Präsentationsfolie der Stadt Offenburg mit dem Titel Baummaßnahmen – Was unternimmt die Stadt?, in der sieben Punkte zur Baumpflanzung für das Jahr 2026 aufgeführt sind, begleitet von einem Foto eines jungen Baumes auf einem Feld.

Mehr neue Bäume, große Herausforderungen: Offenburgs Stadtbaumbericht 2026

333 neue Bäume sollen diesen Winter in Offenburg gepflanzt werden. Zugleich setzt die Stadt verstärkt auf pflegerische Maßnahmen, um große Bäume zu erhalten. Beim jährlichen Informationsabend zu den Stadtbäumen am 19. Oktober wurden Fortschritte sichtbar – und die Schwierigkeiten, den Schatten unserer Stadt langfristig zu sichern.

Wer sich für Offenburgs Stadtbäume einsetzt, kennt die ernüchternden Nachrichten der vergangenen Jahre: Fällungen, trockene Standorte und Lücken, die lange unbepflanzt bleiben. Deshalb verdient eine Zahl aus dem diesjährigen Bericht ausdrücklich Anerkennung: Die Stadt plant für diesen Winter insgesamt 333 Baumpflanzungen.

Zu Beginn unserer Proteste wollte die Verwaltung die jährlichen Pflanzungen noch auf höchstens 110 begrenzen. Diese Begrenzung ist inzwischen vom Tisch. Jetzt ist etwa die dreifache Anzahl vorgesehen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, die wir als Erfolg unserer gemeinsamen Anstrengungen für mehr Stadtgrün werten.

Mehr Pflanzungen – aber noch kein Ersatz für verlorenen Schatten

Die Stadt weist für 2026 bislang 417 Gehölze zur Entnahme oder Fällung aus. Davon ordnet sie 67 der Kategorie „Wildaufwuchs“ und 197 dem „flächigen Bestand“ zu. Übrig bleiben 153 Einzelbäume.

Diesen 153 Einzelbäumen stehen die 333 geplanten Jungbäume gegenüber. Das ist ein positives Verhältnis. Für eine vollständige Bestandsbilanz müssen allerdings auch die anderen Entnahmen berücksichtigt und die unterschiedlichen Kategorien nachvollziehbar eingeordnet werden.

Vor allem sagt die Anzahl allein wenig darüber aus, wie viel Schatten Offenburg gewinnt oder verliert. Ein Jungbaum ersetzt das Kronenvolumen eines großen, alten Baumes erst nach vielen Jahren. Bis dahin fehlt dessen Wirkung gerade dort, wo Menschen im Sommer Schatten brauchen.

Unser Ziel von 1.000 neuen Bäumen pro Jahr bleibt deshalb aktuell. Mit 333 Pflanzungen bewegt sich die Stadt in die richtige Richtung, erreicht aber erst etwa ein Drittel dieser Größenordnung.

Pappeln am Mühlbach: Erhalten durch Pflege

Ein wichtiges Signal gab es zum Umgang mit den Pappeln am Mühlbach. Trotz der Grünastbrüche dieses Sommers ist keine Fällung vorgesehen. Die Stadt will die Bäume durch einen kräftigen Rückschnitt erhalten und sichern.

Als Ursache für die Probleme nannte die Stadt den niedrigen Wasserstand des Mühlbachs im Sommer. Der Erhalt durch Pflege verdient Unterstützung. Eine Garantie für den dauerhaften Fortbestand der Pappeln gibt es damit allerdings nicht.

Gerade deshalb bleibt die langfristige Perspektive entscheidend. Nach Darstellung der Stadt bieten weder eine alternative Wegeführung noch Ersatzpflanzungen eine Lösung. Wasserrechtliche Belange und der Schutz der Uferböschung begrenzen die Möglichkeiten am Bach; im benachbarten Schutzgebiet dürfe nicht gepflanzt werden.

Damit bleibt eine schwierige Frage offen: Wie kann der Weg dauerhaft beschattet werden, wenn die vorhandenen Pappeln irgendwann ausfallen? Ein schattenloser Weg wäre angesichts heißer Sommer keine befriedigende Perspektive. Hier braucht es weitere Überlegungen über die unmittelbar anstehenden Pflegemaßnahmen hinaus.

Fischerstraße: Entsiegelung hätte den Erhalt unterstützen sollen

Besonders bitter ist die Situation in der Fischerstraße. Nach den Erläuterungen am Abend steht der Entschluss der Eigentümer fest, die Platanen zu entnehmen.

Dabei war die Stadt bereit, die Straße zu entsiegeln und eine wassergebundene Decke einzubauen. Damit sollten künftige Schäden begrenzt und der Erhalt der Bäume unterstützt werden. Die Versicherung wollte jedoch keine dauerhafte Deckung mehr anbieten. Auch das städtische Entgegenkommen konnte die Entscheidung der Eigentümer deshalb nicht abwenden.

Das zeigt, wie schwierig der Erhalt großer Bäume werden kann, wenn Eigentumsverhältnisse, Versicherungsfragen und Schäden an Infrastruktur zusammentreffen. Für das Stadtklima bleibt der Verlust ihrer Kronen trotzdem bestehen.

Baumerhalt braucht Wasser, Geld und eine langfristige Perspektive

Der Aufwand für die vorhandenen Bäume wächst. Für Bewässerung hat die Stadt 2026 nach ihrem Bericht bislang rund 533.000 Euro aufgewendet. Auch Bäume im sechsten und siebten Standjahr müssen inzwischen gegossen werden. Für weitere Erhaltungs- und Revitalisierungsmaßnahmen wurden bislang rund 150.000 Euro genannt.

Diese Arbeit verdient Anerkennung. Die Pflanzung ist erst der Anfang: Bäume brauchen geeignete Standorte, ausreichend Wasser und dauerhafte Pflege.

Wir nehmen deshalb Fortschritte aus diesem Abend mit: mehr geplante Pflanzungen und konkrete Bemühungen, große Bäume durch Pflege zu erhalten. Daran wollen wir anknüpfen. Entscheidend wird sein, ob Offenburg seinen Baumbestand langfristig stärkt und wieder mehr Kronenvolumen gewinnt. Denn die Menschen brauchen spürbar mehr Schatten – auf ihren täglichen Wegen, vor ihren Wohnungen und auf den Plätzen dieser Stadt.

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