Zu sehen ist ein Spielplatz mit Rutschen und Klettergeräten auf Sand. Im Vordergrund ist ein rotes Graffiti auf dem Pflaster zu sehen, auf dem „82 °C“ steht, was auf die Oberflächentemperatur in der Sonne hindeutet. Im Hintergrund spenden Bäume etwas Schatten.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International

62,8 Grad auf der Rutsche – und warum ein Sonnensegel allein nicht reicht

Gestern war der heißeste Tag des Jahres. Und das bereits Ende Juni. Vielleicht sogar der heißeste Tag, den Offenburg jemals erlebt hat.

Ich wollte wissen, was das für Kinder bedeutet. Deshalb habe ich auf dem Spielplatz an der Dreifaltigkeitskirche die Oberflächentemperaturen der Spielgeräte gemessen.

Das Ergebnis hat mich trotz aller Erwartungen erschreckt.

Die Kletterwand erreichte 62,8 °C, die Rutsche 60,2 °C.

Dabei gehört dieser Spielplatz sogar zu den besseren in Offenburg. Große Bäume spenden viel Schatten und machen den Aufenthalt angenehm. Nur die Spielgeräte selbst liegen zeitweise in der direkten Sonne – und genau dort entstehen Temperaturen, bei denen sich Kinder innerhalb kürzester Zeit verbrennen können.

Eine Hand hält ein Infrarot-Thermometer, das 62,8 °C anzeigt, vor einer grauen Metallkletteranlage mit Haltegriffen auf einem Spielplatz. Im Hintergrund sind Sand und Spielgeräte zu sehen.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International

Natürlich wäre es sinnvoll, Spielgeräte besser zu beschatten. Doch während ich die Temperaturen dokumentierte, wurde mir etwas anderes klar.

Ein Sonnensegel allein wird das Problem nicht lösen.

Denn was nützt der schönste Spielplatz, wenn Kinder bei 38 oder 40 Grad Außentemperatur am Nachmittag gar nicht mehr nach draußen können?

Genau hier zeigt sich die Grenze der Klimaanpassung.

Ja, wir brauchen mehr Bäume. Wir brauchen entsiegelte Flächen, schattige Wege, kühlere Plätze und Spielplätze, die auch an heißen Tagen nutzbar bleiben. All das macht unsere Städte lebenswerter und schützt insbesondere Kinder, ältere Menschen und gesundheitlich belastete Personen.

Aber Klimaanpassung kann den Klimawandel nicht wegplanen.

An einem sonnigen Tag hält eine Hand ein Infrarot-Thermometer, das eine Temperatur von 60,2 °C anzeigt, vor eine blaue Spielplatzrutsche aus Kunststoff.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International

Je stärker sich unser Klima erwärmt, desto kleiner werden die Zeitfenster, in denen das Leben im Freien überhaupt noch angenehm oder sogar gesundheitlich unbedenklich ist. Irgendwann reicht selbst der beste Schatten nicht mehr aus.

Deshalb dürfen wir Klimaanpassung und Klimaschutz niemals gegeneinander ausspielen.

Klimaanpassung hilft uns, mit den Folgen umzugehen.

Klimaschutz entscheidet darüber, wie groß diese Folgen überhaupt werden.

Die 62,8 Grad auf dem Spielgerät sind deshalb mehr als eine Messung. Sie sind ein Warnsignal. Sie zeigen, dass der Klimawandel längst nicht mehr nur in wissenschaftlichen Berichten stattfindet. Er ist auf unseren Spielplätzen angekommen.

Unsere Forderung ist deshalb zweigeteilt:

Offenburg muss seine öffentlichen Räume konsequent an Hitze anpassen. Dazu gehören beschattete Spielplätze, mehr Stadtbäume, weniger Versiegelung und ein durchgängiges Netz kühler Aufenthaltsorte.

Gleichzeitig dürfen wir uns nicht der Illusion hingeben, wir könnten uns an jede weitere Erwärmung einfach anpassen. Jede vermiedene Tonne CO₂ ist auch ein Beitrag dazu, dass unsere Kinder ihre Stadt künftig noch draußen erleben können – und nicht nur hinter geschlossenen Fenstern.

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