Die Innenstadt ist das Herz Offenburgs. Sie ist Einkaufsstraße, Treffpunkt, Arbeitsplatz und Wohnzimmer zugleich. Deshalb muss sie so gestaltet sein, dass sich Menschen jeden Alters dort gerne aufhalten – sicher, entspannt und ohne gegenseitige Rücksichtslosigkeit.
In der aktuellen Serie des Offenburger Tageblatts wünscht sich Heinrich End eine Innenstadt, die sich wieder stärker den Fußgängerinnen und Fußgängern widmet, mehr Grün und Schatten bietet und gleichzeitig für alle gut erreichbar bleibt.
Uli antwortet
Lieber Heinrich,
vielen Dank für deinen Wunsch. Ich finde, darin steckt eine wichtige Botschaft: Eine Innenstadt sollte in erster Linie den Menschen gehören.
Wer zu Fuß unterwegs ist, nimmt eine Stadt ganz anders wahr. Man entdeckt Geschäfte, trifft Bekannte, bleibt auf einen Kaffee sitzen oder genießt einfach das Leben. Deshalb müssen Fußgängerinnen und Fußgänger in unserer Innenstadt sicher und unbeschwert unterwegs sein können.
Gleichzeitig dürfen wir die verschiedenen Verkehrsmittel nicht gegeneinander ausspielen. Auch Radfahrende brauchen sichere und gut verständliche Wege. Wo Konflikte entstehen, liegt das oft weniger an den Menschen als an einer Infrastruktur, die unterschiedliche Nutzungen auf engem Raum zusammenführt. Gute Planung sorgt dafür, dass alle ihren Platz finden.
Besonders wichtig ist mir dein Wunsch nach mehr Grün und Schatten. Eine Innenstadt wird nicht allein durch schöne Fassaden attraktiv. Sie lebt von Bäumen, Sitzgelegenheiten, Wasser und angenehmen Aufenthaltsorten. Gerade in Zeiten des Klimawandels sind diese Elemente kein Luxus, sondern Teil einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung.
Und natürlich muss die Innenstadt erreichbar bleiben. Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Bus oder dem Auto – entscheidend ist, dass niemand ausgeschlossen wird. Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Familien oder Besucher aus dem Umland haben andere Bedürfnisse als jemand, der mitten in der Innenstadt wohnt. Gute Mobilität bedeutet deshalb nicht, ein Verkehrsmittel zu bevorzugen, sondern allen eine gute Teilhabe zu ermöglichen.
Mich begleitet dabei ein Gedanke des dänischen Stadtplaners Jan Gehl, dessen Buch Städte für Menschen ich allen empfehle, die Städte planen oder gestalten. Er stellt eine einfache Frage: „Wie fühlt sich ein Mensch an diesem Ort?“ Wenn wir unsere Entscheidungen konsequent aus dieser Perspektive treffen, entstehen lebenswerte Städte.
Mein Ziel ist eine Innenstadt, die Menschen zusammenbringt. Ruhig, grün, sicher und lebendig – ein Ort, an dem man gerne bleibt und nicht nur schnell hindurchgeht. Denn eine Stadt gewinnt nicht durch mehr Verkehr, sondern durch mehr Lebensqualität.
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