Wahlplakate folgen meistens einem vertrauten Muster: ein freundliches Gesicht, ein großer Name, ein Parteilogo und ein möglichst kurzer Satz. Innerhalb weniger Sekunden soll klar werden, wer kandidiert. Für politische Inhalte bleibt dabei oft wenig Platz.
Ulrich Albicker geht in seinem Offenburger OB-Wahlkampf einen anderen Weg. Seine Plakatserie verbindet klassische Kandidatenporträts mit ungewöhnlichen Kunstmotiven. An den Laternenmasten hängen deshalb immer zwei Plakate zusammen: Das eine zeigt den Menschen, der für das Amt des Oberbürgermeisters kandidiert. Das andere erzählt, welche Idee von Stadt mit dieser Kandidatur verbunden ist.
Die eine Seite sagt: Das ist Uli. Die andere sagt: Darum geht es.
Inhalt
ToggleWarum Kunst im Wahlkampf?
Kunst irritiert unsere gewohnten Sehweisen. Sie muss nicht alles sofort erklären und lässt Raum für eigene Gedanken. Genau deshalb kann sie etwas, das gewöhnlicher Wahlwerbung selten gelingt: Sie lädt dazu ein, einen Moment länger hinzusehen.
Die Kunstplakate greifen Bildsprachen auf, die an bekannte Künstlerinnen und Künstler erinnern. Uli erscheint einmal in einer bewegten, leuchtenden Welt nach Art Vincent van Goghs, ein anderes Mal zwischen den freien Formen und kräftigen Farben, die mit Joan Miró verbunden werden. Weitere Motive erweitern diese Serie.
Dabei geht es nicht darum, berühmte Kunstwerke zu kopieren oder Uli nachträglich zum Kunstliebhaber zu stilisieren. Die unterschiedlichen Bildwelten eröffnen jeweils einen eigenen Zugang zu politischen Fragen.
Was bedeutet soziale Gerechtigkeit in einer Stadt? Wem gehört der öffentliche Raum? Wo können Menschen einander begegnen? Wie viel Freiheit geben wir Kindern? Wie gehen wir mit Vielfalt um? Wie schützen wir Menschen vor Hitze? Und wie schaffen wir Beteiligung, die tatsächlich etwas bewirken kann?
Die Kunst liefert darauf keine fertigen Verwaltungsantworten. Sie schafft einen Raum, in dem wir neu über diese Fragen nachdenken können.
Jedes Motiv erzählt von einer anderen Stadt
Die Plakate sind keine bloßen Variationen desselben Kandidatenporträts. Jedes Motiv setzt einen eigenen Schwerpunkt.
Unter der Überschrift „Stadt für alle“ geht es um bezahlbares Wohnen, Barrierefreiheit, Teilhabe, sichere Mobilität, gute Orte für Kinder und Schatten im öffentlichen Raum.
„Spielraum für alle“ erzählt von der Freiheit, Ideen einzubringen, Dinge auszuprobieren und die eigene Stadt mitzugestalten. Es geht um Kultur, Begegnung und eine kinderfreundliche Stadt, die Menschen nicht nur als Verkehrsteilnehmende oder Konsumierende betrachtet.
Andere Motive werden weitere Perspektiven eröffnen. Zusammen sollen sie kein bis ins letzte Detail ausformuliertes Wahlprogramm ersetzen. Sie machen vielmehr sichtbar, aus welcher Haltung heraus Uli Politik gestalten möchte.
Die Botschaft lautet: Eine Stadt besteht nicht nur aus Straßen, Gebäuden, Haushaltszahlen und Verwaltungsverfahren. Sie besteht vor allem aus Menschen, ihren Beziehungen, Bedürfnissen, Konflikten und Ideen.
Das Plakatpaar: Wer kandidiert – und wofür?
Die künstlerischen Darstellungen fallen auf, doch sie sind nicht immer auf Anhieb als Porträt eines OB-Kandidaten zu erkennen. Deshalb werden sie jeweils gemeinsam mit einem fotografischen Plakat aufgehängt.
Dieses zeigt Ulrich Albicker in einer vertrauten Offenburger Umgebung. Der Name ist deutlich lesbar, der QR-Code führt zu weiteren Informationen und der Leitsatz „Stadt für alle“ verbindet das Porträt mit der gesamten Kunstserie.
