Ein Mann in Anzug und Mantel spricht bei einer Veranstaltung im Freien in ein Mikrofon, während links von ihm eine Frau neben einem hohen Tisch steht.

Offenburg hat gewählt: Klarer Sieg für Tobias Benz, große Aufgabe für die Stadt

Tobias Benz hat die Stichwahl um das Offenburger Oberbürgermeisteramt mit knapp 65 Prozent deutlich gewonnen. Gleichzeitig haben sich nur 37,4 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Dieser Wahlabend bringt damit eine klare Entscheidung – und eine offene Frage: Wie gelingt es, wieder mehr Menschen für die gemeinsame Gestaltung unserer Stadt zu gewinnen?

Zunächst gratulieren wir Tobias Benz zu seinem Wahlsieg. Er hat sich in einem langen Wahlkampf durchgesetzt und wird künftig als Oberbürgermeister Verantwortung für Offenburg übernehmen. Für diese Aufgabe wünschen wir ihm ein gutes Gespür für die Bedürfnisse der Menschen, Offenheit für unterschiedliche Perspektiven und den Mut, notwendige Veränderungen anzugehen.

Unser Dank gilt auch Julian Christ und allen weiteren Kandidierenden, die sich dem demokratischen Wettbewerb gestellt haben. Ebenso den vielen Helferinnen und Helfern, die diese Wahl ermöglicht haben.

Wahlergebnisse der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters von Offenburg: Tobias Dr. Benz liegt mit 64,6 % der Stimmen vor Julian Christ mit 35,4 %.

Ein eindeutiges Ergebnis – bei geringer Beteiligung

Knapp 65 Prozent sind ein deutlicher Sieg. Die geringe Wahlbeteiligung stellt die demokratische Legitimität dieses Ergebnisses nicht infrage. Sie gehört aber genauso zur Bilanz dieses Wahlabends.

Fast zwei Drittel der Wahlberechtigten haben an der Stichwahl nicht teilgenommen. Warum sie ferngeblieben sind, lässt sich aus der Zahl allein nicht erklären. War es fehlendes Interesse? Fehlendes Vertrauen? Das Gefühl, zwischen den verbliebenen Kandidaten keine passende Wahl zu haben? Oder die Erfahrung, mit den eigenen Anliegen ohnehin nicht durchzudringen?

Wir wissen es nicht. Deshalb sollten weder die Parteien noch wir als zivilgesellschaftliche Initiative die Nichtwählenden für unsere jeweilige Sichtweise vereinnahmen. Aber wir sollten genauer hinsehen und zuhören.

Die Aufgabe betrifft den künftigen Oberbürgermeister, den Gemeinderat und die Verwaltung. Sie betrifft auch Vereine, Initiativen und alle, die sich öffentlich in die Stadtpolitik einbringen: Wen erreichen wir? Wer kommt zu Wort? Und welche Menschen fehlen regelmäßig in unseren Debatten?

Benz benennt die Herausforderung selbst

In seiner Rede am Wahlabend hat Tobias Benz die geringe Wahlbeteiligung ausdrücklich angesprochen. Besonders die Rückgänge in einzelnen Bezirken bezeichnete er als Herausforderung für die Zukunft. Er wolle auf die Menschen zugehen und vermitteln, dass Kommunalpolitik ihr unmittelbares Lebensumfeld gestaltet.

Daran lässt sich anknüpfen. Denn genau hier liegt die Bedeutung kommunaler Politik: beim sicheren Schulweg, bei der bezahlbaren Wohnung, beim Schatten vor der Haustür, bei zugänglichen öffentlichen Räumen und bei der Frage, ob Menschen sich in ihrer Stadt gehört fühlen.

Doch die Bedeutung von Kommunalpolitik besser zu erklären, wird allein nicht genügen. Menschen müssen auch erleben können, dass ihre Beteiligung etwas bewirkt.

Wer nach seiner Meinung gefragt wird, braucht eine nachvollziehbare Rückmeldung. Wer einen Vorschlag einbringt, sollte erfahren, wie damit umgegangen wird. Und wer von einer Planung unmittelbar betroffen ist, muss sich einbringen können, solange tatsächlich noch etwas zu verändern ist.

Vertrauen entsteht durch die Erfahrung, ernst genommen zu werden.

Was heißt es, die Stadt gemeinsam weiterzuentwickeln?

Benz hat angekündigt, Offenburg gemeinsam mit der Bürgerschaft, der Verwaltung, den Ortschaftsräten, den Bürgergemeinschaften und dem Gemeinderat weiterentwickeln zu wollen. Dieses Angebot nehmen wir ernst.

Entscheidend wird sein, wie dieses Miteinander im Alltag aussieht. Werden Menschen frühzeitig beteiligt? Werden unterschiedliche Möglichkeiten offen diskutiert? Werden Informationen verständlich und zugänglich bereitgestellt? Und wird nachvollziehbar erklärt, warum eine Entscheidung so und nicht anders getroffen wurde?

Beteiligung muss außerdem diejenigen erreichen, die nicht ohnehin gut organisiert sind. Wer wenig Zeit hat, sich mit Verwaltungssprache schwertut oder bisher kaum politische Wirksamkeit erlebt hat, braucht passende Zugänge. Eine Einladung zu einer Abendveranstaltung erreicht längst nicht alle.

