Ein bärtiger Mann hält einen kleinen braunen Hund in den Armen, neben einem Wahlplakat, auf dem sein Foto und ein deutscher Text zu sehen sind.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC-SA 4.0 International

Uli Albicker: „Ich will Oberbürgermeister werden – und gehe mit Zuversicht in diesen Sonntag“

Drei Tage vor der Oberbürgermeisterwahl sprechen wir mit Uli Albicker über den langen Weg seit seiner Kandidaturerklärung im Mai 2025, bewegende Begegnungen und die Frage, ob er sich den Wahlsieg zutraut.

Inhalt

Uli, noch drei Tage bis zur Wahl. Wie geht es dir gerade – wenn du einmal nicht die übliche Wahlkampfantwort geben musst?

Mir geht es richtig gut. Seit die beiden großen Kandidatenvorstellungen vorbei sind, bin ich gelöster und gehe mit viel Zuversicht auf den Sonntag zu. Müde bin ich tatsächlich nicht. Die Gespräche und die Unterstützung geben mir Energie. Jetzt freue ich mich auf die letzten Begegnungen vor der Wahl – und natürlich bin ich gespannt, wie die Offenburgerinnen und Offenburger entscheiden.

Du hast schon im Mai 2025 deine Kandidatur erklärt. Wenn du an diesen Moment zurückdenkst: Was hast du dir damals vorgestellt – und was ist ganz anders gekommen?

Mir war damals klar, dass ich Verantwortung für Offenburg übernehmen möchte. Was das im Alltag eines Wahlkampfs bedeutet, lässt sich vorher aber nur begrenzt vorstellen. Aus einer persönlichen Entscheidung ist nach und nach etwas Gemeinsames geworden. Menschen haben mitgedacht, widersprochen, angepackt und ihre Zeit eingebracht. Diese Unterstützung zu erleben, bedeutet mir viel.

Welche Begegnung aus diesen Monaten ist dir besonders im Kopf geblieben? Was hat sie bei dir ausgelöst?

Ein Gespräch mit zwei jungen Frauen über ihr Gefühl von Sicherheit hat mich sehr beschäftigt. Sie haben mir im Gespräch einfach ihr Pfefferspray gezeigt. Dieser Moment ist bei mir hängen geblieben. Da bekommt die Frage, wie sicher sich Menschen in unserer Stadt fühlen, eine ganz konkrete Bedeutung.

Ich möchte, dass junge Frauen sich in Offenburg frei und sicher bewegen können. Dafür müssen wir ihre Erfahrungen ernst nehmen und genauer zuhören: In welchen Situationen fühlen sie sich unsicher? Was erleben sie? Was würde ihnen helfen? Aus solchen Gesprächen entsteht für mich der Auftrag, gemeinsam mit den Betroffenen wirksame Antworten zu finden.

Du hast vielen Menschen zugehört. Bei welchem Thema hat sich dein eigener Blick dadurch verändert?

Beim Thema Beteiligung ist mein Blick konkreter geworden. Eine Einladung zu einer Veranstaltung reicht nicht aus, um alle zu erreichen. Manche Menschen haben wenig Zeit, andere schlechte Erfahrungen gemacht, wieder andere fühlen sich von den üblichen Formaten überhaupt nicht angesprochen. Wenn wir ihre Perspektiven kennenlernen wollen, müssen wir auf sie zugehen. Und wir müssen anschließend zeigen, was aus ihren Beiträgen geworden ist.

Ein Wahlkampf bedeutet auch, öffentlich beurteilt und kritisiert zu werden. Was war für dich besonders schwierig – und wie bist du damit umgegangen?

Schwierig ist es, wenn man merkt, dass die eigenen Worte Menschen verletzt haben. Mein Vergleich bei der Frage zur Unterbringung von Geflüchteten war unpassend. Dafür trage ich die Verantwortung. Über die Möglichkeiten einer Stadt muss man sachlich sprechen können, ohne Menschen dabei herabzusetzen. Aus solcher Kritik muss ich etwas lernen. Zu einem verantwortlichen Umgang gehört für mich, einen Fehler einzugestehen und es künftig besser zu machen.

Gab es unterwegs einen Moment, in dem du an deiner Kandidatur gezweifelt hast? Was hat dich weitermachen lassen?

Es gab anstrengende Tage, an denen ich mich gefragt habe, ob wir mit unseren Möglichkeiten genügend Menschen erreichen. Das gehört zur ehrlichen Bilanz dazu. Geholfen haben mir die Menschen, die diesen Weg mitgehen. Und die Überzeugung, dass ich Offenburg etwas anbieten kann: Lebenserfahrung, Unabhängigkeit und die Bereitschaft, mich auf unterschiedliche Menschen einzulassen.

