Ein alter Straßenbaum kann als Hindernis für eine Baumaßnahme beschrieben werden. Oder als Schattenspender, Lebensraum und Schutz vor Hitze. Ein Parkplatz kann als notwendiges Angebot erscheinen. Oder als öffentlicher Raum, der auch Platz für spielende Kinder, Begegnung oder einen Baum bieten könnte.
Welche Beschreibung wir wählen, beeinflusst, worüber wir sprechen, welche Interessen sichtbar werden und welche Lösungen naheliegen. In der Forschung zu sozialen Bewegungen heißt das Framing: Wir geben einem Thema einen Deutungsrahmen.
Auch wir als Konferenz für Urban Transformation Design tun das. Darüber wollen wir offen sprechen.
Unser Ausgangspunkt ist: Offenburg ist unser gemeinsamer Lebensraum. Wie diese Stadt gestaltet wird, muss sich daran messen lassen, ob alle hier gut leben können. Und darüber wollen wir mitentscheiden.
Das verbindet unseren Einsatz für Bäume und Klimaanpassung mit selbstbestimmter Mobilität, sozialer Gerechtigkeit und demokratischer Beteiligung.
Wenn wir uns für einen alten Baum einsetzen, fragen wir danach, was sein Schatten für die Menschen in dieser Straße bedeutet. Wenn wir über Verkehr sprechen, schauen wir auch auf Kinder, die selbstständig zur Schule kommen wollen, und auf Menschen, die zu Fuß, mit Rollator oder Rollstuhl unterwegs sind. Bei öffentlichen Plätzen interessiert uns, wer dort willkommen ist und wer sich einen Aufenthalt leisten kann.
Mit diesem Blick setzen wir Prioritäten. Wir finden, dass Gesundheit, Bewegungsfreiheit, Begegnung und Mitsprache bei Entscheidungen über unsere Stadt großes Gewicht haben müssen. Wo sie zu kurz kommen, wollen wir das sichtbar machen.
Dabei reicht es nicht, Unzufriedenheit auszudrücken. Wer Veränderung fordert, muss erklären können: Was ist das Problem? Wie entsteht es? Wer kann darüber entscheiden? Und welche Alternative gibt es?
Für unsere Kritik bedeutet das eine Verpflichtung. Wir müssen konkrete Planungen, Beschlüsse und Zuständigkeiten benennen. Wir müssen zeigen, welche Interessen gegeneinander abgewogen werden und welche Folgen eine Entscheidung für unterschiedliche Menschen hat. Auch Kosten, technische Schwierigkeiten und Zielkonflikte gehören auf den Tisch.
Die Behauptung, etwas sei alternativlos, verdient Prüfung. Unsere eigenen Vorschläge verdienen sie ebenso.
Wir wollen außerdem einen Weg zur Veränderung zeigen. Menschen sollen eigene Erfahrungen einbringen, Alternativen entwickeln, sich organisieren und politische Entscheidungen beeinflussen können.
Dafür schaffen wir Gesprächsräume, organisieren Veranstaltungen und machen Vorschläge öffentlich. Mit dem Stadtlabor wollen wir weitere Möglichkeiten eröffnen, Ideen zu sammeln und miteinander über die Zukunft Offenburgs zu diskutieren.
Dabei müssen wir ehrlich bleiben: Eine Plattform schafft noch keine verbindliche Mitsprache. Eine Abstimmung im Stadtlabor ist kein Gemeinderatsbeschluss. Und ein virtuelles Bürgerbudget stellt noch kein echtes Geld bereit. Ob solche Angebote politischen Einfluss gewinnen, hängt auch davon ab, wie Ergebnisse aufgegriffen werden und ob es gelingt, Unterstützung dafür zu organisieren.
Wer Beteiligung einlädt, muss erklären, was sie bewirken kann. Sonst entstehen Erwartungen, deren Enttäuschung das Vertrauen weiter beschädigt.
Das gilt auch für unsere Sprache. Wir kennen den Ärger, wenn Vorschläge versanden oder Entscheidungen längst festzustehen scheinen. Aber wenn wir daraus die Botschaft machen, dass die Menschen ohnehin keinen Einfluss haben, verstärken wir genau jene Ohnmacht, die wir überwinden wollen.
Wir wollen deshalb genau hinsehen: Wo wird Mitsprache blockiert? Wo konnten Menschen etwas bewegen? Was können wir daraus für den nächsten Schritt lernen?
Unser Framing verbindet Kritik mit der begründeten Hoffnung auf Veränderung. Politische Prioritäten sind von Menschen gesetzt. Sie können durch öffentliche Debatten, gute Argumente, gemeinsamen Druck und demokratische Entscheidungen verändert werden.
Dafür wollen wir Menschen gewinnen. Diese Absicht legen wir offen. Wir schreiben aus einer Haltung heraus und übernehmen Verantwortung für unsere Auswahl, unsere Zuspitzungen und unsere Aussagen. Fakten müssen überprüfbar bleiben. Unsicherheiten müssen erkennbar sein. Kritik muss möglich sein.
Auch unser Blick hat Grenzen. Wer Zeit für eine Veranstaltung hat, gut formulieren kann oder sich in politischen Verfahren auskennt, wird leichter gehört. Wer Schicht arbeitet, Angehörige pflegt, wenig Deutsch spricht oder schlechte Erfahrungen mit Beteiligung gemacht hat, fehlt womöglich in unseren Runden.
Unser Anspruch, alle mitzudenken, ist deshalb eine Aufgabe, an der wir uns messen lassen müssen.
Wenn wir sagen, dass alle in Offenburg gut leben können sollen, müssen wir immer wieder fragen: Wen erreichen wir? Wessen Alltag kennen wir zu wenig? Wer trägt die Folgen unserer Vorschläge? Und wer fehlt, wenn wir von „wir“ sprechen?
Unser Vorschlag für einen gemeinsamen Rahmen lautet:
Wir gestalten Offenburg so, dass alle hier gut leben können.
Darin stecken ein Anspruch an Stadtpolitik und eine Einladung an uns alle, Verantwortung zu übernehmen. Welche Erfahrungen verbindet ihr damit? Was trifft dieser Blick auf Offenburg – und was übersieht er?
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