Warum Ralph Fröhlich Uli Albicker unterstützt – und weshalb Uli sich auch als Oberbürgermeister auf Protest einstellen müsste.
Ulrich Albicker wird im Wahlkampf immer wieder gefragt, welchen Einfluss Ralph Fröhlich auf ihn hat. Ralph engagiert sich bei der Konferenz für Urban Transformation Design, kurz KfUTD, für Veränderungen in Offenburg. Bei einem ihrer Treffen wurde auch Ulis Kandidatur besiegelt. Wir fragen Ralph nach seiner Motivation, nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden – und danach, was über den Wahltag hinaus bleiben soll.
Ralph, du engagierst dich seit Jahren für Veränderungen in Offenburg. Warum unterstützt du bei dieser Wahl Uli Albicker? Was überzeugt dich persönlich an ihm?
Ich wünsche mir eine Stadt, in der Menschen erleben, dass sie etwas bewegen können. Dafür engagiere ich mich. Es geht um Bäume und Schatten, um selbstbestimmte Mobilität, um soziale Gerechtigkeit und um die Möglichkeit, bei der Entwicklung unserer Stadt wirklich mitzureden.
An Uli schätze ich, dass er sich auf Gespräche einlässt und unterschiedliche Sichtweisen aushalten kann. Auch meine, die manchmal ziemlich ungeduldig sind. Ich traue ihm zu, Menschen zusammenzubringen und unseren Anliegen Raum zu geben. Deshalb unterstütze ich ihn.
Ulis Kandidatur wurde bei einem Treffen der KfUTD besiegelt. Wie kam es dazu, und was hat den Ausschlag gegeben?
Wir beschäftigen uns bei der KfUTD damit, wie Offenburg sich verändern muss und wie wir diese Veränderung gemeinsam gestalten können. Da lag es nahe, auch über die Oberbürgermeisterwahl zu sprechen. Uns war wichtig, dass unsere Themen im Wahlkampf zählen und anschließend in die Entwicklung der Stadt einfließen.
Bei einem dieser Treffen wurde Ulis Kandidatur besiegelt. Damit wurde aus unseren Diskussionen auch die Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung für einen solchen Schritt zu übernehmen. Uli tritt an, und wir unterstützen ihn dabei. Für mich war entscheidend, dass wir unsere Vorstellungen von einer lebenswerten Stadt mit einer konkreten Bewerbung verbinden konnten.
Welche Anliegen waren dabei entscheidend – und warum habt ihr dafür auf eine Kandidatur aus eurem Umfeld gesetzt?
Die Fragen hängen für mich zusammen: Wie bleibt Offenburg angesichts zunehmender Hitze lebenswert? Wie können Menschen sicher und selbstbestimmt unterwegs sein? Wer kann sich das Wohnen und die Teilhabe am Stadtleben noch leisten? Und wer wird gehört, wenn darüber entschieden wird?
Mit einer Kandidatur bekommen solche Fragen im Wahlkampf einen konkreten Ansprechpartner. Uli muss dazu Stellung beziehen, seine Vorstellungen erklären und sich an ihnen messen lassen. Zugleich können wir zeigen, dass aus bürgerschaftlichem Engagement auch die Bereitschaft entsteht, Verantwortung im Rathaus zu übernehmen.
Uli wird immer wieder gefragt, welchen Einfluss du auf ihn hast. Deshalb ganz direkt: Welchen Einfluss hast du tatsächlich?
Für diesen Wahlkampf sind wir ein Team. Wir arbeiten für eine Sache, die wir gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Natürlich bringe ich meine Überzeugungen, meine Ideen und meine Erfahrung ein. Ich unterstütze bei der Kommunikation, denke über Aktionen nach und diskutiere mit ihm über Inhalte.
Dass wir uns dabei gegenseitig beeinflussen, ist selbstverständlich. So funktioniert Zusammenarbeit. Uli bringt seinen eigenen Kopf, seine Lebenserfahrung und seine Vorstellungen mit. Für das, was er als Kandidat vertritt, steht er selbst ein. Ich muss meine Rolle dabei weder größer noch kleiner machen, als sie ist: Ich unterstütze ihn aus Überzeugung und arbeite dafür mit ihm zusammen.
Unterstützung bedeutet nicht, in allem einer Meinung zu sein. Wo unterscheiden sich eure Vorstellungen?
Uli ist viel konservativer als ich. Ich möchte manchmal mit dem Kopf durch die Wand, weil mir die notwendige Transformation viel zu langsam geht – oder weil ich das Gefühl habe, dass wir uns sogar rückwärts bewegen. Wenn ich sehe, was sich verändern müsste, fällt mir das Abwarten schwer.
Uli ist diplomatischer. Er kann Spannungen und Widersprüche besser aushalten und länger im Gespräch bleiben. Dafür habe ich oft die kreativeren Ideen, wenn es darum geht, Menschen zu mobilisieren und ihnen Mut zu machen, für ihre Sache einzustehen.
Das kann sich gut ergänzen. Wir müssen dafür nicht immer einer Meinung sein. Unsere Zusammenarbeit verträgt diese Unterschiede.
