Eine lebenswerte Stadt ist eine Stadt, in der sich Menschen sicher fühlen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Geschlecht. Gerade Frauen berichten immer wieder davon, dass sie bestimmte Orte oder Wege am Abend meiden. Das sollte niemand als selbstverständlich hinnehmen.
In der aktuellen Serie des Offenburger Tageblatts wünschen sich zwei Offenburgerinnen mehr Sicherheit rund um den Bahnhof und eine stärkere Präsenz von Polizei und kommunalem Ordnungsdienst.
Uli antwortet
Liebe Eda, liebe Jill,
danke, dass ihr dieses Thema ansprecht. Es darf nicht sein, dass Menschen ihre Wege oder ihren Alltag danach ausrichten müssen, wo sie sich unsicher fühlen. Wer abends mit dem Zug nach Hause kommt, sollte den Weg nach Hause ohne Angst zurücklegen können.
Sicherheit beginnt mit einer guten Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, Polizei, Bundespolizei, Ordnungsdienst, Deutscher Bahn und sozialen Einrichtungen. Aber sie entsteht nicht allein durch mehr Kontrollen. Genauso wichtig ist die Frage, wie wir unsere öffentlichen Räume gestalten.
Der dänische Architekt und Stadtplaner Jan Gehl zeigt in seinem Buch „Städte für Menschen“, dass sich Menschen dort sicher fühlen, wo öffentlicher Raum lebendig ist. Gut beleuchtete Wege, klare Sichtbeziehungen, attraktive Aufenthaltsorte und eine Nutzung durch viele unterschiedliche Menschen schaffen ganz selbstverständlich soziale Aufmerksamkeit füreinander. Eine belebte Straße ist oft sicherer als eine leere.
Ich würde mir deshalb wünschen, dass „Städte für Menschen“ zur Pflichtlektüre für alle wird, die in Offenburg öffentliche Räume planen und gestalten. Wir sollten unsere Stadt konsequent aus der Perspektive der Menschen denken – nicht zuerst aus der von Autos, Verkehrsströmen oder technischen Vorgaben. Gerade der Bahnhof und sein Umfeld bieten die Chance zu zeigen, wie gute Stadtplanung das Sicherheitsgefühl ganz konkret verbessern kann.
Natürlich brauchen wir auch eine sichtbare Präsenz von Polizei und kommunalem Ordnungsdienst. Doch nachhaltige Sicherheit entsteht erst dann, wenn Gestaltung, Prävention und Präsenz zusammenkommen. Nur so wird der Bahnhof wieder zu einem Ort, an dem sich alle Menschen – insbesondere Frauen und junge Menschen – jederzeit sicher fühlen können.
Mein Ziel ist ein Bahnhof, der ein freundliches Eingangstor zu unserer Stadt ist: hell, belebt, gut gestaltet und so sicher, dass niemand überlegen muss, welchen Weg er oder sie nach Einbruch der Dunkelheit nimmt.
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