Mobilität ist mehr als die Frage, wie wir von A nach B kommen. Sie entscheidet darüber, ob Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Wer nicht mehr selbst Auto fährt, soll trotzdem Freunde besuchen, einkaufen, zum Arzt, ins Theater oder einfach in die Stadt fahren können. Gerade im Alter wird deshalb ein guter und bezahlbarer öffentlicher Nahverkehr zu einer Frage von Selbstständigkeit und Teilhabe.
Und der heutige Wunsch führt noch einen Schritt weiter: Wenn wir möchten, dass mehr Menschen Bus und Bahn nutzen und unsere Innenstadt besuchen, müssen Angebot, Erreichbarkeit und Preis gemeinsam gedacht werden.
Elisabeth Schappacher aus Ulm und Heike Treffinger aus Kork wünschen sich nach dem Vorbild Ungarns eine kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs für ältere Menschen, beispielsweise ab 65 Jahren. Denkbar wäre für sie außerdem ein Sammelbus, der ältere Menschen aus den umliegenden Gemeinden zum Einkaufen nach Offenburg bringt.
Damit verbinden sie einen zweiten Wunsch: Die Offenburger Innenstadt soll wieder vielfältiger werden und eine größere Bandbreite an Geschäften bieten.
In Offenburg gibt es bereits Vergünstigungen, allerdings keinen generell kostenlosen Nahverkehr für ältere Menschen. Das TGO-Senioren-Abo kostet derzeit 58,60 Euro monatlich. Für einkommensschwächere Offenburger ab 60 Jahren bietet der städtische Seniorenpass unter anderem fünf Punktekarten, 75 Euro Zuschuss zur Jahreskarte oder Taxi-Gutscheine. Ortenau Linie
Uli antwortet
Liebe Elisabeth, liebe Heike,
euer Wunsch verbindet für mich zwei Dinge, die wir viel häufiger zusammendenken sollten: Mobilität und Teilhabe.
Wer älter wird und vielleicht irgendwann nicht mehr selbst Auto fahren möchte oder kann, darf dadurch nicht Stück für Stück Bewegungsfreiheit verlieren. Gerade dann muss es möglich sein, unkompliziert zum Einkaufen, zum Arzt, zu Freunden oder zu einer Veranstaltung zu kommen.
Die Idee eines kostenlosen Nahverkehrs für ältere Menschen finde ich deshalb als politischen Vorschlag diskussionswürdig. Gleichzeitig müssen wir genau hinschauen, was eine solche Regelung kostet, wer sie finanzieren kann und ob eine pauschale Altersgrenze tatsächlich der sinnvollste Weg ist. Denn auch Menschen mit wenig Einkommen, Familien oder Jugendliche können auf günstige Mobilität angewiesen sein.
Für mich gehört deshalb zuerst eine grundsätzliche Frage auf den Tisch: Wie schaffen wir einen öffentlichen Nahverkehr, der so attraktiv, verlässlich und bezahlbar ist, dass Menschen ihn gerne nutzen?
Dazu gehört der Preis. Aber genauso wichtig sind Taktung, gute Anschlüsse, barrierefreie Haltestellen und Verbindungen, die auch abends und am Wochenende funktionieren. Ein kostenloser Bus, der nicht fährt, wenn man ihn braucht, hilft schließlich wenig.
Spannend finde ich auch euren Gedanken, die umliegenden Gemeinden stärker mit Offenburg zu verbinden. Denn eine lebendige Innenstadt braucht Menschen. Wer bequem mit Bus oder Bahn nach Offenburg kommen kann, hier einkauft, einen Kaffee trinkt oder Kultur besucht, trägt auch zur Lebendigkeit der Innenstadt bei.
Dabei kann die Stadt vieles nicht alleine entscheiden. Der öffentliche Nahverkehr ist in ein regionales Verkehrs- und Tarifsystem eingebunden. Gerade deshalb sehe ich die Aufgabe eines Oberbürgermeisters darin, solche Ideen nicht mit einem Hinweis auf Zuständigkeiten abzulegen, sondern sie gemeinsam mit Landkreis, Verkehrsverbund und Nachbarkommunen voranzubringen.
Mein Ziel ist ein Offenburg, in dem Mobilität auch im Alter selbstverständlich bleibt und gesellschaftliche Teilhabe nicht davon abhängt, ob jemand ein Auto besitzt. Gleichzeitig sollten wir Mobilität stärker als Teil einer lebendigen Innenstadt begreifen: Je einfacher Menschen aus Offenburg und der Region zu uns kommen, desto mehr Begegnung, Handel, Gastronomie und Leben können hier entstehen.
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