Gerade diese Kombination macht das Konzept schlüssig.
Ein reines Kandidatenfoto wäre schnell austauschbar. Ein Kunstplakat allein könnte dagegen offenlassen, wer für seine Aussagen politische Verantwortung übernehmen will. Im Plakatpaar begegnen sich deshalb Person und Programm, Fantasie und Verlässlichkeit, Offenheit und Verantwortung.
Das Kunstmotiv stellt Fragen und formuliert Ansprüche. Das Porträt zeigt den Menschen, der sich daran messen lassen will.
Keine fertige Stadt aus der Schablone
Die unterschiedlichen künstlerischen Stile haben noch eine weitere Bedeutung. Sie widersprechen der Vorstellung, es könne für alle Stadtteile, Straßen und Menschen dieselbe vorgefertigte Lösung geben.
Offenburg ist vielfältig. Die Innenstadt hat andere Herausforderungen als die Ortsteile. Familien erleben die Stadt anders als ältere Menschen. Wer zu Fuß unterwegs ist, nimmt andere Hindernisse wahr als jemand im Auto. Ein Kind braucht andere öffentliche Räume als ein Gewerbetreibender. Menschen mit wenig Einkommen sind von steigenden Mieten, Hitze oder eingeschränkter Mobilität anders betroffen als Wohlhabende.
Eine Stadt für alle entsteht deshalb nicht nach einer einzigen Schablone. Sie muss unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen, Konflikte offen austragen und Lösungen an die tatsächlichen Bedingungen vor Ort anpassen.
Gerade darin liegt eine Verbindung zur Kunst: Neues entsteht nicht, wenn wir immer nur wiederholen, was wir schon kennen.
Mit künstlicher Intelligenz gestaltet – und entsprechend gekennzeichnet
Die Kunstmotive wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Das wird auf jedem Plakat transparent angegeben.
Diese Bilder sind keine Werke Van Goghs, Mirós oder anderer Künstlerinnen und Künstler. Sie greifen deren erkennbare Bildsprachen auf und verbinden sie mit neuen Motiven und politischen Aussagen. Die Technik hat bei der Umsetzung geholfen. Die Auswahl der Themen, die Botschaften und die politische Verantwortung bleiben menschlich.
Auch darüber kann und sollte gesprochen werden. Künstliche Intelligenz verändert kreative Arbeit und wirft Fragen nach Originalität, Urheberschaft und dem Wert künstlerischer Leistungen auf. Diese Diskussion darf nicht durch einen kleinen Hinweis im Impressum erledigt sein.
Gleichzeitig zeigt die Serie, wie neue Werkzeuge genutzt werden können, um politische Kommunikation zugänglicher, überraschender und diskussionswürdiger zu machen. Entscheidend ist, transparent damit umzugehen und KI nicht als Ersatz für eigene Haltung auszugeben.
Politische Versprechen in Bildern
So ungewöhnlich die Motive sind: Sie dürfen nicht nur als schöne Wahlkampfdekoration betrachtet werden. Auf jedem Plakat stehen Aussagen, die einen politischen Anspruch formulieren.
Wer „Ideen willkommen“ schreibt, muss Beteiligung ermöglichen, bevor Entscheidungen gefallen sind.
Wer „Schatten für alle“ fordert, muss sich für Bäume, Entsiegelung, begrünte Wege und wirksamen Hitzeschutz einsetzen.
Wer „sicher unterwegs“ verspricht, muss Fußverkehr, Radverkehr, Barrierefreiheit und einen verlässlichen öffentlichen Nahverkehr ernst nehmen.
Wer „gute Orte für Kinder“ fordert, muss Kindern im öffentlichen Raum tatsächlich Platz geben.
Und wer „Stadt für alle“ sagt, darf Politik nicht nur für diejenigen machen, die besonders laut auftreten, über gute Kontakte verfügen oder ihre Interessen professionell vertreten können.
Die Plakate sind deshalb auch eine Selbstverpflichtung. Uli muss sich im Wahlkampf und, wenn er gewählt wird, im Amt daran messen lassen.
