Eine Gruppe von Menschen sitzt um einen langen Tisch in einem gemütlichen, unordentlichen Raum und unterhält sich. An den Wänden stehen Regale mit Kisten und Papieren, und einige Leute halten Papiere in der Hand oder benutzen Telefone. Warme Innenraumbeleuchtung.

Flugplatz Offenburg – Miteinander reden, bevor entschieden wird

Akteur:innen treffen sich zum Austausch über die Zukunft des Flugplatzes. Am Montagabend haben sich zahlreiche Akteur:innen aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen zum Thema Bürgerentscheid Flugplatz Offenburg getroffen: Umweltverbände, Initiativen, die Fliegergruppe, politisch Engagierte und Stadtentwicklungs-Aktive. Der Ort war eng, die Zeit knapp – aber der Wille zum ernsthaften Austausch war spürbar.

Dieses Treffen war kein PR-Termin und keine Einheitsfront. Es war der bewusste Versuch, miteinander zu sprechen, bevor über die Köpfe vieler hinweg Fakten geschaffen werden.

Unterschiedliche Interessen – ein gemeinsamer Ausgangspunkt

Die Beteiligten kamen mit sehr verschiedenen Blickwinkeln: Naturschutz, Klimaresilienz, Jugend- und Vereinsarbeit, Infrastruktur, Stadtentwicklung, soziale Fragen. Diese Unterschiede wurden nicht glattgebügelt – im Gegenteil: Sie wurden offen benannt.

Und trotzdem zeigte sich schnell eine gemeinsame Linie:
Die bisherige Informationslage rund um den geplanten Umgang mit dem Flugplatz wird von vielen als einseitig und unvollständig wahrgenommen. Zweifel an der behaupteten Alternativlosigkeit, an Gutachten-Lesarten und an der frühen Vorfestlegung durch die Verwaltung wurden klar formuliert.

Natur, Klima, Stadt – mehr als eine Flächenfrage

Ein zentrales Thema war die ökologische Bedeutung des Flugplatzgeländes: als Kaltluftentstehungsgebiet, als Lebensraum mit hoher Biodiversität, als Freifläche mit Bedeutung für das Stadtklima. Ebenso deutlich wurde aber auch:
Stadtentwicklung ist keine rein ökologische Frage. Mehr Gewerbeflächen bedeuten nicht automatisch soziale Sicherheit – sie erhöhen auch den Druck auf den Wohnungsmarkt und verschärfen bestehende Ungleichheiten.

Die Diskussion machte deutlich, wie verkürzt die öffentliche Debatte bislang geführt wird. Es geht nicht um „Wirtschaft oder Natur“, sondern um welche Stadt wir sein wollen.

Differenzen aushalten – statt sie zu verschweigen

Natürlich gab es auch Reibungspunkte, etwa beim Thema Flugbetrieb und Klimawirkung. Diese wurden nicht aufgelöst – aber respektvoll diskutiert. Genau darin lag die Stärke des Abends:
Unterschiede wurden nicht als Störung empfunden, sondern als Realität, mit der demokratisch umgegangen werden muss.

Öffentlichkeit herstellen – jenseits der eigenen Blasen

Ein zentrales Ergebnis des Treffens: Der gemeinsame Wille, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Viele Gruppen berichteten von Schwierigkeiten, ihre Positionen in klassischen Medien unterzubringen. Deshalb wurden konkrete Ideen gesammelt: eigene Veranstaltungen, neue Kommunikationswege, gegenseitige Unterstützung bei Veröffentlichungen.

Einigkeit bestand darin, dass der kommende Bürgerentscheid nur dann fair sein kann, wenn Bürger:innen Zugang zu mehreren Perspektiven haben – nicht nur zu einer offiziellen Erzählung.

Wie geht es weiter?

Das Treffen war ein Anfang. Weitere Abstimmungen sind geplant, ebenso öffentliche Aktionen und Informationsveranstaltungen. Wichtig ist: Nicht alles muss gemeinsam gesagt oder getan werden. Aber dort, wo sich Positionen überschneiden – bei Transparenz, demokratischen Spielregeln, Schutz von Natur- und Freiflächen – kann und sollte gemeinsam gehandelt werden.

Der Abend hat gezeigt:
Demokratie beginnt nicht mit dem Kreuz auf dem Stimmzettel, sondern mit dem Gespräch davor.

Wir bleiben dran.

Loading

Facebook
LinkedIn
Threads
WhatsApp

Schreibe einen Kommentar


Der Zeitraum für die reCAPTCHA-Überprüfung ist abgelaufen. Bitte laden Sie die Seite neu.