Beim Palodium 2.0 haben Menschen über die Zukunft Offenburgs gesprochen. Aus den Karten der drei Kleingruppen haben wir neun Kernanliegen herausgearbeitet und für die Kandidierenden zur Oberbürgermeisterwahl aufbereitet. Dabei wurde auch eine Aufgabe für uns selbst deutlich: Wir müssen mehr von den Menschen hören, über deren Lebensbedingungen wir sprechen.
Am 21. September stand auf dem Platz der Verfassungsfreunde eine Laterne in der Mitte jeder Gesprächsrunde. Wer sprechen wollte, nahm sie in die Hand. Die anderen hörten zu. So entstand Raum für Gedanken zu Teilhabe, Wohnen und Erinnerungskultur – und für die Frage, was sich in Offenburg verändern sollte.
Jetzt geht es darum, was von diesem Abend bleibt und wie seine Impulse weiterwirken können. Wir hatten zugesagt, die schriftlich gesicherten Beiträge aufzuarbeiten und den Kandidierenden zur Verfügung zu stellen. Die kompakte Zusammenfassung liegt nun vor.
Inhalt
ToggleBeteiligung muss etwas bewirken
Aus den Karten zum Thema Teilhabe lässt sich ein deutliches Anliegen herauslesen: Menschen wollen erleben, dass ihr Engagement Folgen hat. Wer Zeit, Erfahrung und Ideen einbringt, braucht eine nachvollziehbare Antwort. Welche Vorschläge werden aufgegriffen? Welche nicht? Und warum?
Dazu gehört eine Stadtverwaltung, die offen für Ideen ist und Beteiligung mit Entscheidungen und Handeln verbindet. Für junge Menschen bedeutet das auch eigenen Gestaltungsspielraum, etwa durch ein Budget, über dessen Verwendung sie selbst entscheiden können.
Zugleich stellt sich die Frage, wer überhaupt Zugang zu solchen Möglichkeiten findet. Auf den Karten werden ausdrücklich Menschen mit Suchterkrankungen, langzeitarbeitslose Menschen und weitere bislang wenig gehörte Gruppen genannt. Ihre Beteiligung braucht mehr als eine öffentliche Einladung. Sie braucht Zugänge, die zu ihrem Alltag passen.
Der politische Auftrag: Eine Beteiligungskultur schaffen, in der Menschen Zugang, Einfluss und die Wirkung ihres Engagements erleben.
Bezahlbares und menschenwürdiges Wohnen zur Priorität machen
Beim Wohnen führen mehrere Vorschläge zu einer gemeinsamen politischen Aufgabe: Die Stadt soll ihre Möglichkeiten nutzen, um bezahlbaren Wohnraum und menschenwürdige Wohnbedingungen zu sichern.
Dazu gehören die Aktivierung von Leerstand, die Stärkung genossenschaftlichen Wohnens und eine Bodenpolitik, die städtische Grundstücke vorzugsweise verpachtet statt verkauft. Auch Beratungsangebote und passende Wohnmöglichkeiten im Alter wurden angesprochen.
Die auf den Karten festgehaltene Kritik an der Unterbringung am Schlachthof verlangt aus unserer Sicht eine Überprüfung gemeinsam mit den dort lebenden Menschen. Was dort gebraucht wird, muss mit ihnen geklärt werden.
Zusätzlicher Wohnraum und Lebensqualität müssen außerdem zusammen gedacht werden. Nachhaltige Nachverdichtung soll Bäume, Grünflächen und Klimaanpassung berücksichtigen.
Bei einzelnen Wegen bestehen unterschiedliche Vorstellungen. Zum Mietpreisdeckel, zu möglichen Nebenwirkungen des Mieterschutzes und zur Landesgartenschau lässt sich aus den Karten keine gemeinsame Position ableiten. Diese Unterschiede bleiben in der Dokumentation sichtbar.
Der politische Auftrag: Die Handlungsmöglichkeiten der Stadt konsequent für bezahlbaren Wohnraum und menschenwürdige Wohnbedingungen einsetzen.
Geschichte zugänglich machen und kritisch betrachten
Die dritte Kleingruppe beschäftigte sich damit, wie Menschen der Offenburger Geschichte begegnen können. Besonders im Blick waren Jugendliche: Wie wird Geschichte für sie erfahrbar? Welche persönlichen, räumlichen oder digitalen Zugänge können Interesse wecken?
