Wie stellen sich junge Menschen das Offenburg der Zukunft vor? Diese Frage ist für eine Oberbürgermeisterwahl wichtiger, als sie auf den ersten Blick erscheint. Denn wer heute 20 oder 25 Jahre alt ist, wird unsere Stadt noch viele Jahrzehnte prägen. Ob Menschen bleiben, wegziehen oder später zurückkehren, hängt nicht nur von Arbeitsplätzen oder Wohnraum ab. Es hängt auch davon ab, ob Offenburg als lebenswerte Stadt wahrgenommen wird.
In der aktuellen Serie des Offenburger Tageblatts äußern Bürgerinnen und Bürger ihre Wünsche an den künftigen Oberbürgermeister. Ein junger Offenburger spricht dabei einen Punkt an, den viele seiner Generation teilen dürften: Er wünscht sich mehr Möglichkeiten, sich in der Stadt zu treffen, gemeinsam Zeit zu verbringen und das öffentliche Leben auch in den Abendstunden zu genießen.
Dieser Wunsch geht weit über das Nachtleben hinaus. Er berührt die grundsätzliche Frage, wem unsere Stadt eigentlich gehört und wie wir ihre öffentlichen Räume gestalten wollen. Sind Plätze nur Durchgangsorte? Oder werden sie zu Orten der Begegnung, der Kultur und des Miteinanders?
Uli antwortet
Lieber Julian,
du sprichst ein Thema an, das oft unterschätzt wird. Eine Stadt ist mehr als ihre Straßen, ihre Gebäude oder ihre Geschäfte. Sie ist vor allem ein Ort, an dem Menschen gerne zusammenkommen.
Gerade junge Erwachsene brauchen öffentliche Räume, die zum Verweilen einladen – unabhängig davon, ob man Geld ausgeben möchte oder nicht. Eine attraktive Innenstadt lebt von Begegnungen, Kultur und einer Atmosphäre, in der man sich willkommen fühlt.
Dabei verändert der Klimawandel die Anforderungen an unsere Stadt grundlegend. Wenn Sommerabende immer heißer werden, reicht es nicht, einfach mehr Veranstaltungen zu organisieren. Wir brauchen Plätze, die auch bei hohen Temperaturen angenehm bleiben. Große Bäume, Schatten und begrünte Aufenthaltsbereiche werden damit zu einem wichtigen Teil der Lebensqualität.
Ich sehe darin keinen Widerspruch. Im Gegenteil: Eine grünere Stadt ist gleichzeitig eine lebendigere Stadt. Wo Menschen gerne sitzen, reden, Musik hören oder gemeinsam Zeit verbringen, entsteht das, was eine Innenstadt eigentlich ausmacht.
Auch der Bürgerpark bietet hierfür Chancen. Solche Orte sollten wir gemeinsam mit den Menschen weiterentwickeln, die sie nutzen – insbesondere mit jungen Offenburgerinnen und Offenburgern. Gute Stadtentwicklung entsteht nicht hinter verschlossenen Türen, sondern im Dialog.
Mir ist dabei noch ein weiterer Punkt wichtig: Junge Menschen sollten nicht nur gefragt werden, wenn ein Spielplatz gebaut oder ein Jugendhaus geplant wird. Sie sollten mitreden können, wenn es um die Zukunft unserer Stadt geht – um Mobilität, Klimaanpassung, Kultur oder die Gestaltung öffentlicher Räume. Wer früh Verantwortung übernehmen darf, entwickelt auch eine stärkere Bindung an seine Stadt.
Natürlich braucht eine lebendige Innenstadt gegenseitige Rücksichtnahme. Wer dort wohnt, hat Anspruch auf Ruhe. Wer dort seine Freizeit verbringt, möchte sich willkommen fühlen. Beides lässt sich miteinander verbinden, wenn man miteinander spricht und gemeinsam Lösungen entwickelt, anstatt sich gegenseitig auszuspielen.
Mein Ziel ist eine Stadt, in der sich alle Generationen wiederfinden – mit attraktiven öffentlichen Räumen, mehr Grün, einem angenehmen Stadtklima und einer Innenstadt, die zum Leben einlädt. Eine Stadt, die nicht nur funktioniert, sondern begeistert.
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