Eine Karikatur eines Mannes namens Ralph, der auf einem Stadtplatz auf einen Mann namens Uli zuläuft, um ihn mit einem Paddel namens Fuchtel zu schlagen.

Unter der Fuchtel? Über Zusammenarbeit und zweierlei Maß

Ulrich Albicker hat bei der Offenburger OB-Wahl 7,6 Prozent erreicht und ist auf Platz vier gelandet. Wir hatten auf mehr gehofft. Über dieses Ergebnis dürfen wir diskutieren, ebenso über unseren Wahlkampf. Der Kommentar im Offenburger Tageblatt vom 12. Oktober liefert allerdings eine bemerkenswerte Erklärung: Uli habe „unter der Fuchtel seines Masterminds Ralph Fröhlich“ gestanden.

Damit bin ich gemeint. Und ja: Ich habe Uli unterstützt. Mit Ideen, Texten, Veranstaltungen und viel Zeit. Gemeinsam mit anderen Menschen, die ebenfalls ihre Fähigkeiten, ihre Energie und ihre Hoffnungen eingebracht haben.

Wir haben einen Wahlkampf organisiert. Offenbar wird daraus, sobald eine kleine Bürgerinitiative beteiligt ist, eine Geschichte über Fremdsteuerung.

Zusammenarbeit ist sichtbar. Bevormundung wird behauptet.

Christian Wagner darf unsere Zusammenarbeit kritisch betrachten. Er darf fragen, welchen Einfluss ich auf Uli hatte. Diese Frage ist legitim und wurde uns auch im Wahlkampf gestellt.

„Unter der Fuchtel“ liefert jedoch die Antwort gleich mit: Einer bestimmt, der andere folgt. Für diese Darstellung nennt Wagner in seinem Kommentar kein konkretes Beispiel.

Unsere tatsächliche Zusammenarbeit war durchaus spannungsreich. Uli ist in vielem konservativer als ich. Er ist diplomatischer, hält Widersprüche länger aus und sucht Verständigung, wo ich längst öffentlich Druck machen möchte. Ich bringe dafür Ideen mit, wie Menschen für ihre Anliegen zusammenkommen und sich Gehör verschaffen können.

Wir haben diskutiert, uns gegenseitig überzeugt und Unterschiede ausgehalten. Uli hat seine Entscheidungen selbst getroffen.

Wer daraus ein Verhältnis von Befehl und Gehorsam macht, unterschätzt ihn. Und übergeht die anderen Menschen, die diesen Wahlkampf mitgetragen haben.

Dieselben Fragen an alle

Mich beschäftigt aber noch etwas anderes: Warum wird ausgerechnet unsere sichtbare Zusammenarbeit zum Verdacht auf Abhängigkeit?

Auch Tobias Benz und Julian Christ haben Unterstützer. Auch bei ihnen verbinden Menschen mit ihrem Engagement politische Erwartungen. Das ist zunächst völlig normal. Wer einen Kandidaten unterstützt, hofft meistens, dass dieser bestimmte Anliegen voranbringt.

Interessant wird es bei den konkreten Fragen: Wer trägt einen Wahlkampf mit Geld, Kontakten oder Arbeitszeit? Welche Erwartungen bestehen? Welche Zusagen wurden gemacht? Wie gehen Kandidaten mit den Interessen ihrer Unterstützer um? Und wo ziehen sie Grenzen?

Diese Fragen verdienen bei allen Kandidaten dieselbe Aufmerksamkeit.

Ich weiß nicht, welche Verpflichtungen Tobias Benz oder Julian Christ im Wahlkampf eingegangen sind. Deshalb behaupte ich auch keine. Genau diese Zurückhaltung erwarte ich allerdings ebenso, wenn über Uli und unser Team geschrieben wird.

Wenn bei uns persönliche Kontrolle behauptet wird, während die Beziehungen der Erstplatzierten zu ihren Unterstützer im selben Kommentar ungeprüft bleiben, entsteht ein schiefer Maßstab.

Unsere Anliegen liegen offen

Wir haben Uli unterstützt, weil wir Anliegen in die Stadtpolitik tragen wollen: wirksamen Hitzeschutz, den Erhalt großer Bäume, sichere und selbstbestimmte Mobilität, bezahlbares Wohnen und eine Beteiligung, bei der Menschen tatsächlich etwas bewegen können.

Diese Erwartungen haben wir öffentlich gemacht. Man kann sie nachlesen, kritisieren und mit uns darüber streiten.

Auch die Kandidatur selbst wurde bei einem Treffen der KfUTD gemeinsam auf den Weg gebracht. Menschen haben sich zusammengefunden und beschlossen, sich einzumischen. So entsteht politisches Engagement.

Für mich stand dabei ebenso fest: Meine Arbeit als Aktivist wäre auch mit einem Oberbürgermeister Ulrich Albicker weitergegangen. Gemeinsamer Wahlkampf bedeutet schließlich keinen Anspruch auf dauerhafte Einigkeit. Auch Uli hätte Kritik bekommen, wenn notwendige Veränderungen ausgeblieben wären.

Das Ergebnis bleibt unsere Aufgabe

Platz vier enttäuscht uns. Wir werden darüber sprechen müssen, wen wir erreicht haben, wen wir nicht erreicht haben und was wir hätten besser machen können. Eine pauschale Geschichte vom „Mastermind“ erklärt das Ergebnis jedenfalls nicht.

Wir haben am Wahlabend trotzdem gemeinsam gefeiert. Weil Menschen Zeit, Mut und Kreativität eingebracht haben. Weil Begegnungen entstanden sind. Und weil wir unsere Anliegen öffentlich vertreten haben.

Nun stehen Benz und Christ in der Stichwahl. Beide müssen erklären, was sie für Offenburg konkret vorhaben. Wir werden ihre Antworten prüfen und unsere Haltung entwickeln. Die Menschen, die Uli gewählt haben, entscheiden selbst über ihre nächste Stimme.

Vom Journalismus wünsche ich mir dabei Neugier auf politische Beziehungen, Interessen und Einfluss – bei allen Kandidaten.

Wer „Fuchtel“ schreibt, sollte erklären können, wo er sie gesehen hat. Eine griffige Formulierung ersetzt keine Begründung.

Ralph Fröhlich

Bezug: Christian Wagner, Kommentar „Komfortabler Vorsprung“, Offenburger Tageblatt, 12. Oktober 2026.

Bildquellen

Facebook
LinkedIn
Threads
WhatsApp

Schreibe einen Kommentar


Der Zeitraum für die reCAPTCHA-Überprüfung ist abgelaufen. Bitte laden Sie die Seite neu.