Historische Stadterkundungen, Zeitzeugenberichte und digitale Angebote bieten dafür Ansatzpunkte. Junge Menschen sollten solche Formate mitgestalten können. Historische Vereine und Initiativen brauchen Vernetzung sowie organisatorische und finanzielle Unterstützung. Auch die Zusammenarbeit mit der Hochschule und grenzüberschreitende Verbindungen wurden als Möglichkeiten benannt.
Inhaltlich geht es um einen kritischen Blick auf die Stadtgeschichte. Wer sich auf Freiheit und demokratische Traditionen beruft, muss auch die dunklen Kapitel betrachten. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit den Mechanismen von Ausgrenzung und Verfolgung und ihren Bezügen zur Gegenwart.
Der politische Auftrag: Erinnerungskultur als öffentliche Bildungsaufgabe stärken und dafür verlässliche Zusammenarbeit und Ressourcen ermöglichen.
Unsere eigene Beteiligungslücke
Bei der Durchsicht der Karten ist uns etwas aufgefallen, das wir ausdrücklich benennen möchten: Viele Beiträge sind aus einer bildungsbürgerlichen Perspektive formuliert. Sie bewegen sich in einer Sprache und in Vorstellungen von Beteiligung, die Menschen mit Erfahrung in politischen Debatten und kulturellen Angeboten vertraut sind.
Daran ist zunächst nichts verwerflich. Doch die eigenen Stimmen von Menschen in prekären Lebenslagen und gesellschaftlich marginalisierten Gruppen werden in den Karten nicht ausreichend sichtbar. Auch unser Format erreicht viele dieser Menschen bislang nicht.
Wer über Wohnungsnot spricht, kennt deshalb noch nicht den Alltag eines Menschen ohne gesicherte Wohnung. Wer Beteiligung fordert, weiß damit noch nicht, welche Hürden andere davon abhalten. Und wer eine gute Idee zur Geschichtsvermittlung hat, hat noch nicht erfahren, welche Fragen Jugendliche selbst stellen würden.
Das ist unsere Verantwortung als Veranstaltende. Die fehlenden Perspektiven dürfen wir nicht durch Vermutungen ersetzen. Wir müssen gemeinsam mit den betreffenden Menschen herausfinden, welche Themen ihnen wichtig sind und unter welchen Bedingungen sie sich einbringen möchten.
Die Beiträge des Palodiums bleiben wertvoll. In ihnen stecken Aufmerksamkeit, Engagement und konkrete Ideen für Offenburg. Ihr Wert hängt nicht davon ab, dass sie die ganze Stadtgesellschaft repräsentieren. Er liegt auch darin, weitere Gespräche anzustoßen und die Grenzen des bisher Erreichten sichtbar zu machen.
Die Dokumentation und der nächste Schritt
Unsere Zusammenfassung ist eine redaktionelle Verdichtung der Pinnwandkarten. Sie ist kein gemeinsam beschlossener Forderungskatalog. Das gesprochene Wort wurde nicht aufgezeichnet; Erläuterungen und der genaue Verlauf der Gespräche lassen sich deshalb nicht vollständig rekonstruieren.
Mit der Weitergabe an die Kandidierenden verbinden wir die Bitte um eine konkrete Rückmeldung: Welche Anliegen möchten sie aufgreifen? Welche ersten Schritte würden sie unternehmen? Wo sehen sie andere Prioritäten oder Zielkonflikte? Und wie wollen sie die Menschen einbeziehen, deren Stimmen bislang fehlen?
Die zentralen Anliegen des Palodiums 2.0 herunterladen – Word-Dokument, 2 Seiten
<!– Veröffentlichung: Den Downloadlink nach dem Hochladen der Word-Datei durch die öffentliche URL aus der WordPress-Mediathek ersetzen. Der sandbox-Link funktioniert nur in dieser Arbeitsumgebung. –>
Auch für uns geht die Arbeit weiter. Wir wollen die Impulse nutzen, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die wir bisher nicht erreicht haben. Die Laterne stand an diesem Abend allen in der Runde zur Verfügung. Beim nächsten Schritt müssen wir uns auch fragen, wer noch keinen Weg in diese Runde gefunden hat.
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