Große Bäume erhalten, Stadtgrün bei Straßenplanungen von Anfang an berücksichtigen und leere Baumquartiere bepflanzen: Tobias Benz hat auf unsere Fragen zum Baumschutz in Offenburg geantwortet. Seine Nachricht enthält konkrete Ansätze. Bei der Finanzierung, überprüfbaren Zielen und einer Baumschutz- und Baumfördersatzung bleiben allerdings wesentliche Fragen offen.
Wir haben Tobias Benz gefragt, wie er den Baumerhalt und die Begrünung in Offenburg voranbringen möchte. Seine Antwort nehmen wir als Grundlage für die weitere öffentliche Diskussion. Denn entscheidend ist, welche seiner Aussagen künftig in verbindliche Entscheidungen und konkrete Maßnahmen übersetzt werden.
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ToggleBaumerhalt kann bedeuten, auf Parkplätze zu verzichten
Der konkreteste Teil seiner Antwort ist ein Beispiel aus seiner bisherigen Tätigkeit als Bürgermeister in Grenzach-Wyhlen. Nach seiner Darstellung sollten im Hornacker-Quartier sechs alte Kastanien einer Parkplatzplanung weichen. Die Planung wurde geändert, vier Stellplätze entfielen, die Bäume blieben erhalten.
Das ist ein Beispiel für eine politische Abwägung zugunsten bestehender Bäume. Benz formuliert daraus einen Grundsatz, den er auch in Offenburg verfolgen möchte: zuerst Alternativen suchen und prüfen, ob eine Planung verändert werden kann, um wertvollen Baumbestand zu erhalten.
Diesen Ansatz begrüßen wir. Verbindlich wird er allerdings erst, wenn solche Prüfungen zum nachvollziehbaren Bestandteil der Planung werden. Welche Alternativen wurden untersucht? Warum wurden sie verworfen oder ausgewählt? Und welches Gewicht erhält der Baumerhalt gegenüber anderen Anforderungen?
Die Zusage, Alternativen zu prüfen, ist ein wichtiger Ausgangspunkt. Ein grundsätzlicher Vorrang des Baumerhalts ist damit noch nicht zugesichert.
Bäume brauchen von Anfang an Platz
Klar positioniert sich Benz auch bei neuen Straßen und Sanierungen: Stadtgrün soll von Beginn an mitgeplant werden. Er nennt ausreichenden Wurzelraum, gesicherte Wasserversorgung und gute Voraussetzungen für die langfristige Entwicklung. Bäume sollen nicht lediglich die Flächen bekommen, die nach allen anderen Planungen übrig bleiben.
Daran lässt sich anknüpfen. Für uns gehört dazu, diese Anforderungen in konkreten Planungsstandards, Budgets und der späteren Pflege abzusichern. Entscheidend ist nicht allein, wie viele Bäume eingezeichnet oder gepflanzt werden, sondern ob sie sich am jeweiligen Standort dauerhaft entwickeln können.
Ein Sofortprogramm braucht Zahlen, Geld und einen Zeitplan
Für die leeren Baumquartiere kündigt Benz ein „Sofortprogramm“ an. Für 2027 möchte er möglichst viele dieser Standorte bepflanzen. Gleichzeitig verweist er auf die Prüfung der Haushaltsmittel und die Priorisierung im nächsten Doppelhaushalt.
Damit ist eine Richtung benannt, aber noch kein finanziell gesichertes Programm. „So viele wie möglich“ bleibt ohne Bestandsaufnahme und Zielzahl schwer überprüfbar.
Aus unserer Sicht braucht es deshalb eine öffentliche Übersicht: Wie viele Baumquartiere stehen leer? Welche können unmittelbar bepflanzt werden, welche müssen zunächst verbessert werden? Welche Pflanzungen werden für 2027 verbindlich eingeplant, und welche Mittel stehen für Pflanzung und Pflege zur Verfügung?
Benz verweist dabei auf den Pflanzzeitpunkt im Herbst. Unabhängig vom konkreten Pflanztermin können Bestandsaufnahme, Planung und Finanzierung bereits vorher angegangen werden. Daran müsste sich der Anspruch eines Sofortprogramms messen lassen.
Bei der Baumschutzsatzung bleibt das Ergebnis offen
Zur Baumschutz- und Baumfördersatzung kündigt Benz zunächst eine Untersuchung unterschiedlicher kommunaler Modelle, ihrer Erfahrungen und der rechtlichen Spielräume an. Anschließend möchte er einen Beratungsprozess mit Gemeinderat, Ortschaftsräten, Bürgergemeinschaften und Bürgerschaft beginnen.
Eine solche Beteiligung begrüßen wir. Sie kann helfen, Schutz, Förderung und praktische Umsetzung gemeinsam zu gestalten. Allerdings enthält seine Antwort keine ausdrückliche Zusage, eine Baumschutz- und Baumfördersatzung einzuführen. Auch ein Zeitplan fehlt.
Benz schreibt abschließend, entscheidend sei nicht eine einzelne Satzung, sondern das tatsächliche Vorankommen bei Baumerhalt und Begrünung. Die Ergebnisse sind auch für uns der Maßstab. Eine Satzung kann jedoch ein wichtiges Instrument sein, um Baumschutz dauerhaft und nachvollziehbar zu regeln. Praktische Maßnahmen und verbindliche Regeln ergänzen sich.
Wir werden an diesen Aussagen anknüpfen
Wir begrüßen, dass Tobias Benz sich ausführlich mit unseren Fragen auseinandersetzt und den Dialog nach der Wahl fortsetzen möchte. Seine Antwort enthält Positionen, auf die wir zurückkommen werden: Planungen zugunsten alter Bäume verändern, Stadtgrün frühzeitig berücksichtigen und leere Baumquartiere wieder bepflanzen.
