Wie aus beharrlichem Engagement politische Debatten werden. Wer in den vergangenen Jahren auf die Entwicklung des Offenburger Stadtgrüns hingewiesen hat, bekam oft zu hören, man übertreibe. Baumfällungen seien Einzelfälle. Die Hitzeproblematik werde bereits berücksichtigt. Und überhaupt sei Offenburg doch die „sonnigste Stadt Deutschlands“.
Nun bescheinigt der Hitze-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe Offenburg das schlechteste Ergebnis aller untersuchten Städte über 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Stadt erreicht beim Beschirmungsgrad durch Bäume lediglich 12,8 Prozent. Empfohlen werden mindestens 30 Prozent. Gleichzeitig wurden in den vergangenen Jahren tausende große Bäume verloren, während die Versiegelung weiter zunahm.
Was vor wenigen Wochen noch als Anliegen einiger Engagierter galt, ist inzwischen Thema in den regionalen Medien. Nun fordert auch die Grünen-Fraktion im Gemeinderat eine „Aktuelle Stunde“, um über die Konsequenzen aus den Ergebnissen zu diskutieren.
Das ist eine gute Nachricht. Nicht, weil Offenburg schlecht abgeschnitten hat. Sondern weil endlich über die eigentlichen Herausforderungen gesprochen wird.
Inhalt
ToggleVeränderung beginnt selten im Rathaus
Politische Debatten entstehen selten von selbst. Meist werden sie von Menschen angestoßen, die Missstände sichtbar machen, Daten zusammentragen, Fragen stellen und nicht locker lassen. In Offenburg haben zahlreiche Bürgerinnen und Bürger in den vergangenen Jahren genau das getan.
Sie haben Baumfällungen dokumentiert, Informationsfreiheitsanträge gestellt, Daten ausgewertet, Veranstaltungen organisiert, Unterschriften gesammelt, Demonstrationen durchgeführt und immer wieder auf die Folgen von Versiegelung und fehlendem Stadtgrün hingewiesen.
Auch wir als Konferenz für Urban Transformation Design haben unseren Teil dazu beigetragen. Auf unserer Website wurden Fälllisten ausgewertet, Entwicklungen dokumentiert und Zusammenhänge zwischen Stadtgrün, Klimaanpassung und Lebensqualität sichtbar gemacht. Immer wieder haben wir den Dialog mit Verwaltung, Gemeinderat und Öffentlichkeit gesucht.
Nicht weil wir gegen etwas sind. Sondern weil wir überzeugt sind, dass eine lebenswerte Stadt auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet sein muss.
Die eigentliche Debatte beginnt jetzt
Der Hitze-Check ist kein Endpunkt. Er ist ein Weckruf. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob Offenburg ein Problem hat. Die entscheidende Frage lautet: Was machen wir jetzt daraus?
Wie soll eine Stadt aussehen, die sich auf häufigere Hitzewellen vorbereitet? Wie viele Bäume braucht Offenburg tatsächlich? Wie kann weitere Versiegelung vermieden werden? Welche Flächen können entsiegelt werden? Und welche politischen Ziele wollen wir bis 2030 oder 2040 erreichen?
Diese Fragen verdienen eine öffentliche Debatte.
Vom Reagieren zum Gestalten
Wir begrüßen deshalb die Forderung nach einer Aktuellen Stunde im Gemeinderat. Noch wichtiger wäre allerdings, wenn daraus konkrete und messbare Ziele entstehen würden. Etwa ein deutlich höherer Beschirmungsgrad, mehr Nachpflanzungen, weniger Versiegelung und eine transparente jährliche Berichterstattung über den Zustand des Stadtgrüns.
Denn Klimaanpassung ist kein Randthema. Sie entscheidet darüber, wie lebenswert Offenburg für Kinder, ältere Menschen und kommende Generationen sein wird. Die Tatsache, dass dieses Thema nun im Gemeinderat angekommen ist, zeigt vor allem eines:
Beharrliches zivilgesellschaftliches Engagement kann etwas bewegen. Manchmal dauert es länger, als man sich wünscht. Aber es wirkt.
Was bisher geschah
- Seit 2023 dokumentiert die KfUTD die Entwicklung des Offenburger Stadtgrüns.
- Mehrere Informationsfreiheitsanträge und Datenauswertungen zu Baumfällungen.
- Straßen-Baum-Fest, Demonstrationen und öffentliche Veranstaltungen.
- Auswertung der städtischen Baumdaten und Veröffentlichung auf kfutd.de.
- Kontinuierliche Berichterstattung zu Versiegelung, Stadtgrün und Klimaanpassung.
- Engagement um den Erhalt der Magerwiesen am Flugplatz
- Kandidatur von Uli Albicker als Kandidat der KfUTD zur OB-Wahl 2026
- DUH-Hitze-Check 2026: Offenburg bundesweites Schlusslicht beim Hitzeschutz.
Siehe auch:
![]()
Bildquellen
- PXL_20250306_144020076: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International
- ChatGPT Image 10. Nov. 2025, 13_55_44: © https://kfutd.de | All Rights Reserved
- eule logo kfutd spenden: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International



