Die große Jurte der KfUTD bei der selbstorganisierten Einwohnerversammlung am 16. November 2024. Beim Palodium 2.0 soll sie auf dem Platz der Verfassungsfreunde erneut zum offenen Raum für Begegnung und demokratischen Austausch werden.

Palodium 2.0 findet statt: Offenburg spricht über Teilhabe, Wohnen und Demokratie

Am Montag, 21. September 2026, lädt die KfUTD um 19 Uhr zum Palodium 2.0 auf den Platz der Verfassungsfreunde ein. Im Mittelpunkt stehen gesellschaftliche Teilhabe, Wohnen und Wohnungslosigkeit sowie politische Bildung und Erinnerungskultur – jeweils mit besonderem Blick auf Menschen in prekären Lebenslagen.

In den vergangenen Tagen wurde viel über Veränderungen, unterschiedliche Haltungen und die Teilnahme einzelner Kandidaten berichtet. Deshalb möchten wir zunächst das Wichtigste festhalten:

Das Palodium 2.0 findet statt.

Es wird als eigenständige öffentliche Veranstaltung der KfUTD auf dem Platz der Verfassungsfreunde durchgeführt. Geplant ist eine große Jurte, die mitten im öffentlichen Raum einen geschützten Ort für Fragen, Diskussionen und Begegnungen schafft.

Ulrich Albicker, Tobias Benz und Julian Christ haben ihre Teilnahme zugesagt. Darüber hinaus haben wir Emanuel Rohr und Okan Altun eingeladen; ihre Rückmeldungen stehen noch aus. Moderiert wird der Abend von Fridolin Koch.

Die sozialen Fragen gehören in den Wahlkampf

Bei einer Oberbürgermeisterwahl wird viel über Wirtschaft, Verwaltung, Großprojekte, Sicherheit und die finanzielle Lage der Stadt gesprochen. Das alles ist wichtig. Gleichzeitig geraten jedoch häufig diejenigen aus dem Blick, für die kommunalpolitische Entscheidungen ganz unmittelbar über ihre Lebensmöglichkeiten entscheiden.

Was bedeutet politische Beteiligung für Menschen, die wenig Geld, kaum Zeit oder keinen selbstverständlichen Zugang zu politischen Institutionen haben? Wie kann Offenburg ausreichend bezahlbaren Wohnraum schaffen? Was kann die Stadt tun, um Wohnungsverlust zu verhindern und wohnungslose Menschen wirksam zu unterstützen? Wie erreichen politische Bildung und Erinnerungskultur auch diejenigen, die von klassischen Bildungsangeboten kaum angesprochen werden? Und wie sorgen wir dafür, dass Menschen in prekären Lebenslagen nicht nur Gegenstand politischer Entscheidungen sind, sondern selbst gehört und beteiligt werden?

Diese Fragen bildeten den Ausgangspunkt des ursprünglich geplanten Palodiums. Sie bleiben auch die inhaltliche Grundlage des neuen Formats. Denn die aktuelle Auseinandersetzung darf nicht dazu führen, dass gerade die sozialen Themen aus dem Oberbürgermeisterwahlkampf verschwinden.

Fragen, Antworten und Raum für das Publikum

Nach kurzen inhaltlichen Impulsen werden die eingeladenen Kandidaten zu den drei Themenbereichen befragt:

  • Teilhabe und politische Beteiligung,
  • Wohnen und Wohnungslosigkeit,
  • politische Bildung und Erinnerungskultur.

Dabei soll es nicht bei allgemeinen Bekenntnissen bleiben. Wir möchten wissen, welche konkreten Veränderungen die Kandidaten als Oberbürgermeister anstoßen wollen, welche Handlungsmöglichkeiten sie bei der Stadt sehen und welche Prioritäten sie setzen würden.

Auch die Besucherinnen und Besucher sollen nicht auf die Rolle eines schweigenden Publikums beschränkt bleiben. Sie erhalten Gelegenheit, eigene Erfahrungen, Fragen und Erwartungen einzubringen. Unterschiedliche Positionen dürfen und sollen sichtbar sein – fair, respektvoll und auf die Sache konzentriert.

