Es gibt Plätze, die sehen auf dem Stadtplan gut aus, bleiben im Alltag aber weitgehend leer. Und es gibt Orte, die von den Menschen angenommen, verändert und mit Leben gefüllt werden. Der Platz der Verfassungsfreunde gehört zunehmend zur zweiten Kategorie.
Wo früher vor allem ein unzugängliches Kasernenareal lag, ist vor über 20 Jahrenein öffentlicher Raum entstanden, an dem Kinder spielen, Familien zusammenkommen, Jugendliche sich treffen und Veranstaltungen stattfinden können. Der Platz zeigt, was möglich wird, wenn eine Stadt nicht jede Fläche wirtschaftlich verwertet oder dem Autoverkehr überlässt, sondern Raum für Begegnung schafft.
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ToggleEin Platz, der vieles zulässt
Die besondere Qualität des Platzes liegt nicht in einem einzelnen spektakulären Bauwerk. Sie liegt in seiner Offenheit.
Hier kann gespielt, getanzt, diskutiert, gefeiert und einfach nur gesessen werden. Der Platz ist nicht vollständig durchgestaltet und nicht auf eine einzige Nutzung festgelegt. Dadurch können sich ganz unterschiedliche Menschen den Ort aneignen.
Wie wichtig diese Offenheit ist, konnten wir z.B. bei unserer Kinder- und Familiendisco „Spielraum Beats“ erleben. Mehr als 200 Menschen kamen zusammen. Kinder tanzten, Eltern unterhielten sich, Initiativen stellten ihre Arbeit vor, und mit einem großen begehbaren Stadtplan wurde darüber gesprochen, wie kinderfreundlich und lebenswert Offenburg eigentlich ist.
Der Platz wurde an diesem Nachmittag zu dem, was ein öffentlicher Platz sein sollte: zu einem gemeinsamen Wohnzimmer der Stadt.
Spannend auch unsere Versammlung zu der Frage: Wem gehört die Stadt?
Gute Stadtplanung zeigt sich im Alltag
Ein öffentlicher Raum funktioniert nicht schon deshalb, weil er gebaut und offiziell eröffnet wurde. Entscheidend ist, ob die Menschen ihn tatsächlich nutzen können.
Der Platz der Verfassungsfreunde liegt zentral und ist zu Fuß und mit dem Fahrrad gut erreichbar. Es gibt keine Verpflichtung, etwas zu kaufen. Niemand muss Eintritt bezahlen. Menschen können sich begegnen, ohne Kundinnen oder Kunden sein zu müssen.
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele innerstädtische Räume sind inzwischen stark kommerzialisiert. Wer sitzen möchte, soll etwas bestellen. Wer sich länger aufhält, wird schnell als störend wahrgenommen. Gerade Kinder und Jugendliche finden immer weniger Orte, an denen sie einfach sein dürfen.
Der Platz der Verfassungsfreunde beweist, dass es auch anders geht.
Ein guter Anfang – aber noch nicht fertig
Eine gute Geschichte muss nicht so tun, als sei alles perfekt. Gerade im Sommer werden die Schwächen des Platzes deutlich.
Es fehlt an ausreichend Schatten. Besonders die Spielbereiche heizen sich stark auf. Trinkwasser, Wasserspiele oder andere Möglichkeiten zur Abkühlung würden die Aufenthaltsqualität deutlich erhöhen. Auch öffentlich zugängliche Toiletten und eine bessere Infrastruktur für Veranstaltungen würden den Platz weiter verbessern.
Diese Hinweise sind keine Abwertung des Projektes. Sie zeigen vielmehr, dass öffentliche Räume mit ihren Nutzerinnen und Nutzern weiterentwickelt werden müssen.
Ein Platz ist niemals wirklich fertig. Die Bedürfnisse verändern sich. Die Sommer werden heißer. Kinder werden älter, neue Familien ziehen in die Stadt, und andere Gruppen entdecken den Ort für sich. Gute Stadtplanung muss darauf reagieren können.
Was andere Stadtteile daraus lernen können
Der Platz der Verfassungsfreunde sollte deshalb nicht nur als gelungenes Einzelprojekt betrachtet werden. Er kann ein Vorbild für andere Stadtteile sein.
Nicht jeder Stadtteil braucht denselben Platz. Aber jeder Stadtteil braucht Orte, an denen Menschen zusammenkommen können – ohne Konsumzwang, ohne Anmeldung und ohne große Hürden.
Dazu braucht es nicht immer teure Großprojekte. Manchmal genügen entsiegelte Flächen, einige große Bäume, Sitzgelegenheiten, Spielmöglichkeiten und die Bereitschaft, den Menschen Freiräume zu lassen.
Wichtig ist dabei, die Bewohnerinnen und Bewohner frühzeitig einzubeziehen. Kinder wissen sehr genau, wo ihnen Schatten fehlt. Jugendliche können sagen, welche Orte sie nutzen würden. Ältere Menschen wissen, wo Bänke, sichere Wege oder Toiletten fehlen.
Der Platz der Verfassungsfreunde kann deshalb auch ein Beispiel dafür sein, wie öffentliche Räume gemeinsam weiterentwickelt werden: beobachten, ausprobieren, zuhören und verbessern.
Eine Stadt braucht Orte für Gemeinschaft
Offenburg wächst und verändert sich. Wohnraum wird knapper, Flächen werden dichter genutzt und die Sommer heißer. Gerade deshalb brauchen wir mehr öffentliche Räume, die niemandem allein gehören und doch von allen genutzt werden können.
Der Platz der Verfassungsfreunde zeigt, wie wertvoll ein solcher Ort für die Stadtgesellschaft sein kann. Er ist Spielplatz, Treffpunkt, Veranstaltungsort und Freiraum zugleich.
Seine wichtigste Qualität besteht vielleicht darin, dass dort etwas entstehen kann, das sich nicht vollständig planen lässt: Begegnung.
Das sollten wir erhalten, weiterentwickeln und in andere Stadtteile übertragen. Denn eine lebenswerte Stadt besteht nicht nur aus Gebäuden, Straßen und Parkplätzen. Sie entsteht dort, wo Menschen Raum bekommen, um miteinander Stadt zu leben.
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