Mehr Kandidaten bedeuten mehr Auswahl. Aber erst konkrete Positionen machen aus einer größeren Auswahl auch eine echte politische Alternative.
Mit Emanuel Rohr hat ein weiterer Offenburger seine Bewerbung für die Oberbürgermeisterwahl am 11. Oktober öffentlich gemacht. Damit sind inzwischen sechs Bewerber namentlich bekannt. Eine weitere Bewerbung soll bereits im Rathaus vorliegen, ohne dass der Bewerber bislang an die Öffentlichkeit getreten ist.
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ToggleWer ist Emanuel Rohr?
Emanuel Rohr wurde 1977 geboren und lebt seit zehn Jahren in Zunsweier. Aufgewachsen ist er in Ortenberg und Zell-Weierbach. Nach eigenen Angaben stammt er aus einem deutsch-französischen Elternhaus. Europa und das grenzüberschreitende Miteinander hätten ihn deshalb von Kindheit an geprägt.
Seit 25 Jahren arbeitet Rohr bei Burda. Aktuell ist er nach Angaben auf seiner Internetseite als Project Manager Coach im Kundenmanagement der Burda CS & S GmbH tätig. Außerdem gehört er dem Betriebsrat an. Ein zuvor begonnenes Jurastudium beendete er nach der Zwischenprüfung zugunsten eines Jobangebots bei Burda.
Rohr tritt parteilos an und bezeichnet sich selbst als „Kandidat der Mitte“. Er möchte nach eigener Aussage kein Berufspolitiker sein, sondern die Themen der Stadt aus der Perspektive eines betroffenen Bürgers angehen.
Viele Themen – bislang wenige konkrete Aussagen
Rohr nennt eine ganze Reihe von Herausforderungen: Sicherheit und Lebensqualität, bezahlbaren Wohnraum, Klimaschutz, nachhaltige Stadtentwicklung, wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitsplätze und die Stärkung der Innenstadt. Auch die Ortsteile sowie der gesellschaftliche Zusammenhalt seien ihm wichtig.
Das ist zunächst ein breites Angebot. Viele dieser Ziele werden vermutlich auch die anderen Kandidaten unterschreiben. Entscheidend wird deshalb sein, was Emanuel Rohr konkret darunter versteht und mit welchen Maßnahmen er diese Ziele erreichen will.
Beim Wohnungsbau spricht er sich für weitere Nachverdichtung, die Freigabe zusätzlicher Ressourcen und attraktivere Bedingungen für das Bauen aus. Offen bleibt bislang, wie dadurch tatsächlich mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen soll und wie Nachverdichtung mit Grünflächen, Hitzeschutz und Lebensqualität in den Quartieren verbunden werden kann.
Kostenloses Parken als erste konkrete Forderung
Besonders deutlich positioniert sich Rohr bei der Parkraumbewirtschaftung. Er möchte kostenfreies Parken für Anwohner ebenso wie für Besucher ermöglichen.
Damit setzt er einen klaren Gegenpunkt zum gerade ausgeweiteten Parkraumkonzept der Stadt. Allerdings entstehen die Kosten eines Parkplatzes auch dann, wenn am Automaten nichts bezahlt werden muss. Flächen müssen gebaut, unterhalten, kontrolliert und an anderer Stelle im städtischen Haushalt finanziert werden.
Deshalb stellen sich konkrete Fragen:
- Wie sollen die wegfallenden Einnahmen ausgeglichen werden?
- Welche anderen Aufgaben der Stadt müssten dafür zurückgestellt werden?
- Wie verhindert kostenloses Parken zusätzlichen Parksuchverkehr?
- Wie passt diese Forderung zu einer nachhaltigen Verkehrspolitik?
- Und wie werden Menschen entlastet, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bus und Bahn unterwegs sind?
Eine erreichbare Innenstadt ist wichtig. Erreichbarkeit darf aber nicht allein mit kostenlosen Autostellplätzen gleichgesetzt werden. Eine lebendige Innenstadt braucht Menschen, die gerne kommen und bleiben – unabhängig davon, mit welchem Verkehrsmittel sie anreisen.
Klimaschutz braucht mehr als eine Überschrift
Emanuel Rohr nennt Klimaschutz und nachhaltige Stadtentwicklung ausdrücklich als wichtige Themen. Das begrüßen wir. Gerade in Offenburg müssen daraus jedoch konkrete Antworten werden.
Wie steht er zum Schutz des vorhandenen Baumbestands? Welche Ziele verfolgt er bei Entsiegelung, Verschattung und Hitzeschutz? Wie soll eine gerechte Mobilität aussehen? Und wie will er sicherstellen, dass Klimaanpassung bei Straßenbau, Wohnungsbau und Stadtentwicklung von Anfang an mitgedacht wird?
Offenburg braucht in diesen Fragen keine weiteren unverbindlichen Absichtserklärungen, sondern messbare Ziele und nachvollziehbare Entscheidungen.
Eine lebendige Wahl braucht den Wettbewerb der Ideen
Wir begrüßen es, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung für ihre Stadt zu übernehmen. Eine größere Zahl von Bewerbern kann dazu beitragen, eingefahrene Strukturen aufzubrechen und unterschiedliche Vorstellungen von Offenburg sichtbar zu machen.
Wir unterstützen mit Ulrich Albicker einen eigenen Kandidaten. Das ist bekannt und wird von uns nicht versteckt. Gerade deshalb gehört für uns zu einem demokratischen Wahlkampf, auch die anderen Bewerber fair vorzustellen, ihre Positionen ernst zu nehmen und dort nachzufragen, wo Aussagen noch unklar oder widersprüchlich sind.
Emanuel Rohr erweitert das Kandidatenfeld. Nun wird es darauf ankommen, ob aus den ersten Überschriften ein tragfähiges Konzept für Offenburg entsteht.
Denn die entscheidende Frage dieser Wahl lautet nicht nur: Wer möchte Oberbürgermeister werden?
Sie lautet vor allem: Wer hat eine nachvollziehbare Vorstellung davon, wie Offenburg sozial gerecht, klimafest, lebendig und demokratisch weiterentwickelt werden kann?
Weitere Informationen: www.emanuelrohr.de
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