Warum es einen neuen Ort und eine neue Verantwortung gibt

Das ursprünglich geplante Palodium sollte in den Räumen der Evangelischen Stadtkirchengemeinde stattfinden. Die Landesarmutskonferenz Baden-Württemberg und der Runde Tisch Offenburg-Ortenau trugen die inhaltliche Verantwortung. Die KfUTD hatte wesentliche Teile der Organisation übernommen, und Fridolin Koch war als Moderator vorgesehen.

Damit waren mehrere Organisationen mit unterschiedlichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten beteiligt. Das kann eine große Stärke sein. Es setzt aber voraus, dass wichtige Entscheidungen miteinander abgestimmt und die jeweiligen Grenzen der Beteiligten berücksichtigt werden.

Eine neue politische Situation entstand durch die öffentliche Wahlempfehlung der Offenburger AfD für Fritz Düker. Entscheidend für unsere Bewertung war nicht allein, dass eine Partei eine solche Empfehlung ausgesprochen hat. Ein Kandidat kann nicht bestimmen, wer zu seiner Wahl aufruft. Entscheidend war vielmehr, dass Fritz Düker seine Freude über diese Unterstützung öffentlich erklärte und sich nicht von der damit verbundenen politischen Vereinnahmung abgrenzte.

Die Evangelische Stadtkirchengemeinde kam unter diesen veränderten Umständen zu dem Ergebnis, ihre Räume für die geplante Veranstaltung nicht zur Verfügung zu stellen. Diese Entscheidung wurde von der Kirchengemeinde in eigener Verantwortung getroffen. Wir respektieren sie und möchten nicht, dass sich die Kirche für die Wahrnehmung ihrer Verantwortung öffentlich rechtfertigen muss.

Damit standen der ursprünglich vorgesehene Ort und die bisherige gemeinsame Veranstaltungsstruktur nicht mehr zur Verfügung. Die KfUTD entschied deshalb, nicht im Namen der bisherigen Träger weiterzumachen, sondern eine neue Veranstaltung an einem anderen Ort und in eigener Verantwortung zu organisieren.

Unsere Haltung zur Unterstützung durch die AfD

Für die KfUTD gehört eine klare Abgrenzung gegenüber der AfD und rechtsextremen Positionen zum demokratischen Selbstverständnis.

Dabei geht es nicht darum, Menschen pauschal aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit oder ihrer Wahlentscheidung abzuwerten. Jeder Mensch besitzt die gleiche Würde. Mit Menschen im Gespräch zu bleiben, ist ein wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft.

Der Respekt vor Menschen bedeutet jedoch nicht, politische Positionen und Strategien unbewertet lassen zu müssen. Mit jemandem zu sprechen ist etwas anderes, als ihm ein Podium zu bieten. Und eine unaufgeforderte Wahlempfehlung lediglich zur Kenntnis zu nehmen, ist etwas anderes, als sich öffentlich über sie zu freuen.

Die sogenannte Brandmauer darf keine Mauer zwischen Menschen sein. Sie ist eine Grenze politischer Zusammenarbeit und politischer Normalisierung. Wo diese Grenze verläuft, müssen zivilgesellschaftliche Organisationen für ihre eigenen Veranstaltungen verantwortlich entscheiden.

Die KfUTD hat deshalb entschieden, Fritz Düker nicht zum neu organisierten Palodium 2.0 einzuladen. Das ist keine Bewertung seiner Würde als Mensch und kein Versuch, seine Kandidatur zu verhindern. Er kann seine Positionen weiterhin öffentlich vertreten und seinen Wahlkampf führen. Wir übernehmen jedoch die Verantwortung dafür, wen wir zu unserem eigenen Veranstaltungsformat einladen.

Warum es trotz Dükers späterem Verzicht beim neuen Format bleibt

Nachdem die Neuorganisation bereits begonnen hatte, erklärte Fritz Düker, auf eine Teilnahme am ursprünglich geplanten Palodium verzichten zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch bereits mehrere eigenständige Entscheidungen getroffen worden: Die kirchlichen Räume standen nicht mehr zur Verfügung, die bisherige gemeinsame Veranstaltungsstruktur bestand nicht mehr, ein neuer Ort war vorgesehen und die Kandidaten wurden über das neue Format informiert.

