Auf einer sonnigen Straße versammelt sich eine Menschenmenge zu einer Pride-Veranstaltung. Die Menschen tragen bunte Kleidung und halten Regenbogen- und Pride-Fahnen in den Händen. In der Mitte steht ein Fahrradanhänger mit einem Sonnenschirm, und einige Leute unterhalten sich und lächeln.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International

CSD Offenburg: Sichtbar, bunt und solidarisch

Manchmal braucht Demokratie keine großen Worte. Manchmal reicht ein Lastenrad, ein Sonnenschirm, ein Anhänger voller Wassereis und Menschen, die gemeinsam auf die Straße gehen.

Beim CSD in Offenburg war genau das zu spüren: Diese Stadt kann bunt sein. Laut. Warmherzig. Widerspenstig. Und sie kann zeigen, dass Vielfalt nicht irgendwo weit weg verhandelt wird, sondern mitten auf unseren Straßen, zwischen Rathaus, Innenstadt, Kopfsteinpflaster, Schattenplätzen und heißem Asphalt.

Der Christopher Street Day ist dabei weit mehr als ein fröhlicher Umzug. Natürlich: Es gab Fahnen, Musik, Glitzer, Lachen, Plakate, Fächer gegen die Hitze und viele Menschen, die mit sichtbarer Freude dabei waren. Aber unter dieser Leichtigkeit liegt ein ernstes Fundament. Der CSD erinnert daran, dass Rechte erkämpft wurden. Dass sie verteidigt werden müssen. Und dass queeres Leben nicht geduldet, sondern selbstverständlich geschützt und respektiert werden muss.

Eine Gruppe von Menschen marschiert bei einer Pride-Parade mit bunten Schildern, darunter eines, auf dem ein Mann im Anzug zu sehen ist, über dem die Aufschrift „Sashay away from our queer rights“ steht. Eine Person hält einen Regenbogenfächer in der Hand, eine andere einen Regenschirm, der wie ein Fisch verziert ist.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International

Gerade in einer Zeit, in der rechte Parolen wieder lauter werden, in der Menschen gegeneinander ausgespielt werden und in der Minderheiten erneut zur Zielscheibe politischer Stimmungsmache werden, ist ein CSD kein nettes Kulturprogramm. Er ist ein demokratisches Zeichen.

Offenburg hat dieses Zeichen gesehen.

Menschen gingen gemeinsam durch die Stadt. Manche mit großen Bannern, manche mit selbstgemalten Schildern, manche einfach nur mit einer Regenbogenfahne über den Schultern. Es waren junge Menschen dabei, ältere Menschen, Familien, Freundeskreise, Initiativen, Vereine, Gewerkschaften und viele, die vielleicht einfach nur da waren, weil sie verstanden haben: Freiheit ist nicht teilbar.

Wer will, dass Menschen sicher leben können, muss auch sichtbar an ihrer Seite stehen.

Die KfUTD war mit dem mobilen Infostand dabei: Lastenrad, Anhänger, Sonnenschirm, Musik vom Stadtstaub Kollektiv und kostenloses Eis, solange der Vorrat reichte. Das war bewusst niedrigschwellig. Kein schwerer Infostand, keine langen Vorträge, keine große Bühne. Einfach ein kleiner Ort zum Anhalten, Lächeln, Abkühlen, ins Gespräch kommen.

Und vielleicht passt genau das ziemlich gut zu diesem Tag. Denn eine offene Stadt entsteht nicht nur in Sitzungssälen und Leitbildern. Sie entsteht dort, wo Menschen sich begegnen. Wo jemand ein Eis bekommt. Wo Musik läuft. Wo ein Schild sagt: „Für eine bunte vielfältige Welt.“ Wo klar wird: Du bist hier nicht falsch. Du gehörst dazu.

Natürlich war es heiß. Sehr heiß sogar. Auch das gehörte zu diesem CSD. Schatten wurde gesucht, Wasserflaschen wurden herumgetragen, Fächer waren plötzlich nicht nur Accessoire, sondern notwendige Ausrüstung. Der Tag zeigte damit nebenbei auch, wie sehr öffentliche Räume unter Druck geraten. Wer demonstriert, feiert, arbeitet, begleitet oder einfach nur da ist, spürt die Klimakrise längst ganz konkret auf der Haut.

Ein Fahrradwagen mit einem großen, orange gestreiften Sonnenschirm verkauft bunte Eis am Stiel, die mit farbenfrohen Plakaten verziert sind. Bei einer Veranstaltung im Freien versammeln sich die Menschen in der Nähe unter Bäumen und einem blauen Banner.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International

Eine Stadt, die offen sein will, muss deshalb auch eine Stadt sein, in der Menschen sich aufhalten können. Mit Schatten. Mit Wasser. Mit Sitzgelegenheiten. Mit sicheren Wegen. Mit Platz für Begegnung und Protest. Klimaanpassung und soziale Gerechtigkeit gehören zusammen. Auch das war an diesem Tag sichtbar.

Der CSD Offenburg war schön, weil er fröhlich war. Aber er war vor allem wichtig, weil er Haltung gezeigt hat.

Für queere Rechte. Für Solidarität. Für eine Stadt, in der Vielfalt nicht als Bedrohung behandelt wird, sondern als Stärke. Für eine Demokratie, die nicht erst dann aufsteht, wenn es zu spät ist.

Danke an alle, die diesen Tag organisiert, getragen, begleitet und möglich gemacht haben. Danke an alle, die sichtbar waren. Und danke an alle, die dafür sorgen, dass Offenburg ein Stück bunter, wärmer und mutiger wird.

Denn am Ende bleibt eine einfache Botschaft:

Eine freie Stadt erkennt man daran, wie sicher sich die Menschen fühlen, die nicht der Norm entsprechen.
Und genau deshalb braucht Offenburg den CSD. Nicht als Ausnahme. Sondern als festen Teil einer lebendigen, solidarischen Stadtgesellschaft.

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