An den Bäumen entlang eines nassen städtischen Gehwegs hängen rote, herzförmige Schilder mit der Aufschrift „42 °C“. Geschäfte und Gebäude säumen die Straße. Die Szene wirkt ruhig, es sind keine Fußgänger zu sehen.

Gute Projekte allein werden Offenburg nicht kühlen

Heute berichtet die Badische Zeitung ausführlich über die Frage: Wie kühlt man eine Stadt?

Wir freuen uns darüber. Noch vor wenigen Jahren war Klimaanpassung in Offenburg kaum ein öffentliches Thema. Heute wird offen darüber diskutiert, wie unsere Stadt mit immer häufigeren Hitzewellen umgehen kann. Das ist ein wichtiger Fortschritt.

Auch im Artikel wird deutlich: Große Bäume sind der wirksamste natürliche Hitzeschutz einer Stadt. Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung und verbessern die Aufenthaltsqualität. Darüber besteht inzwischen weitgehend Einigkeit.

Und dennoch bleibt bei uns ein zwiespältiges Gefühl zurück.

Denn während über Miniwälder, klimaresistente Baumarten und neue Projekte gesprochen wird, verlieren wir gleichzeitig genau jene großen Bäume, die heute bereits ihre volle Kühlwirkung entfalten.

Die neun Platanen in der Fischerstraße sind dafür nur das aktuellste Beispiel. Auch an anderen Stellen in Offenburg wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche große Bäume gefällt oder stehen weiterhin zur Diskussion.

Das eigentliche Problem besteht deshalb nicht darin, dass Offenburg keine Ideen hätte.

Das Problem ist, dass gute neue Projekte und der Verlust alter Baumsubstanz gleichzeitig stattfinden.

Ein neu gepflanzter Baum ersetzt die Kühlleistung einer jahrzehntealten Platane nicht innerhalb weniger Jahre. Selbst wenn heute tausend neue Bäume gepflanzt würden, würden viele von ihnen erst in mehreren Jahrzehnten den gleichen Beitrag zur Kühlung leisten. Manche werden die zunehmenden Trockenperioden vielleicht gar nicht überstehen.

Gerade dieser Sommer zeigt, wie ernst die Lage geworden ist. Wochenlange Trockenheit und wiederkehrende Hitze setzen den Stadtbäumen erheblich zu. Noch wissen wir gar nicht, wie viele Bäume diesen Sommer dauerhaft geschädigt wurden. Ebenso wenig wissen wir, wie viele der Jungbäume aus den vergangenen Pflanzaktionen ihr erstes Jahr überhaupt überleben werden.

Deshalb reicht es aus unserer Sicht nicht mehr aus, über einzelne Projekte zu sprechen.

Wir müssen anfangen, den Erfolg der Klimaanpassung messbar zu machen.

  • Hat die Kronenfläche in Offenburg insgesamt zugenommen oder abgenommen?
  • Wie viele große Bäume gehen jedes Jahr verloren?
  • Wie viele Neupflanzungen überleben die ersten drei Jahre?
  • Verbessert sich die Beschattung unserer Stadtteile tatsächlich?
  • Werden Straßen und Plätze messbar kühler?

Solange wir diese Fragen nicht beantworten, wissen wir zwar, was gebaut wurde – aber nicht, ob Offenburg tatsächlich widerstandsfähiger gegen Hitze wird.

Die Klimaanpassung entscheidet sich nicht in Broschüren oder Konzeptpapieren. Sie entscheidet sich draußen auf unseren Straßen, unter unseren Bäumen und an den Temperaturen, die wir in den kommenden Sommern tatsächlich messen.

Wir wünschen uns deshalb, dass die Diskussion jetzt den nächsten Schritt macht: Weg von einzelnen Projekten – hin zu einer ehrlichen Bilanz darüber, ob Offenburg insgesamt grüner, schattiger und lebenswerter wird.

Denn genau daran wird sich der Erfolg der Klimaanpassung am Ende messen lassen.

Als wir gemeinsam mit dem Journalisten durch Offenburg gegangen sind, haben wir nicht nur gelungene Projekte gezeigt. Wir wollten auch sichtbar machen, wo die größten Widersprüche liegen – zwischen dem Wissen um die Bedeutung großer Bäume und den Entscheidungen, die noch immer zu ihrem Verlust führen. Vielleicht ist genau das die Diskussion, die Offenburg jetzt führen muss.

Siehe auch

  • https://www.badische-zeitung.de/nach-dem-letzten-platz-im-klima-ranking-so-sollen-baeume-offenburg-gegen-die-hitze-schuetzen

Bildquellen

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