Wahlprogramme werden geschrieben. Plakate werden gestaltet. Fotos werden gemacht. Termine werden geplant. Doch eine Frage wird im Wahlkampf selten gestellt:
Welche Bücher sollte jemand gelesen haben, der eine Stadt wie Offenburg in die Zukunft führen möchte?
Natürlich braucht eine Oberbürgermeisterin oder ein Oberbürgermeister Verwaltungskompetenz oder Erfahrungen im Management. Doch die Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nicht allein mit Verwaltungswissen nd Managererfahrung lösen. Klimaanpassung, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Bürgerbeteiligung, Mobilität, Wohnen oder die Gestaltung des öffentlichen Raums verlangen neue Perspektiven und die Bereitschaft, über den Tellerrand hinauszuschauen.
Aus den Literaturtipps der KfUTD haben wir deshalb fünf Bücher ausgewählt, die aus unserer Sicht wichtige Impulse für die Zukunft Offenburgs geben können.
Inhalt
Toggle1. Atmen – Sadiq Khan
Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan beschreibt in diesem Buch seinen Kampf gegen Luftverschmutzung und die gesundheitlichen Folgen einer autozentrierten Stadtentwicklung.
Die große Stärke des Buches liegt darin, dass Khan Klima- und Umweltpolitik nicht als Randthema behandelt. Er macht deutlich, dass es um Gesundheit, Lebensqualität und soziale Gerechtigkeit geht. Wer saubere Luft, Schatten und sichere Wege schafft, schützt Menschen.
Gerade für Offenburg ist diese Perspektive spannend. Die Diskussion um Hitzebelastung, Stadtbäume, Entsiegelung und Verkehr wird häufig als Umweltdebatte geführt. Tatsächlich geht es um die Frage, wie gesund unsere Stadt künftig sein wird.
Die Frage für Offenburg lautet:
Wie schaffen wir es, Klimaanpassung als Gesundheitsvorsorge zu begreifen?
2. Die zerrissene Gesellschaft – Claudine Nierth und Roman Huber
Warum fühlen sich viele Menschen von Politik nicht mehr vertreten? Warum wächst das Misstrauen gegenüber Institutionen? Und wie kann Demokratie wieder näher an die Menschen rücken?
Das Buch analysiert die Ursachen gesellschaftlicher Spaltung und zeigt Wege auf, wie Beteiligung und Dialog gestärkt werden können.
Für eine Stadt wie Offenburg ist das hochaktuell. Viele Konflikte der vergangenen Jahre drehten sich nicht nur um die Inhalte von Entscheidungen, sondern auch um die Frage, wie diese Entscheidungen zustande kommen.
Die Frage für Offenburg lautet:
Wie gelingt es, Menschen frühzeitig einzubeziehen und Vertrauen in politische Entscheidungen zu stärken?
3. Dies ist ein Aufstand – Mark und Paul Engler
Große gesellschaftliche Veränderungen beginnen oft nicht in Rathäusern oder Parlamenten. Sie beginnen dort, wo Menschen Missstände nicht länger hinnehmen wollen.
Die Autoren untersuchen erfolgreiche soziale Bewegungen und zeigen, wie Protest Veränderungen anstoßen kann. Das Buch hilft dabei zu verstehen, warum engagierte Bürgerinnen und Bürger kein Störfaktor, sondern ein wichtiger Teil demokratischer Entwicklung sind.
Auch Offenburg hat in den vergangenen Jahren erlebt, wie Debatten über Stadtbäume, Verkehr, Klimaanpassung oder Bürgerbeteiligung durch zivilgesellschaftliches Engagement angestoßen wurden.
Die Frage für Offenburg lautet:
Wie gelingt ein konstruktiver Umgang mit Protest und gesellschaftlichem Engagement?
4. Architektur und Klimawandel
Die Folgen der Klimakrise werden nicht nur auf internationalen Konferenzen entschieden. Sie zeigen sich ganz konkret in unseren Straßen, auf unseren Plätzen und zwischen unseren Häusern.
Das Buch macht deutlich, wie Architektur und Stadtplanung auf steigende Temperaturen, Starkregen und andere Folgen des Klimawandels reagieren können. Es zeigt, dass die gebaute Umwelt entscheidend dafür ist, wie lebenswert eine Stadt bleibt.
Für Offenburg stellt sich die Frage, wie Neubaugebiete, Straßenräume und öffentliche Plätze künftig gestaltet werden müssen, damit sie auch in Jahrzehnten noch funktionieren.
Die Frage für Offenburg lautet:
Wie bauen wir heute die klimaresiliente Stadt von morgen?
5. Souverän – Ralf-Uwe Beck
Demokratie lebt davon, dass die Bürgerinnen und Bürger der eigentliche Souverän bleiben.
Ralf-Uwe Beck beschreibt, warum Beteiligung mehr sein muss als Information und warum Mitbestimmung eine zentrale Voraussetzung für Vertrauen in politische Entscheidungen ist.
Gerade auf kommunaler Ebene zeigt sich, wie wichtig diese Frage ist. Bürgerentscheide, Bürgerräte, Einwohneranträge oder offene Beteiligungsprozesse sind keine Bedrohung für die Demokratie. Sie können sie stärken.
Für Offenburg ist dies eine der entscheidenden Zukunftsfragen.
Die Frage für Offenburg lautet:
Wie wird aus Beteiligung echte Mitentscheidung?
Unsere Einladung an die Kandidierenden
Wir erwarten nicht, dass jede Kandidatin und jeder Kandidat dieselben Bücher liest oder dieselben Schlussfolgerungen zieht. Aber wir wünschen uns eine Debatte, die über Wahlkampfslogans hinausgeht. Deshalb laden wir alle Kandidierenden ein:
- Welches Buch hat Ihr Verständnis von Stadtpolitik besonders geprägt?
- Welche Lektüre würden Sie den Offenburgerinnen und Offenburgern empfehlen?
- Und welche Erkenntnis daraus würden Sie als Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister in Ihre Arbeit mitnehmen?
Denn die Zukunft einer Stadt entscheidet sich nicht nur an der Wahlurne. Sie beginnt mit den Ideen, die wir zulassen.
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