Two women sit on a large city map laid on cobblestones, studying it with notes and markers nearby; one wears a straw hat.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International

Zu Fuß durch Offenburg: Der Stadtplan ist voller roter Punkte

Zu Fuß durch Offenburg: Der Stadtplan ist voller roter Punkte. Am Samstag lag Offenburg auf dem Boden des Marktplatzes. Groß, begehbar, sichtbar. Gemeinsam mit dem FUSS e.V. haben wir Bürgerinnen und Bürger eingeladen, ihre Erfahrungen zum Fußverkehr in Offenburg direkt auf einem großen Stadtplan einzutragen.

Das Ergebnis war deutlich: Viele Menschen bewegen sich gerne zu Fuß durch unsere Stadt. Aber sie erleben dabei auch täglich Konflikte, Unsicherheit und Rücksichtslosigkeit. Besonders auffällig waren die vielen roten Punkte im Bereich der Innenstadt. Also genau dort, wo Menschen eigentlich selbstverständlich, sicher und entspannt unterwegs sein sollten.

Die Beiträge reichten von konkreten Gefahrenstellen bis zu grundsätzlichen Problemen im öffentlichen Raum. Genannt wurden unter anderem Konflikte zwischen Fuß- und Radverkehr an der Unionrampe, unklare oder gefährliche Kreuzungssituationen, zugeparkte verkehrsberuhigte Bereiche, zu enge Gehwege, fehlende Rücksicht in der Fußgängerzone und Probleme mit E-Scootern, Fahrrädern und Lieferdiensten auf Flächen, die eigentlich Fußgängerinnen und Fußgängern gehören.

Eine Rückmeldung brachte es besonders klar auf den Punkt: Eine 75-jährige Neubürgerin berichtete, dass sie sich in der Fußgängerzone wegen verkehrswidrigen Verhaltens von Fahrrädern, E-Scootern und anderen Verkehrsteilnehmenden vor Stürzen fürchtet. Das ist kein kleines Ärgernis. Das ist ein Hinweis darauf, dass öffentlicher Raum für manche Menschen nicht mehr selbstverständlich sicher nutzbar ist.

Map spread with pink sticky notes bearing handwritten messages on a city plan background.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International

Auch die Lange Straße wurde mehrfach genannt. Im südlichen Bereich fühlen sich Fußgänger trotz verkehrsberuhigtem Bereich an den Rand gedrängt. Im nördlichen Bereich wurden parkende Autos als Problem benannt. Am Brünnelesweg wurde die Parkplatzsituation als zu eng beschrieben, verbunden mit dem Wunsch nach einem einseitigen Parkverbot. Für die Zähringerstraße wurde bemängelt, dass der Bürgersteig nur einseitig vorhanden ist und zugleich zu schnell gefahren wird.

Neben den roten Karten gab es auch grüne Hinweise. Der wichtigste war schlicht: Rücksicht nehmen. Das klingt einfach, ist aber im Alltag offenbar nicht selbstverständlich genug. Rücksicht entsteht nicht nur durch Appelle. Sie braucht Räume, Regeln und Kontrollen, die schwächere Verkehrsteilnehmende tatsächlich schützen.

Auffällig war auch, dass viele Rückmeldungen nicht spektakulär klingen, aber den Alltag massiv prägen: Mittelstreifen, die für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl auf alten Pflasterstraßen nötig wären. Kontrollen in Fußgängerzonen und Spielstraßen. Eine bessere Busanbindung am Wochenende und abends. Kleinere, elektrische Busse statt großer Fahrzeuge dort, wo diese den Stadtraum zusätzlich belasten.

Für uns ist klar: Fußverkehr ist kein Randthema. Wer über Mobilität spricht, darf nicht immer zuerst an Autos, Parkplätze oder große Verkehrsbauwerke denken. Zu Fuß gehen ist die Grundlage jeder Mobilität. Jeder Weg beginnt und endet zu Fuß. Gerade Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Auto sind darauf angewiesen, dass Gehwege, Plätze, Querungen und Innenstadtbereiche sicher und gut nutzbar sind.

Die Aktion hat gezeigt: Die Menschen haben sehr konkrete Hinweise. Sie wissen, wo es eng, gefährlich oder unangenehm ist. Man muss ihnen nur zuhören.

Der begehbare Stadtplan war dafür ein guter Anfang. Jetzt dürfen diese Punkte nicht einfach wieder verschwinden. Die Rückmeldungen müssen ausgewertet, an die Verwaltung weitergegeben und politisch ernst genommen werden. Offenburg braucht einen klareren Blick auf den Fußverkehr — nicht irgendwann, sondern jetzt.

Denn eine Stadt, in der Menschen sich zu Fuß unsicher fühlen, ist keine wirklich lebenswerte Stadt.

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