Für Offenburg bedeutet das auch, die unterschiedlichen Lebensbedingungen in der Kernstadt und den Ortsteilen ernst zu nehmen. Alle gehören zu dieser Stadt. Ihre Bedürfnisse sind jedoch nicht überall dieselben. Gute Stadtpolitik muss diese Unterschiede sichtbar machen und fair berücksichtigen.

Gute Lösungen brauchen eine offene politische Debatte

Benz betonte in seiner Rede, dass es ihm um gute Lösungen für die Stadt und nicht um Parteipolitik gehe. Der Wunsch nach Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg ist begrüßenswert.

Trotzdem bleiben kommunale Entscheidungen politisch. Wie wir öffentliche Flächen verteilen, welche Investitionen Vorrang bekommen und wessen Bedürfnisse besonders berücksichtigt werden, sind Fragen von Interessen und Wertvorstellungen.

Ein Parkplatz, ein Baum, ein sicherer Radweg und ein breiter Gehweg lassen sich nicht an jeder Stelle gleichzeitig verwirklichen. Begrenzte Mittel verlangen Entscheidungen. Klimaanpassung braucht Platz und Geld. Soziale Gerechtigkeit verlangt, besonders auf diejenigen zu schauen, die Belastungen am wenigsten ausweichen können.

Solche Konflikte verschwinden nicht durch den Verweis auf das gemeinsame Beste. Sie müssen offen und fair ausgehandelt werden. Dazu gehören eine sachliche Debatte, transparente Entscheidungsgrundlagen und die Bereitschaft, Kritik auszuhalten.

Auch öffentlicher Widerspruch und friedlicher Protest gehören zu einer lebendigen demokratischen Stadt.

Woran wir die kommende Stadtpolitik messen werden

Für uns als KfUTD bleiben Klimaanpassung, selbstbestimmte Mobilität, soziale Gerechtigkeit und partizipative Demokratie die zentralen Maßstäbe. Der Wechsel an der Verwaltungsspitze eröffnet die Möglichkeit, in diesen Bereichen neue Verbindlichkeit zu schaffen.

Beim Hitzeschutz und Stadtgrün geht es darum, große Bäume möglichst zu erhalten, Flächen zu entsiegeln und Schatten dort zu schaffen, wo Menschen ihn brauchen. Ankündigungen müssen in überprüfbare Maßnahmen übersetzt werden.

Bei der Mobilität geht es um eine Stadt, in der Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Einschränkungen sicher und eigenständig unterwegs sein können. Die Qualität öffentlicher Räume zeigt sich auch daran, wie gut sie für diejenigen funktionieren, die besonders auf sichere Wege und kurze Entfernungen angewiesen sind.

Bei der sozialen Gerechtigkeit müssen wir fragen, wie Belastungen und Chancen verteilt sind: Wer lebt an heißen, lauten Straßen? Wer hat Zugang zu Grünflächen? Wer kann sich Wohnen und Mobilität leisten? Und wer wird bei Entscheidungen zu wenig gehört?

Bei der Beteiligung brauchen wir Verfahren, deren Wirkung erkennbar ist. Menschen sollten wissen, worüber sie mitentscheiden können, wo Grenzen liegen und was aus ihren Beiträgen geworden ist.

Dafür braucht es konkrete Ziele, nachvollziehbare Zeitpläne und öffentlich zugängliche Informationen über Fortschritte und Schwierigkeiten. So wird sichtbar, ob sich unsere Stadt tatsächlich in die angekündigte Richtung entwickelt.

Nachts versammelt sich eine Menschenmenge auf einem Stadtplatz, um auf eine große Videoleinwand im Freien zu schauen.

Ein fairer Abschluss und ein offener Anfang

Julian Christ hat seine Niederlage am Wahlabend anerkannt, Tobias Benz gratuliert und Offenburg eine gute Zukunft gewünscht. Das war ein respektvoller Abschluss eines langen Wettbewerbs.

Mit der Wahl ist die Personalentscheidung gefallen. Die inhaltlichen Fragen bleiben. Ein Wahlsieg beantwortet noch nicht, wie wir unsere Stadt vor zunehmender Hitze schützen, wie wir öffentliche Räume gerechter gestalten oder wie wir mehr Menschen an Entscheidungen beteiligen.

Tobias Benz wird Oberbürgermeister der gesamten Stadt – für diejenigen, die ihn gewählt haben, ebenso wie für diejenigen, die anders oder gar nicht gewählt haben.

Wir werden seine Arbeit konstruktiv und kritisch begleiten. Wir werden Zusammenarbeit suchen, Vorschläge einbringen und gute Entscheidungen unterstützen. Ebenso werden wir Widersprüche benennen und Veränderungen einfordern, wenn sie ausbleiben.

Offenburg hat gewählt. Jetzt kommt es darauf an, dass die Menschen erleben: Diese Stadt lässt sich gemeinsam gestalten – und meine Stimme zählt auch zwischen den Wahlen.

Grundlage dieses Beitrags sind die genannten Wahlergebnisse und eine eigene Aufnahme der Abschlussreden am Wahlabend. Die Aussagen der Kandidaten werden sinngemäß wiedergegeben.

Siehe auch

Bildquellen

Facebook
LinkedIn
Threads
WhatsApp

Schreibe einen Kommentar


Der Zeitraum für die reCAPTCHA-Überprüfung ist abgelaufen. Bitte laden Sie die Seite neu.