Ob Menschen gerne in die Innenstadt kommen, entscheidet sich nicht allein am Preis des Parkplatzes. Entscheidend ist, ob Offenburg ein Ort ist, für den sich der Weg lohnt.
Die Diskussion über Parkgebühren begleitet nahezu jede Debatte über die Zukunft der Innenstadt. Dabei ist der Wunsch nach guter Erreichbarkeit absolut nachvollziehbar. Gerade wer aus den Ortsteilen oder dem Umland kommt, Einkäufe transportieren muss oder in seiner Mobilität eingeschränkt ist, wird auch künftig auf das Auto angewiesen sein.
Doch aus guter Erreichbarkeit folgt nicht automatisch, dass Parkplätze kostenlos sein müssen. Öffentlicher Raum ist knapp – und auch ein Parkplatz kostet Geld: für Bau, Unterhalt, Reinigung und die Fläche, die dafür zur Verfügung gestellt wird.
Philipp Bahr wünscht sich, dass die Offenburger Innenstadt als Einkaufsstandort attraktiver wird. Er sieht steigende Parkgebühren und den Wegfall kostenloser Stellplätze kritisch und befürchtet, dass Menschen deshalb zum Einkaufen an andere Standorte ausweichen. Sein Wunsch: Autofahrer sollten nicht immer stärker finanziell belastet werden.
Uli antwortet
Lieber Philipp,
ich teile dein Ziel: Wir brauchen eine Innenstadt, in die Menschen gerne kommen – zum Einkaufen, zum Essen, zum Arbeiten, für Kultur oder einfach, um andere Menschen zu treffen.
Bei der Frage, ob günstigere oder kostenlose Parkplätze dafür der richtige Weg sind, komme ich allerdings zu einem anderen Schluss.
Natürlich muss unsere Innenstadt mit dem Auto gut erreichbar bleiben. Dazu gehören ausreichend Parkmöglichkeiten, eine verständliche Verkehrsführung und vor allem eine gute Information darüber, wo freie Plätze zu finden sind. Wer auf das Auto angewiesen ist, soll nicht erst lange durch die Stadt fahren und einen Parkplatz suchen müssen.
Aber wir sollten uns nicht einreden, dass wir den Wettbewerb mit Einkaufszentren und Standorten auf der grünen Wiese gewinnen, indem wir möglichst viele kostenlose Parkplätze anbieten. Diesen Wettbewerb können und sollten wir gar nicht führen.
Die Stärke unserer Innenstadt ist eine andere: Hier kann ich einkaufen und anschließend einen Kaffee trinken, Freunde treffen, über den Wochenmarkt gehen, Kultur erleben oder einfach durch eine schöne Stadt schlendern. Genau diese Qualität müssen wir stärken.
Und dazu gehört für mich auch, darüber nachzudenken, wie wir die Einnahmen aus dem Parken sinnvoll einsetzen. Wenn Parkgebühren beispielsweise helfen, Busverbindungen attraktiver zu machen, sichere Wege zu schaffen oder die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern, profitieren am Ende auch Handel und Gastronomie davon.
Wir müssen außerdem stärker auf diejenigen schauen, die täglich in der Innenstadt arbeiten. Für Beschäftigte, die aufgrund ihrer Arbeitszeiten oder ihres Wohnortes keine vernünftige Alternative zum Auto haben, brauchen wir praktikable Lösungen. Das ist eine andere Situation als der kurze Einkaufsbesuch.
Mein Ziel ist eine Innenstadt, die mit allen Verkehrsmitteln gut erreichbar ist – zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Bus und Bahn und selbstverständlich auch mit dem Auto. Aber die Attraktivität unserer Innenstadt möchte ich nicht daran messen, wie viele kostenlose Parkplätze wir anbieten, sondern daran, wie viele Menschen gerne kommen und gerne bleiben.
Bildquellen
- ChatGPT Image 10. Nov. 2025, 13_55_44: © https://kfutd.de | All Rights Reserved
- eule logo kfutd spenden: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International


