Die Diskussion um die Platanen in der Fischerstraße zeigt ein grundsätzliches Problem: Große, über Jahrzehnte gewachsene Bäume können wir nicht kurzfristig ersetzen. Neupflanzungen sind wichtig, erreichen aber erst nach vielen Jahren eine vergleichbare Wirkung für Schatten, Kühlung, Luftqualität und Lebensraum.
Deshalb müssen wir in Offenburg den Erhalt großer Bestandsbäume deutlich stärker gewichten. Dabei dürfen wir private Eigentümerinnen und Eigentümer mit den Kosten, Schäden und Haftungsfragen nicht alleinlassen.
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ToggleFragen zum Baumschutz an die OB-Kandidierenden
Angesichts der drohenden Fällung der Platanen in der Fischerstraße und der anhaltenden Diskussion um den Verlust großer Stadtbäume haben wir allen Kandidierenden für die Offenburger Oberbürgermeisterwahl fünf Fragen zum Baumschutz, zur Förderung privater Bäume und zu ihren konkreten Zielen für den Baumbestand gestellt.
Bislang hat uns Ulrich Albicker geantwortet. Seine Antworten dokumentieren wir nachfolgend vollständig. Sollten uns weitere Stellungnahmen der Kandidierenden erreichen, werden wir diese selbstverständlich ebenfalls veröffentlichen.
Uli antwortet
1. Baumschutz
Ja, Offenburg braucht eine Baumschutzsatzung.
Eine solche Satzung sollte vor allem große, alte und besonders klimawirksame Bäume schützen. Wer einen geschützten Baum fällen möchte, müsste dies begründen und genehmigen lassen. Gleichzeitig muss es selbstverständlich Ausnahmen geben, wenn ein Baum krank, nicht mehr standsicher oder eine konkrete Gefahr nicht anders zu beseitigen ist.
Mir ist wichtig, dass eine Baumschutzsatzung nicht nur Verbote enthält. Sie muss transparent, verständlich und praktikabel sein. Die Betroffenen müssen frühzeitig beraten werden und wissen, welche Möglichkeiten es neben einer Fällung gibt.
Große Bäume sind keine beliebig austauschbaren Gestaltungselemente. Sie sind ein Teil unserer grünen Infrastruktur – ebenso wichtig wie Entwässerung, Straßen oder andere Einrichtungen der Daseinsvorsorge.
2. Baumförderung und Entsiegelung
Ja, Baumschutz und Baumförderung müssen zusammengehören.
Ein erheblicher Teil der großen Bäume steht auf privaten Grundstücken. Diese Bäume beschatten jedoch nicht nur das jeweilige Grundstück, sondern oft auch Gehwege, Straßen, Nachbargebäude und öffentliche Räume. Von ihrer Kühlwirkung profitiert die gesamte Stadt.
Deshalb sollte Offenburg private Eigentümerinnen und Eigentümer stärker unterstützen. Denkbar sind:
- eine kostenlose oder stark vergünstigte fachliche Baumberatung,
- Zuschüsse für Baumpflege und Kronensicherung,
- Unterstützung bei Schäden durch Wurzeln,
- Förderprogramme für Neupflanzungen,
- Zuschüsse für die Entsiegelung von Höfen, Vorgärten und Stellplätzen,
- sowie Hilfe bei der Auswahl klimaangepasster Baumarten.
Dabei sollte nicht nur die Zahl der gepflanzten Bäume zählen. Entscheidend ist, dass die Bäume ausreichend Wurzelraum erhalten, dauerhaft gepflegt werden und auch kommende Hitzeperioden überstehen können.
Eine Baumförder- und Entsiegelungssatzung oder ein vergleichbares verbindliches Förderprogramm halte ich deshalb für sinnvoll.
3. Moratorium und vorläufige Sicherung
Bis über ein neues Regelwerk entschieden ist, sollten größere und klimawirksame Baumfällungen einer besonderen Prüfung unterzogen werden.
Dabei müssen wir innerhalb der rechtlichen Möglichkeiten handeln. Eine Stadt kann private Fällungen nicht einfach ohne Rechtsgrundlage pauschal verbieten. Sie kann aber bestehende Instrumente konsequent nutzen, etwa über das Bau- und Planungsrecht, Bebauungspläne, Erhaltungsvorgaben, städtebauliche Verträge oder eine vorläufige Sicherung im Zusammenhang mit einem laufenden Satzungsverfahren.
