Ein Mann mit kurzen grauen Haaren und Brille lächelt in die Kamera, während er draußen vor einem Gebäude mit kunstvollen architektonischen Details, Blumenkästen und Fahrrädern steht.

Tobias Benz antwortet auf unsere Fragen zum DUH-Hitze-Check

Nach dem DUH-Hitze-Check 2026 steht Offenburg bundesweit besonders schlecht da. Der von der Deutschen Umwelthilfe ausgewiesene Beschirmungsgrad von nur 12,78 Prozent liegt weit unter dem empfohlenen Richtwert von 30 Prozent. Für uns ist klar: Das ist kein Randthema, sondern eine zentrale Frage der Stadtentwicklung, der Gesundheit und der sozialen Gerechtigkeit.

Wir haben deshalb die OB-Kandidaten gefragt, welche politischen Konsequenzen sie aus diesem Ergebnis ziehen. Tobias Benz hat uns nun ausführlich geantwortet. Wir veröffentlichen seine Antworten im Folgenden im Wortlaut, damit sich alle selbst ein Bild machen können.

Uns war dabei besonders wichtig zu erfahren, ob der Befund anerkannt wird, ob alte Baumkronen künftig als unverzichtbare Klimainfrastruktur behandelt werden, ob das Baumkataster öffentlich zugänglich gemacht werden soll und welche konkreten Maßnahmen in den ersten 100 Tagen einer möglichen Amtszeit angestoßen würden.

Die Antworten zeigen: Das Thema Hitzeschutz ist im Wahlkampf angekommen. Jetzt kommt es darauf an, ob daraus auch verbindliche Ziele und konkrete Veränderungen für Offenburg entstehen.

OB-Kandidat Tobias Benz zum Hitze-Check 2026

Die zunehmende Hitzebelastung in Städten ist eine reale Herausforderung. Hitzeschutz, Stadtgrün, Entsiegelung, Biodiversität und eine hohe Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum gehören deshalb zu den wichtigen Aufgaben moderner Stadtentwicklung und müssen auch in Offenburg einen hohen Stellenwert haben.

Der aktuelle Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe sollte ernst genommen werden. Der dort ausgewiesene Beschirmungsgrad von 12,78 Prozent liegt deutlich unter dem von Fachleuten empfohlenen Richtwert von 30 Prozent. Auch die Diskussion über fehlende Schattenbereiche in einzelnen Straßen und öffentlichen Räumen zeigt, dass die Auswirkungen zunehmender Hitze von vielen Menschen bereits heute wahrgenommen werden.

Gleichzeitig halte ich es für wichtig, die Ergebnisse des Rankings sorgfältig einzuordnen. Dazu gehört für mich, die Datengrundlage und die Vergleichsmaßstäbe nachzuvollziehen sowie zu prüfen, welche lokalen Besonderheiten berücksichtigt wurden und welche nicht. Ebenso müssen bereits laufende Maßnahmen einbezogen werden. Dazu zählen aktuelle Baumpflanzungen am Marktplatz, in der Steinstraße und am Stadtbuckel ebenso wie die langfristigen Begrünungswirkungen der Landesgartenschau und des Sportparks Süd. Die Ergebnisse dürfen daher weder ignoriert noch ungeprüft übernommen werden. Entscheidend ist, daraus die richtigen Konsequenzen für Offenburg abzuleiten.

Aus meiner fast zwölfjährigen Tätigkeit als Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen weiß ich, dass wirksame Klimaanpassung nicht mit Broschüren oder Absichtserklärungen beginnt, sondern mit konkreten Maßnahmen vor Ort. Deshalb haben wir in unserer Gemeinde über Jahre hinweg zahlreiche Entsiegelungsmaßnahmen umgesetzt, mehr als 150 Bäume im Ortsgebiet neu gepflanzt, öffentliche Flächen mit klimaresilienten Staudenpflanzungen aufgewertet, Wildblumenwiesen zur Förderung der Biodiversität angelegt, eine Biotopverbundplanung entwickelt und den klimaresilient Umbau des kommunalen Waldes in die Wege geleitet. Darüber hinaus haben wir unser Baumkataster öffentlich im Bürger-GIS zugänglich gemacht. Die Ortszentren wurden durch zusätzliche Begrünung und eine höhere Aufenthaltsqualität aufgewertet. Nach der Fertigstellung der Ortsumgehung werden wir die innerörtliche, viel befahrene Bundesstraße zurückbauen und durch Baumalleen sowie attraktivere öffentliche Räume ersetzen. Gleichzeitig haben wir den öffentlichen Nahverkehr mit einer Busverbindung zwischen den Ortsteilen sowie nach Basel im 15-Minuten-Takt deutlich verbessert. Auch dies trägt zu einer nachhaltigen und klimaangepassten Entwicklung bei.

