Die Diskussion der vergangenen Tage hat eine grundsätzliche Frage aufgeworfen: Was bedeutet demokratische Offenheit – und wo braucht Demokratie eine klare Haltung? Diese Debatte gehört nicht nur in Zeitungsartikel, Pressemitteilungen und E-Mail-Verteiler. Sie gehört mitten in die Stadtgesellschaft. Deshalb laden wir am Montag zum Palodium 2.0 auf den Platz der Verfassungsfreunde ein.
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ToggleDemokratie ist keine Zuschauersportart
Eine lebendige Demokratie zeigt sich nicht allein am Wahltag. Sie entsteht dort, wo Menschen zusammenkommen, einander zuhören, widersprechen, Fragen stellen und Verantwortung übernehmen.
Das Palodium verbindet deshalb Podium und Palaver. Die Kandidaten sprechen nicht nur auf einer Bühne. Zwischen den Gesprächsrunden gibt es Palaver-Pausen, in denen sich die Besucherinnen und Besucher austauschen, eigene Fragen entwickeln und gemeinsam festlegen können, wo sie noch genauer nachhaken möchten.
Damit wird aus einer klassischen Podiumsdiskussion ein gemeinsamer demokratischer Prozess.
Bereits zugesagt haben die Oberbürgermeisterkandidaten Ulrich Albicker, Tobias Benz und Julian Christ. Moderiert wird die Veranstaltung von Fridolin Koch. Die Kandidat*innen Yasemin Tondo, Okan Altun und Emanuel Rohr haben wir angefragt.
Drei Themen, die nicht am Rand stehen dürfen
Im Mittelpunkt stehen nicht die Aufregungen der vergangenen Tage, sondern Menschen und ihre Lebensbedingungen in Offenburg.
Wir sprechen über:
Teilhabe
Wie können Menschen auch zwischen den Wahlen an politischen Entscheidungen mitwirken? Wie erreichen wir diejenigen, die von den üblichen Beteiligungsformaten kaum angesprochen werden? Und wie sorgen wir dafür, dass Bürgerbeteiligung tatsächlich Einfluss hat?
Wohnen und Obdachlosigkeit
Bezahlbarer Wohnraum ist eine der zentralen sozialen Fragen unserer Stadt. Was kann Offenburg gegen steigende Wohnkosten, Wohnungslosigkeit und prekäre Wohnverhältnisse tun? Welche Verantwortung tragen Stadt, Wohnungswirtschaft und soziale Träger?
Politische Bildung und Erinnerungskultur
Demokratie muss gelernt, gelebt und verteidigt werden. Wie stärken wir politische Bildung? Wie bewahren wir die Erinnerung an die Folgen von Ausgrenzung, Rassismus und autoritärer Politik? Und wie schaffen wir daraus Orientierung für unser heutiges Handeln?
Bei allen drei Themen richten wir den Blick besonders auf Menschen in prekären Lebenslagen und auf diejenigen, deren Stimmen in politischen Entscheidungsprozessen häufig nicht ausreichend gehört werden.
Die Diskussion gehört in die Zivilgesellschaft
Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie schnell sich demokratische Kräfte untereinander verhaken können – während rechtsextreme Akteure versuchen, daraus politischen Nutzen zu ziehen. Unsere Antwort darauf darf nicht sein, uns zurückzuziehen oder weiter übereinander zu sprechen. Wir müssen wieder miteinander und mit der Stadtgesellschaft ins Gespräch kommen.
Das bedeutet nicht, dass alle einer Meinung sein müssen. Es bedeutet auch nicht, dass demokratische Haltung grenzenlos oder beliebig wäre. Menschenfeindliche und demokratiefeindliche Positionen werden nicht dadurch harmlos, dass man sie als eine Meinung unter vielen behandelt. Aber die Debatte darüber, wo Offenheit endet und demokratische Verantwortung beginnt, darf nicht in kleinen Kreisen verbleiben. Sie betrifft uns alle.
Deshalb bitten wir die Offenburger Zivilgesellschaft um Unterstützung:
Kommt zum Palodium. Bringt eure Erfahrungen und eure Fragen mit. Teilt die Einladung in euren Vereinen, Initiativen, Kirchengemeinden, Verbänden und Freundeskreisen. Helft mit, einen öffentlichen Raum zu schaffen, in dem leidenschaftlich, respektvoll und menschenwürdig diskutiert werden kann.
Wir haben schon einmal gezeigt, dass wir viele sind
Als Anfang September die rechtsextreme NPD in Offenburg auftreten wollte, kamen rund 300 Menschen auf dem Lindenplatz zusammen. Gewerkschaften, Initiativen, Kirchen, Parteien, Vereine und viele Einzelpersonen standen Seite an Seite. Nicht alle teilten in jeder politischen Frage dieselbe Auffassung. Aber sie waren sich darin einig, dass Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Angriffe auf unsere Demokratie in Offenburg nicht unwidersprochen bleiben dürfen.
Diese Erfahrung sollten wir mitnehmen: Die demokratische Zivilgesellschaft ist vielfältig. Manchmal ist sie anstrengend. Manchmal streitet sie. Aber sie ist stark, wenn sie das Verbindende nicht aus den Augen verliert. Auch beim Palodium 2.0 wollen wir zeigen: Wir sind viele. Wir können unterschiedlich denken und trotzdem gemeinsam Verantwortung für unsere Stadt übernehmen.
Demokratie braucht Haltung – und Beteiligung
Das Palodium 2.0 ist keine perfekte Antwort auf alle Fragen der vergangenen Tage. Es ist aber ein konkretes Angebot: heraus aus den gegenseitigen Zuschreibungen und hinein in das gemeinsame Gespräch. Unter freiem Himmel. Mitten in der Stadt. Offen für alle Menschen, die friedlich und respektvoll miteinander diskutieren wollen.
Palodium 2.0 – Demokratie braucht Haltung
Montag, 21. September 2026
Beginn: 19 Uhr
Platz der Verfassungsfreunde, Offenburg
Die Teilnahme ist kostenlos. Unsere große Jurte schafft einen geschützten Ort für Begegnung, Diskussion und gemeinsames Nachdenken. Kommt dazu. Bringt andere mit. Mischt euch ein.
Denn Demokratie lebt nicht davon, dass wir Konflikten ausweichen. Sie lebt davon, wie wir mit ihnen umgehen.
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