Benz und Christ stehen in der Stichwahl. Auf den ersten Blick scheint die Offenburger Oberbürgermeisterwahl damit eine vertraute Geschichte zu erzählen: Die beiden Kandidaten mit der Unterstützung der großen Parteien setzen sich durch. Doch der Vergleich mit 2018 zeigt eine deutliche Verschiebung. Ein erheblich größerer Teil der Wählenden hat sich diesmal für andere Bewerber entschieden.
2018 erhielt der CDU-Kandidat Marco Steffens 51,96 Prozent. Harald Rau, unterstützt von SPD und Grünen, erreichte 32,87 Prozent. Zusammen vereinten beide damit knapp 85 Prozent der gültigen Stimmen auf sich. Für das übrige Bewerberfeld einschließlich sonstiger Stimmen blieben rund 15,2 Prozent.
2026 kommen Tobias Benz und Julian Christ nach dem vorläufigen Ergebnis gemeinsam auf rund 72,6 Prozent. Rund 27,4 Prozent entfallen auf die übrigen Kandidierenden und sonstigen Stimmen. Der Anteil außerhalb der beiden großen Kandidaturen ist damit um gut zwölf Prozentpunkte gestiegen.
Das ist ein Befund, der in der Konzentration auf die beiden Erstplatzierten leicht untergeht: Mehr als jede vierte gültige Stimme ging an eine andere Bewerbung.
Natürlich ist eine Oberbürgermeisterwahl eine Personenwahl. Andere Kandidaten, andere Lebensläufe und ein größeres Bewerberfeld beeinflussen das Ergebnis. Aus dem Vergleich lässt sich keine genaue Wählerwanderung ableiten. Er zeigt aber, dass die beiden großen, parteigestützten Kandidaturen diesmal einen deutlich kleineren Teil der Stimmen bündeln konnten.
Ist Offenburg also nicht bereit für Veränderung? So einfach ist es offenbar nicht. Das Ergebnis lässt sich durchaus als Hinweis darauf lesen, dass ein wachsender Teil der Wählenden nach anderen politischen Angeboten sucht. Ob dahinter Unzufriedenheit, bestimmte Themen, persönliche Überzeugung oder der Wunsch nach einem anderen Politikstil stehen, lässt sich aus den Zahlen allein nicht erkennen.
Ebenso wenig bilden Uli Albicker, Fritz Düker und Okan Altun ein gemeinsames Lager. Wer Uli wegen Bürgerbeteiligung, Klimaanpassung und sozialer Gerechtigkeit gewählt hat, verfolgt damit nicht automatisch dieselben Ziele wie jemand, der sich für den von der AfD unterstützten Düker entschieden hat. Veränderung hat eine Richtung. Und über diese Richtung bestehen erhebliche Unterschiede.
Für uns als KfUTD gehört deshalb beides zur ehrlichen Bilanz: Uli hat nicht die Unterstützung erreicht, die wir uns erhofft hatten. Daraus folgt aber keine pauschale Absage der Stadt an Veränderung. Gleichzeitig dürfen wir die Stimmen für andere Bewerber nicht für unsere eigenen Anliegen vereinnahmen.
Die beiden großen Kandidaturen dominieren weiterhin. Ihre Unterstützung ist gegenüber 2018 jedoch deutlich schmaler geworden. Wer künftig Offenburg führt, sollte deshalb auch jene Menschen ernst nehmen, die sich bewusst für andere Angebote entschieden haben. Deren Erwartungen verschwinden nicht mit dem Ausscheiden ihrer Kandidat.
Für uns bleibt die Aufgabe, aus dem Wunsch nach Veränderung konkrete gemeinsame Vorhaben zu machen – und mehr Menschen davon zu überzeugen, dass sie daran mitwirken können.
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