Diese Erfahrungen möchte ich in Offenburg einbringen.

Welche politischen Konsequenzen ziehen Sie aus dem DUH-Hitze-Check?

Der Hitze-Check sollte Anlass sein, die Situation in Offenburg sorgfältig zu analysieren und gleichzeitig dort entschlossen zu handeln, wo Handlungsbedarf bereits heute erkennbar ist. Mehr Stadtgrün, zusätzliche Verschattung, Entsiegelung und eine klimaangepasste Stadtentwicklung sind keine Zukunftsaufgaben, sondern müssen bereits jetzt konsequent vorangetrieben werden. Klimaanpassung ist für mich eine dauerhafte Querschnittsaufgabe, die Stadtplanung, Mobilität, Gesundheitsschutz und Aufenthaltsqualität zusammenführt.

Erkennen Sie den Befund an, dass Offenburg beim Hitzeschutz ein strukturelles Problem hat?

Die zunehmende Hitzebelastung in Städten ist unstrittig und betrifft Offenburg aufgrund seiner Lage im Oberrheingraben in besonderem Maße. Die Ergebnisse des DUH-Hitze-Checks sowie die Diskussion über fehlende Schattenbereiche in einzelnen Straßenzügen zeigen, dass wir das Thema sehr ernst nehmen müssen. Die Gründe für das Abschneiden sollten wir sorgfältig mit allen zuständigen Abteilungen der Verwaltung und engagierten Bürgerinnen und Bürgern analysieren, um ein realistisches und sinnvolles Handlungsprogramm zu entwickeln und umzusetzen. Das sollte Chefsache sein für den Oberbürgermeister. Ob die konkrete Platzierung im Ranking die tatsächliche Situation vollständig abbildet, sollte fachlich geprüft werden. Unabhängig davon sehe ich die Aufgabe, den Anteil beschatteter Flächen zu erhöhen, mehr Grünstrukturen zu schaffen und die Auswirkungen von Hitze auf die Bevölkerung zu reduzieren. In diesem Sinne besteht Handlungsbedarf, unabhängig von der genauen Bewertung im Ranking.

Welche Ziele würden Sie bis 2030 verfolgen?

Mein Ziel ist es, den Anteil beschatteter Flächen in der Stadt spürbar zu erhöhen, mehr öffentliche Räume zu entsiegeln und die Aufenthaltsqualität insbesondere in stark belasteten Bereichen deutlich zu verbessern. Mehr Bäume, mehr Grünflächen und klimaangepasste öffentliche Räume müssen dabei Hand in Hand gehen. Gleichzeitig sollten die Auswirkungen auf das Stadtklima bei allen größeren Bau- und Infrastrukturprojekten frühzeitig bestmöglich berücksichtigt werden.

Unterstützen Sie ein Moratorium für Baumfällungen?

Jeder gesunde Altbaum hat einen hohen Wert für das Stadtklima. Pauschale Moratorien halte ich jedoch nicht für sinnvoll. Notwendige Maßnahmen aus Gründen der Verkehrssicherheit oder für unverzichtbare Infrastruktur müssen möglich bleiben. Ihnen ist sicher bekannt, dass es Erkrankungen von Stadtbäumen gibt, die eine Fällung aus Gründen der Verkehrssicherheit zwingend erforderlich machen. In Grenzach-Wyhlen lassen wir jeden innerörtlichen Baum regelmäßig von einem externen Fachmann untersuchen und lassen vor Fällungen bei alten Bäumen eine fachliches Gutachten einholen, das dann transparent veröffentlich wird. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.

Gleichzeitig zeigt die aktuelle Debatte, wie wichtig große Bestandsbäume für die Kühlung und Verschattung der Stadt sind. Oft können junge Nachpflanzungen die Leistungen alter Baumkronen über viele Jahre hinweg nicht ersetzen. Deshalb muss der Erhalt bestehender Bäume frühzeitig in Planungen berücksichtigt und ihr Schutz konsequent geprüft werden. Zur Wahrheit gehört aber auch dazu, dass das leider nicht immer geht und manchmal im kommunalen Alltag auch Abwägungsentscheidungen zu treffen sind. Auch stellt sich die Frage, ob inwieweit man Planungen anpasst für Bäume, die laut Gutachten in 5-10 Jahren aufgrund von Erkrankungen abgehen werden.

Unterstützen Sie die vollständige Veröffentlichung des Baumkatasters als Open Data?

