Eine Gruppe von Menschen, die sich warm angezogen haben, sitzt und steht im Freien unter einem Vordach; jeder hält eine grüne Karte in der Hand. Im Hintergrund sind Bäume, Bänke und einige Gebäude zu sehen.Quelle: Uwe Nestlen | All Rights Reserved

Uli hört zu: Eine gute Stadt entsteht im Dialog

Eine Stadt entwickelt sich nicht nur durch gute Pläne, sondern vor allem durch die Menschen, die in ihr leben. Wer die Erfahrungen, Ideen und das Wissen der Bürgerinnen und Bürger frühzeitig einbezieht, trifft oft bessere und tragfähigere Entscheidungen.

In der aktuellen Serie des Offenburger Tageblatts wünscht sich Marianne Halter, dass die Menschen bei wichtigen Stadtentwicklungsprojekten früher und stärker beteiligt werden. Außerdem spricht sie sich dafür aus, Grünflächen und Bäume besser zu schützen und der Aufenthaltsqualität in unserer Stadt einen höheren Stellenwert zu geben.

Uli antwortet

Liebe Marianne,

vielen Dank für deinen Wunsch. Ich glaube, viele Menschen kennen genau das Gefühl, das du beschreibst: Man wird zwar informiert, hat aber den Eindruck, dass die entscheidenden Weichen längst gestellt wurden.

Für mich beginnt gute Bürgerbeteiligung deshalb nicht mit einer fertigen Planung, sondern mit einer offenen Frage: Wie wollen wir unsere Stadt gemeinsam gestalten?

Gerade bei Projekten, die das Stadtbild für Jahrzehnte prägen, sollten die Menschen frühzeitig mitreden können. Nicht erst dann, wenn nur noch über Details gesprochen wird, sondern dann, wenn verschiedene Wege noch wirklich offen sind. Beteiligung bedeutet für mich, gemeinsam nach der besten Lösung zu suchen – nicht Zustimmung für bereits getroffene Entscheidungen einzuholen.

Dein Hinweis auf Grünflächen und Bäume ist dabei besonders wichtig. Sie sind weit mehr als Gestaltungselemente. Sie spenden Schatten, verbessern das Stadtklima und machen Plätze zu Orten, an denen Menschen gerne zusammenkommen. Wer heute Stadtentwicklung plant, muss Natur und Aufenthaltsqualität von Anfang an mitdenken.

Ich wünsche mir deshalb eine neue Beteiligungskultur in Offenburg. Mit Einwohnerversammlungen, Bürgerräten, digitalen Beteiligungsmöglichkeiten und transparenten Entscheidungsprozessen können wir das Wissen der Bürgerinnen und Bürger viel besser nutzen. Denn niemand kennt ein Quartier so gut wie die Menschen, die dort leben.

Mein Ziel ist ein Offenburg, das nicht über seine Bürger entscheidet, sondern mit ihnen. Eine Stadt, in der gute Ideen nicht im Rathaus beginnen oder enden, sondern überall dort entstehen können, wo Menschen Verantwortung für ihre Stadt übernehmen. Denn die besten Lösungen entstehen, wenn Verwaltung, Politik und Bürgerschaft gemeinsam an einem Tisch sitzen.

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Vor zwei Jahren haben wir selbst eine Einwohnerversammlung organisiert – nicht, weil wir glaubten, es besser zu wissen, sondern weil viele Menschen das Gefühl hatten, mit ihren Anliegen nicht mehr gehört zu werden. Rund vierzig Bürgerinnen und Bürger kamen zusammen, diskutierten respektvoll miteinander und erarbeiteten gemeinsam Empfehlungen für ihre Stadt.

Was mich bis heute bewegt, ist nicht einmal das Ergebnis der Abstimmungen. Es war ein Satz aus der gemeinsamen Auswertung der Veranstaltung: „Ich habe mich heute endlich wieder einmal selbstwirksam gefühlt.“

Genau darum geht es. Demokratie bedeutet nicht nur, alle acht Jahre einen Oberbürgermeister zu wählen. Demokratie lebt davon, dass Menschen erleben, dass ihre Meinung zählt und ihr Engagement etwas bewirken kann.

Unsere Empfehlungen wurden bisher zwar nicht umgesetzt. Trotzdem hat diese Versammlung gezeigt, welches Potenzial in echter Beteiligung steckt. Wenn Menschen auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch kommen, entstehen Vertrauen, Verständnis und oft überraschend gute Lösungen.

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