Ein späterer Verzicht stellt diese Entscheidungen nicht automatisch zurück. Ein erneuter Wechsel von Ort, Verantwortung und Planung wenige Tage vor der Veranstaltung würde für alle Beteiligten noch mehr Unsicherheit schaffen.

Wir haben uns deshalb entschieden, verlässlich an der neuen Planung festzuhalten: Das Palodium 2.0 findet auf dem Platz der Verfassungsfreunde und in alleiniger Verantwortung der KfUTD statt.

Organisation und Moderation werden klar getrennt

Ralph Fröhlich übernimmt für die KfUTD die organisatorische Verantwortung und die Leitung der öffentlichen Versammlung. Zugleich unterstützt er Ulrich Albicker in dessen Wahlkampf. Das ist bekannt und soll auch bei dieser Veranstaltung transparent bleiben.

Die Moderation des Kandidatengesprächs liegt deshalb bei Fridolin Koch. Er gehört nicht zum Wahlkampfteam Albickers und hat bereits politische Debatten mit Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Parteien geleitet. Alle eingeladenen Kandidaten erhalten die gleichen Gesprächsbedingungen, Fragen und Möglichkeiten zur Darstellung ihrer Positionen.

Die inhaltlichen Themen wurden nicht aus einem Wahlprogramm übernommen. Sie stammen aus der sozialpolitischen Vorbereitung des ursprünglichen Palodiums und betreffen Herausforderungen, mit denen sich jeder künftige Oberbürgermeister auseinandersetzen muss.

Politische Haltung und ein faires Veranstaltungsformat sind kein Widerspruch. Entscheidend sind transparente Rollen, gleiche Bedingungen und eine Moderation, die kritische Nachfragen an alle Beteiligten richtet.

Zusammenarbeit bleibt notwendig

Die Landesarmutskonferenz und der Runde Tisch haben erklärt, sich derzeit nicht am Palodium 2.0 zu beteiligen. Das respektieren wir. Gleichzeitig richtet sich die neue Veranstaltung nicht gegen den Runden Tisch oder die Landesarmutskonferenz. Unsere Einladung, insbesondere zu den Themen Teilhabe und Wohnen inhaltliche Impulse beizutragen, bleibt bestehen.

Nach der Veranstaltung sollten wir gemeinsam darüber sprechen, wie Einladungen, Verantwortlichkeiten und politische Grenzen bei künftigen Kooperationen frühzeitig geklärt werden können. Dabei sollte es nicht um nachträgliche Schuldzuweisungen gehen, sondern um die Frage, was wir aus der Situation lernen können.

Gerade demokratische Kräfte dürfen sich nicht von der AfD zum Spielball einer dauerhaften Spaltung machen lassen. Zusammenhalt bedeutet allerdings nicht, Konflikte zu verschweigen oder politische Unterschiede einzuebnen. Er zeigt sich darin, ob wir unterschiedliche Entscheidungen aushalten und anschließend wieder miteinander arbeiten können.

Ein Platz für die Fragen, die sonst zu wenig gehört werden

Der Platz der Verfassungsfreunde ist mehr als ein kurzfristig gefundener Ersatzort. Er passt zu unserem Verständnis von Demokratie. Demokratie gehört nicht ausschließlich in Rathäuser, Sitzungssäle oder geschlossene Veranstaltungsräume. Sie gehört mitten in die Stadt – dorthin, wo Menschen einander begegnen, Fragen stellen, widersprechen und gemeinsam über ihre Zukunft sprechen können.

Deshalb laden wir alle Interessierten herzlich ein:

Palodium 2.0 – Soziale Fragen zur Offenburger OB-Wahl

Montag, 21. September 2026
Beginn: 19 Uhr
Platz der Verfassungsfreunde, Offenburg

Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Zum Foto: Die große Jurte der KfUTD bei der selbstorganisierten Einwohnerversammlung am 16. November 2024. Beim Palodium 2.0 soll sie auf dem Platz der Verfassungsfreunde erneut zum offenen Raum für Begegnung und demokratischen Austausch werden.

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