Grundsätzlich ja. Mit einem öffentlich zugänglichen Baumkataster im Bürger-GIS habe ich in Grenzach-Wyhlen sehr gute Erfahrungen gemacht. Transparenz schafft Vertrauen und ermöglicht Beteiligung. Deshalb stehe ich einer möglichst umfassenden Veröffentlichung entsprechender Daten grundsätzlich positiv gegenüber.

Welche Maßnahmen würden Sie in den ersten 100 Tagen auf den Weg bringen?

Ich möchte schnell ins Handeln kommen. Deshalb würde ich die besonders hitzebelasteten Bereiche Offenburgs identifizieren, bestehende Maßnahmen sowie die Ergebnisse des DUH-Hitze-Checks fachlich auswerten und kurzfristig umsetzbare Begrünungs- und Entsiegelungsmaßnahmen auf den Weg bringen unter Beteiligung der Bürgerschaft. In den ersten 100 Tagen kann man einen solchen Prozess anstoßen, die schrittweise Umsetzung wird einen gewissen Zeitraum in Anspruch nehmen (Genehmigungsverfahren, ggf. Bauleitplanung, Haushalt usw.) Gleichzeitig möchte ich die Bürgerschaft stärker einbinden. Denkbar ist ein Wettbewerb, bei dem Bürgerinnen und Bürger Flächen in ihrem Quartier benennen können, die entsiegelt oder begrünt werden sollten. Dafür sollte ein festes jährliches Budget bereitgestellt werden. Auch Patenschaften für Bäume und Grünflächen können einen wichtigen Beitrag leisten.

Wie stellen Sie sicher, dass alte Baumkronen künftig als unverzichtbare Klimainfrastruktur behandelt werden?

Große und gesunde Bestandsbäume sind unverzichtbare Klimainfrastruktur. Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung und verbessern die Aufenthaltsqualität in einer Weise, die junge Nachpflanzungen über viele Jahre hinweg noch nicht leisten können. Deshalb muss ihr Erhalt bei Planungen frühzeitig und bestmöglich berücksichtigt werden. Mein Ziel ist es, vermeidbare Verluste zu verhindern, notwendige Ersatzpflanzungen frühzeitig vorzunehmen, größere Stammdurchmesser zu pflanzen und insgesamt den Bestand an schattenspendenden Bäumen deutlich auszubauen.
Wie bereits erwähnt, gibt es in der kommunalen Praxis aber immer wieder auch Abwägungsentscheidungen für Gemeinderat und Verwaltung bei Planungen und Projekten. Der Baumschutz muss dabei aber einen hohen Stellenwert haben. Was nicht mehr passieren darf: Dass man, wie in der Moltkestraße, für die Realisierung eines normgerechten Fahrradwegs eine bestehende, gesunde Baumallee fällen möchte. Das konnte zum Glück abgewendet werden.

Welche Flächen in Offenburg sollten prioritär entsiegelt, begrünt und verschattet werden?

Vorrang haben stark versiegelte öffentliche Räume mit hoher Nutzungsintensität und hoher Hitzebelastung. Dazu gehören insbesondere Plätze, Schul- und Kindergartenumfelder, Haltestellenbereiche, Parkplätze sowie dicht bebaute Quartiere mit geringer Beschattung. Ihr Vorschlag, alle 15 Meter einen Baum zu pflanzen bei Straßen, ist gut gedacht, praktisch aber kaum umsetzbar, wie ich aus Sanierungsprojekten weiß: Aufgrund des Bestandes an Versorgungsleitungen (Gas, Strom, Wasser, Abwasser, Breitband usw.) sind Baumpflanzungen leider an vielen Stellen nicht möglich. Das habe ich erst kürzlich bei der Neugestaltung eines Ortszentrums erleben müssen, so dass wir an einigen Stellen nur Strauch- und Staudenbeete und keine Bäume pflanzen konnten.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen grundsätzlich Bereiche, die bereits heute als wenig verschattet wahrgenommen werden und von vielen Menschen täglich genutzt werden. Dort lassen sich Verbesserungen oft besonders schnell und wirksam erreichen. Das ganz muss meines Erachtens pragmatisch und unideologisch erfolgen. Auch hier bedarf es immer wieder Abwägungsentscheidungen, etwa hinsichtlich von Parkplätzen, die beispielsweise für den Einzelhandel oder Anwohner wichtig sind. Daher ist eine Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger wichtig. Dies erhöht auch die Akzeptanz.

Wie wollen Sie besonders gefährdete Gruppen schützen?

Mehr Schatten, mehr Grün, zusätzliche Trinkwassermöglichkeiten und besser erreichbare kühle Aufenthaltsorte sind zentrale Maßnahmen. Ich halte zudem einen Klimaanpassungs-Stadtplan nach dem Vorbild anderer Städte für sinnvoll, der kühle Orte, Trinkwasserstellen und Rückzugsmöglichkeiten sichtbar macht. Hierzu können auch geöffnete Kirchen, öffentliche Gebäude und andere klimatisch günstige Aufenthaltsorte gehören.

