatensystem für die kommenden Jahre.

Es verbindet:

  • Klimaanpassung mit sozialer Gerechtigkeit,
  • Mobilität mit Teilhabe,
  • Wohnen mit verantwortungsvoller Bodenpolitik,
  • Wirtschaft mit Lebensqualität,
  • Investitionen mit langfristiger Kostenwahrheit,
  • Beteiligung mit klarer Entscheidung.

Offenburg steht vor Jahren großer Veränderungen: Landesgartenschau, Klinikneubau, Rheintalbahn, Wohnraummangel, zunehmende Hitze, wirtschaftlicher Wandel und wachsende soziale Spannungen. Dafür reicht es nicht, den bestehenden Betrieb möglichst störungsfrei fortzuführen. Die Stadt braucht eine Richtung.

Albicker bietet diese Richtung an. Nicht als fertigen Masterplan, der über die Köpfe der Menschen hinweg umgesetzt wird, sondern als Einladung, Offenburg gemeinsam zu gestalten und dabei weiter als bis zur nächsten Wahl zu denken.

Deshalb hat Ulrich Albicker für uns das beste Konzept für Offenburg.

Nicht weil jede Einzelheit bereits beantwortet wäre. Sondern weil sein Ansatz die richtigen Fragen miteinander verbindet – und daraus eine Zukunft entstehen kann, die ökologisch tragfähig, sozial gerecht und demokratisch gestaltet ist.

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