Ein Konferenzraum, in dem die Teilnehmer einem Podium mit Rednern gegenüber sitzen. Auf der Leinwand ist eine Folie mit der Aufschrift „Aktuelle Stunde – Ergebnisse Hitze-Check 2026, 29.06.2026“ zu sehen, die mit vertikalen Streifen in Blau, Rot und Weiß versehen ist.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International

Mehr als eine Verteidigung des Status quo

Die aktuelle Stunde zum Hitze-Check 2026 hatte nicht nur die Ergebnisse der Deutschen Umwelthilfe zum Thema. Die Stadtverwaltung nutzte die Gelegenheit auch, ihre Sicht auf die Bewertung und die bereits laufenden Maßnahmen zur Klimaanpassung darzustellen.

Das verdient zunächst Anerkennung. Die Präsentation machte deutlich: Das Problem der zunehmenden Hitze wird in Offenburg nicht geleugnet. Im Gegenteil. Die Verwaltung zeigte die steigende Zahl heißer Tage und Tropennächte, verwies auf die Stadtklimaanalyse, den Rahmenplan Hitze, das integrierte Klimaanpassungskonzept und das Stadtbaumkonzept. Vorgestellt wurden zahlreiche Projekte – vom Klimahain auf dem Marktplatz über neue Straßenbäume und Trinkwasserbrunnen bis hin zu Förderprogrammen für Dach- und Fassadenbegrünung.

Ebenso nachvollziehbar war der Hinweis auf die Grenzen des DUH-Hitze-Checks. Tatsächlich fließen auch Flächen wie Bahnanlagen, der Flugplatz oder der Gifizsee in die Bewertung ein, obwohl dort kaum zusätzliche Bäume gepflanzt werden können. Auch der Hinweis, dass Offenburg als Oberzentrum überdurchschnittlich viele Verkehrs- und Gewerbeflächen besitzt, ist berechtigt.

Trotzdem bleibt für uns eine entscheidende Frage offen.

Die Präsentation erklärte ausführlich, warum Offenburg im Hitze-Check möglicherweise schlechter abschneidet, als es die Verwaltung für angemessen hält. Sie beantwortete aber nicht die viel wichtigere Frage: Reichen die bisherigen Maßnahmen aus, damit Offenburg in zehn oder zwanzig Jahren tatsächlich deutlich kühler wird?

Genau hier sehen wir die größte Lücke.

Während viele Einzelprojekte mit 10, 20 oder 50 neuen Bäumen vorgestellt wurden, fehlte eine Einordnung der notwendigen Größenordnung. Wenn wir einen Beschirmungsgrad von annähernd 30 Prozent erreichen wollen, reichen einzelne Projekte allein nicht aus. Nach unseren Berechnungen sprechen wir über rund 20.000 zusätzliche Bäume, die möglichst dort wachsen müssen, wo Menschen heute unter der Hitze leiden – in den dicht bebauten Wohnquartieren und entlang der Straßen. Und diese Bäume müssen möglichst bald gepflanzt werden, denn sie benötigen Jahrzehnte, bis sie ihre volle Kühlwirkung entfalten.

Ebenso vermissten wir eine Betrachtung der anderen Seite der Bilanz. Neue Pflanzungen wurden ausführlich dargestellt, über die vielen Baumverluste der vergangenen Jahre dagegen kaum gesprochen. Für das Stadtklima zählt aber nicht allein, wie viele Bäume neu hinzukommen, sondern ob der Bestand insgesamt wächst oder weiter schrumpft. Jeder große Baum, der heute gefällt wird, nimmt der Stadt für Jahrzehnte Schatten, Verdunstung und Kühlung.

Deshalb haben wir in der Fragestunde auch zwei Beispiele angesprochen. Der gefällte Baum in der Turnhallenstraße steht für uns sinnbildlich für einen Umgang, bei dem zunächst Baufelder freigeräumt werden und erst anschließend geprüft wird, wie sich eine Baustelle organisieren lässt. Ebenso stellt sich bei der geplanten Eisenbahnbrücke an der Badstraße die Frage, ob die Baustelleneinrichtung wirklich den Verlust eines großen zusammenhängenden Baumbestands erfordert oder ob sich Bauabläufe so organisieren lassen, dass bestehende Bäume erhalten bleiben. In dicht bebauten Innenstädten werden schließlich auch keine Häuser für Baustellen geopfert – warum sollte das bei ausgewachsenen Bäumen selbstverständlich sein?

Unser Fazit fällt deshalb differenziert aus. Die heutige Präsentation hat gezeigt, dass Offenburg bereits viele sinnvolle Maßnahmen angestoßen hat. Das begrüßen wir ausdrücklich. Gleichzeitig zeigt dieselbe Präsentation aber auch, dass nun der nächste Schritt notwendig ist: eine Fortschreibung des Klimaanpassungskonzepts mit klaren, überprüfbaren Zielen.

Dazu gehören aus unserer Sicht ein verbindliches Beschirmungsziel, ein jährliches Monitoring von Beschirmung, Grünvolumen und Versiegelung, ein Moratorium für vermeidbare Baumfällungen sowie die konsequente Überprüfung aller größeren Bauprojekte darauf, wie sie sich auf das Stadtklima auswirken.

Denn am Ende wird nicht die Zahl der beschlossenen Maßnahmen entscheidend sein. Entscheidend wird sein, ob Offenburg in zehn Jahren tatsächlich grüner, schattiger und lebenswerter geworden ist.

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