Mit Nebelduschen im öffentlichen Raum wurden vielerorts nur begrenzt positive Erfahrungen gemacht. Hohe Wartungs- und Unterhaltungskosten sowie hygienische Anforderungen sprechen dafür, den Schwerpunkt auf dauerhafte Verbesserungen des Mikroklimas durch Entsiegelung, Begrünung und Baumpflanzungen zu legen.

Werden Sie sich dafür einsetzen, dass Offenburg künftig jährlich öffentlich über Baumverlust, Nachpflanzungen, Kronenvolumen, Versiegelung, Entsiegelung und Hitzebelastung berichtet?

Ja, das finde ich grundsätzlich einen guten Ansatz. Jedes Konzept sollte regelmäßig evaluiert werden hinsichtlich Erfolgen bei der Umsetzung. Fortschritte bei Baumbestand, Nachpflanzungen, Entsiegelung, Begrünung und Klimaanpassung sollten transparent und nachvollziehbar dokumentiert werden. Eine regelmäßige Berichterstattung kann dazu beitragen, Entwicklungen sichtbar zu machen und die Wirkung von Maßnahmen besser zu bewerten. Wichtig ist nur, den Verwaltungsaufwand überschaubar zu halten. Wir brauchen nicht hunderte Seiten Bericht, sondern eine übersichtliche Zusammenfassung der erzielten Fortschritte, etwa in Form eines Dashboards.

Offenburg braucht beim Hitzeschutz einen pragmatischen und zugleich ambitionierten Kurs. Es geht nicht um Symbolpolitik, sondern um konkrete Verbesserungen, die für die Menschen spürbar sind: mehr Schatten, mehr Grün, attraktivere öffentliche Räume und eine lebenswerte Stadt auch an heißen Sommertagen.

Die Erfahrungen aus Grenzach-Wyhlen haben mir gezeigt, dass sich mit klaren Prioritäten, Transparenz und konsequentem Handeln viel erreichen lässt. Diese Erfahrungen möchte ich nach Offenburg einbringen und gemeinsam mit Bürgerschaft, Verwaltung und Gemeinderat die Stadt fit für die Herausforderungen des Klimawandels machen.

Unser Fazit

Die Antwort von Tobias Benz ist deutlich substanzieller als viele politische Allgemeinplätze, die man bei solchen Themen oft zu hören bekommt. Er erkennt den DUH-Hitze-Check als ernstzunehmenden Anlass an, benennt den zu niedrigen Beschirmungsgrad, spricht sich grundsätzlich für ein öffentlich zugängliches Baumkataster aus und unterstützt eine regelmäßige öffentliche Berichterstattung über Fortschritte bei Baumbestand, Entsiegelung und Klimaanpassung. Das ist ein wichtiger Schritt.

Gleichzeitig bleibt die Antwort an entscheidenden Stellen noch zu unverbindlich. Offenburg braucht jetzt nicht nur das Bekenntnis zu mehr Grün, mehr Schatten und mehr Aufenthaltsqualität. Offenburg braucht messbare Ziele, klare Prioritäten und ein öffentlich überprüfbares Arbeitsprogramm.

Für uns gehören dazu weiterhin: eine deutliche Erhöhung des Beschirmungsgrades in Richtung der empfohlenen 30 Prozent, eine massive Ausweitung des Baumbestands, ein jährliches Entsiegelungsziel, verbindliche Baumstandards bei Straßenbauprojekten und ein öffentliches Dashboard zu Baumverlust, Nachpflanzungen, Grünvolumen, Versiegelung und Hitzebelastung.

Bemerkenswert ist Benz’ Aussage zur Moltkestraße. Er schreibt, dass es nicht mehr passieren dürfe, für einen normgerechten Fahrradweg eine bestehende, gesunde Baumallee fällen zu wollen. Genau darum ging es bei unserem Protest. Und genau daraus muss nun eine neue Planungslogik für ganz Offenburg entstehen: Bäume dürfen nicht länger als störende Restgröße behandelt werden. Sie sind Klimainfrastruktur.

Unser Eindruck: Tobias Benz nimmt das Thema ernst. Das ist gut. Aber Ernstnehmen reicht nicht mehr. Wer Offenburg aus dem Hitzeschutz-Schlusslicht herausführen will, muss aus guten Worten konkrete Beschlüsse machen.

Am Ende zählt nicht, ob alle mehr Stadtgrün wichtig finden. Am Ende zählt, ob in fünf Jahren tatsächlich mehr Schatten auf unseren Wegen liegt als heute.

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