Eine Stadt, die junge Menschen ernst nimmt, muss ihnen nicht nur Angebote machen – sie muss ihnen auch Raum geben. Raum, in dem sie sich treffen können, ohne etwas konsumieren zu müssen. Raum, in dem sie reden, Musik hören, herumhängen und auch einmal etwas lauter sein dürfen.
Der heutige Wunsch von Raya und Kaye führt damit zu einer grundlegenden Frage: Wo dürfen Jugendliche in Offenburg eigentlich einfach Jugendliche sein?
Raya und Kaye wünschen sich mehr Orte für Jugendliche in Offenburg. Gemeint sind Treffpunkte und Aufenthaltsmöglichkeiten, die sich tatsächlich an den Bedürfnissen junger Menschen orientieren und an denen sie Zeit miteinander verbringen können.
Ihr Wunsch reiht sich in ein Thema ein, das in dieser Serie bereits mehrfach auftaucht: Junge Menschen brauchen nicht nur organisierte Freizeitangebote, sondern auch frei zugängliche Räume, die sie selbst nutzen und mitgestalten können.
Uli antwortet
Liebe Raya, liebe Kaye,
euer Wunsch ist für mich besonders wichtig, weil Jugendliche in Stadtplanungen schnell vergessen werden.
Für kleine Kinder bauen wir Spielplätze. Erwachsene haben Cafés, Restaurants, Vereine und viele andere Orte. Aber wenn Jugendliche einfach nur mit Freunden zusammensitzen wollen, wird es plötzlich schwierig. Dann heißt es schnell: zu laut, falscher Ort, bitte weitergehen.
Dabei gehört auch das zur Stadt.
Ich wünsche mir deshalb mehr nichtkommerzielle Orte für Jugendliche. Orte, an denen niemand erst etwas kaufen muss, um bleiben zu dürfen. Das können überdachte Treffpunkte sein, Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum, Sport- und Bewegungsflächen oder Bereiche, die Jugendliche selbst gestalten können.
Wichtig ist mir dabei das Wort selbst. Wir Erwachsenen sollten nicht am Schreibtisch entscheiden, wie ein Jugendtreff auszusehen hat, und uns anschließend wundern, wenn ihn niemand nutzt. Wenn wir neue Orte schaffen, müssen Jugendliche von Anfang an gefragt werden: Wo trefft ihr euch? Was fehlt euch? Was braucht ihr dort? Und was wollt ihr vielleicht selbst organisieren?
Offenburg hat bereits unterschiedliche Angebote für junge Menschen. Entscheidend ist aber, ob sie die Jugendlichen erreichen und ob es genügend Räume gibt, die ohne Anmeldung, Programm oder Konsum funktionieren.
Und wir müssen auch aushalten, dass solche Orte manchmal lebendig sind. Jugend braucht Freiräume. Natürlich gelten Regeln des Zusammenlebens, aber die Lösung kann nicht sein, Jugendliche immer weiter an den Rand zu schieben, weil sie irgendwo stören könnten.
Ich finde, junge Menschen sollten außerdem bei der Gestaltung solcher Orte echte Verantwortung bekommen. Ein kleines eigenes Budget, Mitspracherecht bei Ausstattung und Nutzung oder selbst organisierte Veranstaltungen können aus einem Platz viel mehr machen als nur eine weitere Sitzbank.
Mein Ziel ist ein Offenburg, in dem Jugendliche nicht ständig nach einem Ort suchen müssen, an dem sie bleiben dürfen. Wir brauchen frei zugängliche, attraktive und möglichst selbst mitgestaltete Treffpunkte – mitten in der Stadt und in den Stadtteilen. Denn eine Stadt gehört nicht erst den Menschen, wenn sie erwachsen sind.
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