Was hast du in dieser Zeit über dich selbst gelernt, das du als Oberbürgermeister brauchen könntest?

Ich habe gelernt, Kritik auszuhalten und trotzdem im Gespräch zu bleiben. Als Kandidat möchte man verständlicherweise erklären, was man vorhat. Aber manchmal ist es hilfreicher, erst noch eine Frage zu stellen und genauer zuzuhören. Als Oberbürgermeister werde ich auf das Wissen anderer angewiesen sein – in der Verwaltung, im Gemeinderat und in der Stadtgesellschaft. Dieses Wissen zusammenzubringen, sehe ich als eine wichtige Aufgabe.

Du bist als parteiloser Kandidat angetreten. Wann war diese Unabhängigkeit eine Stärke – und wann hast du gespürt, wie anstrengend es ohne einen Parteiapparat im Rücken sein kann?

Ohne Parteiapparat muss vieles erst aufgebaut werden. Organisation, Öffentlichkeit und Unterstützung entstehen nicht von allein. Das kostet Kraft. Zugleich schätze ich die Freiheit, Vorschläge nach ihrem Inhalt zu beurteilen. Ich möchte mit Menschen aus unterschiedlichen politischen Richtungen zusammenarbeiten, wenn es um gute Lösungen für Offenburg geht. Meine eigenen Grundsätze bleiben dabei klar: Menschenwürde, Demokratie und ein respektvoller Umgang sind für mich verbindlich.

Jetzt ganz direkt: Willst du am Sonntag Oberbürgermeister werden – und traust du dir zu, diese Wahl zu gewinnen?

Ja. Ich will Oberbürgermeister von Offenburg werden, und ich traue mir dieses Amt zu. Deshalb bin ich angetreten. Ich weiß, dass die Konkurrenz stark ist. Aber entschieden wird die Wahl von den Bürgerinnen und Bürgern. Ich werbe bis zum Schluss um ihr Vertrauen. Mein nächstes Ziel ist, am Sonntag die Stichwahl zu erreichen. Dann möchte ich auch den nächsten Schritt schaffen.

Was macht dich auf den letzten Metern zuversichtlich?

Mich macht zuversichtlich, wie viel Unterstützung rund um diese Kandidatur entstanden ist. Menschen bringen ihre Ideen ein, helfen mit und machen anderen Mut, sich mit meiner Bewerbung zu beschäftigen. Daraus lässt sich kein Wahlergebnis ableiten. Aber es gibt mir die Kraft, mit Zuversicht in diese letzten Tage zu gehen.

Wenn die Offenburgerinnen und Offenburger dich wählen: Woran sollen sie im ersten Jahr merken, dass du ihr Oberbürgermeister bist?

Sie sollen merken, dass ihre Anliegen eine verlässliche Antwort bekommen. Dazu gehören regelmäßige, zugängliche Gespräche und verständliche Erklärungen zu Entscheidungen. Gemeinsam mit der Verwaltung und dem Gemeinderat möchte ich klare Prioritäten setzen: beim Schutz vor Hitze, bei einer lebendigen Innenstadt und beim Wohnen. Nach einem Jahr sollen wir öffentlich sagen können: Das haben wir begonnen, das haben wir erreicht, und hier kommen wir noch nicht schnell genug voran.

Was möchtest du den Menschen sagen, die drei Tage vor der Wahl noch überlegen, ob sie dir ihre Stimme geben?

Schauen Sie darauf, wem Sie zutrauen, zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen und mit unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten. Ich bringe Erfahrungen aus verschiedenen beruflichen und persönlichen Zusammenhängen mit und möchte sie für meine Heimatstadt einsetzen. Wenn Sie sich in meinen Vorstellungen für Offenburg wiederfinden, bitte ich Sie um Ihre Stimme. Ich möchte mit Ihnen gemeinsam etwas bewegen.

Wenn am Sonntag die Stimmen ausgezählt sind: Was möchtest du dir selbst sagen können – unabhängig vom Ergebnis?

Dass ich mich dieser Aufgabe ehrlich gestellt und alles gegeben habe. Dass ich offen für Kritik geblieben bin und den Menschen mit Respekt begegnet bin. Und ich möchte den Menschen danken, die mich getragen haben – meiner Familie, meinen Freundinnen und Freunden und allen Unterstützerinnen und Unterstützern. Ihre Zeit, ihre Ideen und ihr Vertrauen sind für mich etwas Besonderes. Natürlich wünsche ich mir, dass wir am Sonntag gemeinsam einen Erfolg feiern können.

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