Die Motive und ihre Geschichten
In dieser Reihe betrachten wir die Plakate einzeln. Wir erklären ihre Bildsprache, ordnen ihre politischen Aussagen ein und benennen auch die Fragen, die sie offenlassen.
Stadt für alle – das Van-Gogh-Motiv
Eine bewegte Stadtlandschaft, ein ernstes Porträt und konkrete soziale Versprechen: Das Van-Gogh-Motiv verbindet Klimaanpassung, Teilhabe, Wohnen, Mobilität und Kinderfreundlichkeit.
Spielraum für alle – das Miró-Motiv
Freie Formen, kräftige Farben und eine Stadt, die Raum für Ideen lässt: Das Miró-Motiv erzählt von Kultur, Begegnung, Kindern und einer offenen demokratischen Stadtgesellschaft.
Der Kandidat hinter den Kunstmotiven
Das fotografische Begleitplakat zeigt den Menschen, der für die Aussagen der Serie politische Verantwortung übernehmen möchte. Erst zusammen werden Kunstmotiv und Kandidatenporträt zur vollständigen Botschaft.
Weitere Kunstplakate folgen
Die Serie wird im Laufe des Wahlkampfs erweitert. Mit jedem neuen Motiv wächst auch diese Übersicht. So entsteht nach und nach eine Galerie politischer Vorstellungen für Offenburg – und zugleich ein öffentliches Register von Ansprüchen, an denen sich Uli messen lassen muss.
Das ist keine neutrale Kunstausstellung
Wir unterstützen Ulis Kandidatur. Deshalb ist diese Reihe keine distanzierte Kunstkritik und gibt auch nicht vor, politisch neutral zu sein.
Gerade deshalb wollen wir die Motive nicht lediglich loben. Wir möchten erklären, was sie ausdrücken, welche politischen Verpflichtungen daraus entstehen und wo Fragen offenbleiben. Ein Wahlplakat darf Emotionen wecken. Es muss aber auch einer kritischen Betrachtung standhalten.
Denn entscheidend ist am Ende nicht, ob ein Motiv schön aussieht oder viele Menschen darauf aufmerksam werden. Entscheidend ist, ob die darin formulierte Haltung später das politische Handeln prägt.
Eine Einladung zum Gespräch
Die Kunstplakate sollen keine fertige Stadt präsentieren. Sie sind Einladungen, darüber zu sprechen, wie wir in Offenburg miteinander leben wollen.
Welche Orte fehlen in unserem Quartier? Wo fühlen wir uns unsicher? Welche Wege sind nicht barrierefrei? Wo brauchen wir Bäume und Schatten? Was benötigen Kinder und Jugendliche? Welche Ideen scheitern bisher an unnötigen Hürden? Und wie können Einwohnerinnen und Einwohner früher und wirksamer an Entscheidungen beteiligt werden?
Eine Stadt für alle entsteht nicht dadurch, dass ein Kandidat diesen Satz auf ein Plakat schreibt. Sie entsteht, wenn viele unterschiedliche Menschen ihre Erfahrungen einbringen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Wer eigene Ideen, Wünsche oder Kritik hat, kann sich deshalb direkt beteiligen:
Unser Fazit
Ulis Kunstplakate wollen mehr sein als bunte Unterbrechungen im üblichen Straßenwahlkampf. Sie verbinden politische Themen mit Emotionen, Fantasie und einer klar erkennbaren Haltung.
Die Motive zeigen keine fertige Lösung für Offenburg. Sie formulieren eine Richtung: sozial gerecht, klimagerecht, kinderfreundlich, barrierefrei, kulturell lebendig und demokratisch gestaltet.
Daneben steht das fotografische Porträt des Kandidaten. Es macht deutlich, wer bereit ist, dafür Verantwortung zu übernehmen.
So entsteht aus zwei Plakaten eine gemeinsame Botschaft:
Uli kandidiert. Aber Offenburg gestalten wir nur zusammen.
Bildquellen
- vierplakate: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International
- PXL_20260901_181448628: © https://kfutd.de | CC BY-NC-SA 4.0 International
- plakat kahlo 606 432: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International
- ChatGPT Image 10. Nov. 2025, 13_55_44: © https://kfutd.de | All Rights Reserved
- eule logo kfutd spenden: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International





