Offenburg diskutiert den Hitzeschutz. Eine gute Gelegenheit, sich vorzustellen, wie unsere Stadt künftig aussehen könnte. Wo Kinder im Schatten spielen. Wo ältere Menschen auch im Juli vor die Tür können. Wo ein Platz zum Bleiben einlädt.
Zwischendurch geht der Blick allerdings nach oben. Ein FBO-Gemeinderat fragt nach Chemtrails und danach, was über Offenburg ausgebracht werde. Der Oberbürgermeister antwortet sinngemäß, er könne sich nicht mit allem beschäftigen.
Das ist verständlich. Man muss Prioritäten setzen. Schließlich könnte in der nächsten Sitzung noch die Frage auftauchen, ob die Erde eine Scheibe ist und wer für die Absturzsicherung am Rand aufkommt.
Die AfD beschäftigt sich derweil mit historischen Hitzetagen. Es war nämlich früher auch schon heiß. Sehr heiß sogar. Wer genügend heiße Tage seit 1900 aufzählt, hat irgendwann die Redezeit verbraucht, in der man über den nächsten Sommer hätte sprechen können.
Nach dieser Logik wäre auch der Brandschutz weitgehend erledigt. Gebrannt hat es schließlich schon im Mittelalter.
Aus der CDU kommt die Hoffnung auf technische Lösungen. Das hat den Vorteil, dass man Geräte bestellen kann. Bei einer anderen Verteilung des öffentlichen Raums wird es schwieriger: Da müsste womöglich jemand auf etwas verzichten.
Zum Beispiel auf einen Parkplatz.
An dieser Stelle erreicht die Zukunftsdebatte ihren empfindlichsten Punkt. Bäume sind schön. Schatten ist wichtig. Aufenthaltsqualität wird begrüßt. Aber könnte das bitte alles stattfinden, ohne dass das Abstellen eines Autos teurer wird oder einen längeren Fußweg erfordert?
Man kann sich die Stadt von morgen durchaus vorstellen. Sie soll möglichst genauso funktionieren wie die Stadt von gestern, nur gekühlt.
Dabei wäre die eigentliche Aufgabe des Gemeinderats, ein gemeinsames Bild zu entwickeln: Wie wollen wir leben? Wem geben wir Platz? Was schützen wir? Wofür geben wir Geld aus? Und welche Gewohnheiten ändern wir, damit diese Stadt auch künftig für alle bewohnbar bleibt?
Solche Fragen sind anstrengend. Sie lassen sich weder mit einer Liste alter Wetterereignisse noch mit dem Hinweis auf ein neues Gerät abschließend beantworten. Sie verlangen Entscheidungen.
Bis dahin soll die Zukunft bitte noch etwas warten.
Am besten außerhalb der Innenstadt. Dort blockiert sie wenigstens keinen günstigen Parkplatz.
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