Du kennst Uli auch außerhalb von Podien und öffentlichen Auftritten. Welche Eigenschaft lässt dich glauben, dass er ein guter Oberbürgermeister wäre?
Gerade diese Fähigkeit, unterschiedliche Positionen auszuhalten und dabei gesprächsfähig zu bleiben. In unserer Zusammenarbeit erlebe ich, wie verschieden wir an Dinge herangehen. Ich dränge auf Veränderung, er schaut stärker darauf, wie Menschen auf diesem Weg mitgenommen werden können.
Als Oberbürgermeister wird er täglich mit widersprüchlichen Erwartungen umgehen müssen. Dafür braucht es Geduld, aber auch eine eigene Haltung. Ich traue ihm zu, diese Aufgabe ernst zu nehmen und sich mit Menschen auseinanderzusetzen, die anders denken als er.
Ihr kommt aus einem Umfeld, das Forderungen stellt, Protest organisiert und Entscheidungen kritisch begleitet. Ein Oberbürgermeister muss Mehrheiten finden und eine Verwaltung führen. Was traust du Uli bei diesem Wechsel der Verantwortung zu?
Ich traue ihm zu, mit den Mitarbeitenden der Verwaltung und dem Gemeinderat gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Seine diplomatische Art kann dabei helfen. Er wird zuhören, abwägen und entscheiden müssen – und seine Entscheidungen anschließend auch vertreten.
Mir ist dabei wichtig, dass das Wissen der Menschen außerhalb des Rathauses ernst genommen wird. Wer täglich zu Fuß unterwegs ist, einen Angehörigen pflegt, einen Laden betreibt oder unter der Hitze leidet, bringt Erfahrungen mit, die eine Stadt braucht. Ein Oberbürgermeister sollte dieses Wissen in Entscheidungen einbeziehen und dafür sorgen, dass Beteiligung Folgen hat.
Wenn Uli gewählt wird: Würdest du ihn auch öffentlich kritisieren, wenn seine Entscheidungen euren Anliegen widersprechen?
Uli muss sich als Oberbürgermeister warm anziehen. Das meine ich mit einem Lächeln, aber durchaus ernst: Ich bleibe im Protest. Und das wird gegebenenfalls auch Uli zu spüren bekommen.
Mir ist klar, dass er für die ganze Stadt verantwortlich wäre und nicht einfach nur unsere Belange umsetzen könnte. Er müsste unterschiedliche Interessen berücksichtigen, Mehrheiten finden und mit begrenzten Möglichkeiten umgehen. Meine Aufgabe bleibt, auf notwendige Veränderungen zu drängen und Menschen dabei zu unterstützen, ihre Anliegen hörbar zu machen.
Ich erwarte, dass er zuhört, Kritik ernst nimmt und Entscheidungen nachvollziehbar erklärt. Meine Unterstützung ist kein Blankoscheck. Wir können gemeinsam Wahlkampf machen und später öffentlich um den richtigen Weg streiten.
Euer Ziel war, die Themen der KfUTD im Wahlkampf wirksam zu machen. Was ist aus deiner Sicht bereits gelungen, und wo fehlt dir weiterhin eine ernsthafte Auseinandersetzung?
Ich finde, wir haben mit dazu beigetragen, dass über die Zukunft Offenburgs gesprochen wird: über Hitze und Stadtgrün, über die Verteilung des öffentlichen Raums und darüber, wie Menschen an Entscheidungen beteiligt werden. Wir haben eigene Fragen gestellt, Begegnungen organisiert und Vorschläge eingebracht.
Was mir weiterhin fehlt, ist oft die Konsequenz. Bei allgemeinen Zielen ist Zustimmung leicht. Schwieriger wird es, wenn Platz, Geld und Prioritäten neu verteilt werden müssen. Dann zeigt sich, wie ernst Veränderung gemeint ist. Genau dort möchte ich auch nach der Wahl weiter nachfragen: Was wird konkret gemacht, bis wann und woran erkennen wir, ob es wirkt?
Was soll von diesem gemeinsamen Weg über den Wahltag hinaus bleiben – für die KfUTD, für eure Beteiligung an der Stadtpolitik und für Offenburg?
Ich wünsche mir, dass Menschen aus dieser Zeit den Mut mitnehmen, sich einzumischen. Wir können Fragen stellen, Ideen entwickeln, uns zusammentun und selbst etwas auf den Weg bringen. Dieses Zutrauen in die eigene Wirksamkeit ist für mich ein wesentlicher Teil von Demokratie.
Ich möchte, dass Uli gewählt wird. Dafür unterstütze ich ihn. Gleichzeitig reicht unser Engagement weit über diese Wahl hinaus. Die Aufgaben für Offenburg bleiben, und wir werden daran weiterarbeiten.
Wenn aus diesem gemeinsamen Weg mehr Menschen hervorgehen, die für ihre Stadt Verantwortung übernehmen und für ihre Anliegen einstehen, dann bleibt etwas sehr Wertvolles. Und wer auch immer künftig im Rathaus sitzt, wird mit uns rechnen können.
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