Ich würde mich dafür einsetzen, dass der Gemeinderat zügig das Verfahren für eine Baumschutzsatzung einleitet und gleichzeitig prüft, welche rechtssicheren Möglichkeiten für eine einstweilige Sicherung bestehen.
Bis dahin sollte bei jeder geplanten Fällung größerer Bäume auf städtischen Grundstücken eine nachvollziehbare Alternativenprüfung erfolgen. Dabei muss öffentlich dargestellt werden:
- weshalb eine Fällung notwendig sein soll,
- welche Möglichkeiten zum Erhalt geprüft wurden,
- welche Kosten die Alternativen verursachen würden,
- und wie ein unvermeidbarer Verlust ausgeglichen wird.
Eine Fällung darf nicht die bequemste oder kurzfristig günstigste Lösung sein. Sie darf nur das letzte Mittel sein.
4. Unterstützung privater Eigentümer
Haftungsfragen, Versicherungsrisiken und Schäden durch Wurzeln sind reale Probleme. Es wäre zu einfach, von privaten Eigentümern den Erhalt großer Bäume zu verlangen und sie anschließend mit allen Kosten und Risiken alleinzulassen.
Ich möchte deshalb eine kommunale Anlaufstelle schaffen, die Eigentümerinnen und Eigentümer unabhängig berät. Dort sollten Fachleute gemeinsam mit den Betroffenen prüfen, ob ein Baum tatsächlich gefällt werden muss oder ob andere Lösungen möglich sind.
Dazu gehören beispielsweise:
- Wurzelbrücken und angepasste Wegebeläge,
- größere oder verbesserte Baumstandorte,
- fachgerechte Kronenpflege,
- regelmäßige Baumkontrollen,
- technische Lösungen zum Schutz von Leitungen und Gebäuden,
- sowie finanzielle Unterstützung bei unverhältnismäßig hohen Erhaltungskosten.
Auch die Versicherungs- und Haftungsfragen müssen gemeinsam mit Fachleuten geprüft werden. Eigentümer brauchen Rechtssicherheit und verlässliche Informationen darüber, welche Kontrollen und Pflegemaßnahmen notwendig sind.
Mein Grundsatz lautet: Beratung und Unterstützung vor Fällung.
Wo ein Baum nach fachlicher Prüfung tatsächlich nicht erhalten werden kann, muss ein angemessener Ersatz erfolgen. Dabei reicht es nicht in jedem Fall aus, einen großen alten Baum durch einen einzigen kleinen Jungbaum zu ersetzen.
5. Mein Ziel für die kommenden acht Jahre
Offenburg braucht einen grundlegenden Kurswechsel: weg vom schleichenden Verlust des Baumbestands, hin zu einem messbaren Nettozuwachs.
Mein Ziel für die kommenden acht Jahre ist:
Mindestens 16.000 zusätzliche, klimaangepasste Bäume im Stadtgebiet zu pflanzen und dauerhaft zu sichern – auf öffentlichen und privaten Flächen.
Das entspricht durchschnittlich 2.000 zusätzlichen Bäumen pro Jahr und wäre zugleich ein wichtiger Schritt zu dem langfristigen Ziel, in Offenburg innerhalb von zehn Jahren 20.000 zusätzliche Bäume zu schaffen.
Dabei genügt es nicht, nur Pflanzzahlen zu veröffentlichen. Die Stadt sollte jährlich transparent berichten:
- wie viele Bäume gefällt wurden,
- wie viele Bäume neu gepflanzt wurden,
- wie viele Jungbäume die ersten Jahre überstanden haben,
- wie sich die beschattete Fläche entwickelt,
- wie viel Fläche entsiegelt wurde,
- und wie sich der Baumbestand in den einzelnen Stadtteilen verändert.
Bereits in den ersten beiden Jahren möchte ich erreichen, dass Offenburg keinen weiteren Nettoverlust an Bäumen verzeichnet. Danach muss der Bestand kontinuierlich wachsen.
Besondere Priorität haben für mich stark versiegelte und besonders heiße Stadtbereiche, Schulhöfe, Kindertagesstätten, Spielplätze, soziale Einrichtungen, Haltestellen sowie wichtige Fuß- und Radwege.
Bäume sind nicht nur schön. Sie schützen die Gesundheit, machen öffentliche Räume nutzbar und helfen uns, unsere Stadt an die immer heißeren Sommer anzupassen. Wer heute große Bäume erhält und neue pflanzt, übernimmt Verantwortung für die kommenden Generationen.
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