Zugleich werden wir nachfragen, wo bislang Absichten stehen: nach konkreten Zielen, gesicherter Finanzierung, verbindlichen Verfahren und einem Zeitplan für die Beratung einer Baumschutz- und Baumfördersatzung.
Unser Maßstab für die künftige Stadtspitze bleibt unabhängig vom Wahlausgang derselbe: Welche Bäume werden erhalten? Welche Standorte werden dauerhaft begrünt? Und welche Regeln sorgen dafür, dass Baumschutz bei der nächsten schwierigen Entscheidung tatsächlich Gewicht hat?
Die Antwort von Tobias Benz im Wortlaut
Die Absatzgestaltung wurde für die Lesbarkeit angepasst.
Lieber Herr Fröhlich,
vielen Dank für Ihre ausführliche Nachricht und die konkreten Fragen. Das Thema Baumschutz und Begrünung liegt mir sehr am Herzen. Ich bin überzeugt, dass wir gerade mit Blick auf zunehmende Hitze in der Stadt mehr für den Erhalt bestehender Bäume und für zusätzliches Stadtgrün tun müssen – in der Kernstadt genauso wie in den Ortsteilen.
Beim Erhalt großer Bäume bin ich ganz bei Ihnen. So arbeite ich auch jetzt schon als Bürgermeister. Ein gutes Beispiel ist die Erschließungsstraße im Hornacker-Quartier: Dort gab es eine Planung aus den 1990er-Jahren, nach der sechs alte Kastanienbäume Parkplätzen weichen sollten. Wir haben die Planung nochmals auf den Prüfstand gestellt und – auch gegen Widerstände – geändert. Die Parkplätze wurden entlang der Straße angeordnet. Dafür sind vier Stellplätze weggefallen, die Bäume konnten aber erhalten werden. Genau diesen Grundsatz möchte ich auch in Offenburg verfolgen: Erst nach Alternativen suchen und prüfen, ob eine Planung so verändert werden kann, dass wertvoller Baumbestand erhalten bleibt.
Auch bei neuen Straßen und bei Sanierungen muss Stadtgrün von Anfang an konsequent mitgeplant und umgesetzt werden. Wenn Bäume vorgesehen sind, brauchen sie ausreichend Wurzelraum, eine gesicherte Wasserversorgung und gute Voraussetzungen für eine langfristige Entwicklung. Sie dürfen nicht am Ende nur dort Platz bekommen, wo nach allen anderen Anforderungen noch etwas übrig ist.
Bei der Steinstraße zeigt sich aus meiner Sicht, dass es dabei auch auf die Qualität der Gestaltung ankommt. Dort wurden zwar zusätzliche Bäume gepflanzt, die Baumscheiben aber nicht mit Stauden oder anderer Unterpflanzung gestaltet. Das würde ich künftig anders lösen. Auch bei der Neugestaltung des Stadtbuckels müssen wir aus meiner Sicht von Beginn an eine bessere und durchgängige Begrünung mitdenken.
Die derzeit leeren Baumquartiere müssen wir im Rahmen eines Sofortprogramms angehen. Der optimale Pflanzzeitpunkt ist allerdings Oktober/November. Eine Pflanzung im Frühjahr ist angesichts der dann bereits näher rückenden Sommersaison schwieriger. Für 2027 möchte ich deshalb so viele der vorhandenen leeren Quartiere wie möglich bepflanzen. Dafür müssen wir die erforderlichen Haushaltsmittel prüfen und das Thema für den nächsten Doppelhaushalt entsprechend priorisieren und mit den notwendigen Mitteln hinterlegen. Dabei möchte ich ausdrücklich auch die Ortsteile einbeziehen. Aus den Ortschaftsräten gibt es bereits viele gute Ideen für zusätzliche Begrünung und Baumpflanzungen. Diese sollten wir aufgreifen und gemeinsam umsetzen.
Zur Frage einer Baumschutz- und Baumfördersatzung: Mit diesem Thema beschäftige ich mich auch in meiner bisherigen Tätigkeit in Grenzach-Wyhlen. Ich halte es für wichtig, hier zunächst sauber aufzuarbeiten, welche unterschiedlichen Modelle andere Kommunen verfolgen, welche Erfahrungen damit gemacht wurden und welche rechtlichen Spielräume die Stadt überhaupt hat. Darauf aufbauend würde ich einen gemeinsamen Beratungsprozess starten – mit dem Gemeinderat, den Ortschaftsräten und den Bürgergemeinschaften und unter Einbindung der Bürgerschaft. Diese breite Diskussion halte ich für wichtig, weil sie bei einer solchen Regelung bislang aus meiner Sicht nicht ausreichend stattgefunden hat. Ich bin überzeugt, dass wir auf diesem Weg eine gute und tragfähige Lösung für die gesamte Stadt Offenburg entwickeln können.
Ja, ich bin bereit, mich auf diese Ziele festzulegen und mich für deren Umsetzung einzusetzen. Entscheidend ist am Ende aber nicht eine einzelne Satzung, sondern dass wir beim Thema Baumerhalt, Baumpflanzungen und Begrünung tatsächlich vorankommen.
Vielen Dank nochmals für Ihre konkreten Anregungen und den konstruktiven Austausch. Ich freue mich, wenn wir diesen Dialog auch nach der Wahl fortsetzen können.
Herzliche Grüße
Tobias Benz
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